Ein Bauchtasche lehnt auf einem etwa Faustgroßem Stein und ist mit Pilzen garniert. Im Hintergrund ist ein kleiner Zweig zu sehen.

Lederalternativen: Wo keinem das Fell gegerbt wird

Was wäre, wenn Leder auf Bäumen wachsen würde – oder in Laboren aus Pilzen entstünde? Das geht doch auf keine Kuhhaut, oder? Doch: Vegane Lederalternativen haben den Sprung zum ernst zu nehmenden Werkstoff längst geschafft. Ob aus Apfelresten oder biotechnologisch gezüchtetem Myzel. Ob den Gerbereien deshalb die Felle davonschwimmen? Eher nicht. Aber ein Blick lohnt sich.

Leder ist gleich Leder?

Generell gilt: Nur was wirklich tierische Haut ist, darf auch als Leder bezeichnet werden. Synthetische Imitate oder pflanzliche Alternativen dürfen nicht unter dem Begriff angeboten werden. Traditionell hat sich der Begriff Kunstleder als tierfreies Material etabliert und darf als solches betitelt werden. Die Abgrenzung zu neueren Materialien aus pflanzenbasierten Stoffen ist jedoch in der Diskussion, da es zu unterschiedlichsten Material-Mischformen in der Herstellung kommt.

Ersatzmaterial Kunstleder

Kunstleder oder auch synthetisches Leder wird schon seit über hundert Jahren für die Produktion von Kleidung, Autositzen, Schuhen oder Taschen verwendet. Dabei besteht das Imitat meist aus einem textilen Trägergewebe – entweder Chemie- oder Naturfaser – das heute mit einer Schicht Weich-PVC oder Polyurethan („PU-Lederimitat“) überzogen ist. Dadurch wird es sehr robust, leicht zu reinigen und vielseitig einsetzbar. Auch optisch kommt die Struktur des Kunststoffleders an das Original heran. Einen Nachteil hat das Lederimitat allerdings: Auch wenn hierfür kein Tier seine Haut lassen musste, besonders nachhaltig ist die Alternative nicht.

So basiert der Kunststoff zum Beispiel auf Erdöl und ist nicht biologisch abbaubar. Für die Herstellung ist ein hoher Energieaufwand von Nöten sowie der Einsatz kritischer Chemikalien. Zudem ist die Lebensdauer im Vergleich zu Echtleder deutlich kürzer. Bei der Verwendung von recyceltem Plastik wird zumindest weniger Neu-Kunststoff in der Produktion eingesetzt. Gerade PET-Flaschen lassen sich gut wiederverwerten. Hierfür werden sie zunächst zu PET-Granulat aufbereitet, welches dann zu neuen Kunststofffasern, etwa für Schuhe oder Taschen aus Kunstleder, verarbeitet werden kann.

Pflanzliche Alternativen zu Leder

Recht innovativ ist eine Lederalternative, die aus den Fasern von Ananas-Blättern hergestellt wird. Hierfür ist kein spezieller Anbau nötig, denn die Blätter fallen bei der regulären Ananas-Ernte an und landen für gewöhnlich im Abfall. Dadurch ist das Material ressourcenschonend – weder zusätzliches Wasser, mehr Ackerfläche noch der Einsatz von weiterem Dünger oder Pestiziden sind nötig.

Im Schnitt braucht man für einen Quadratmeter des Lederimitats die Blätter von 16 Früchten. Die Blätter werden mit einem biologisch abbaubaren Kunststoff überzogen. Dabei handelt es sich um ein Polymer aus Milchsäure und Maisstärke. Unter bestimmten Bedingungen kann dieser Kunststoff durch Enzyme von Mikroorganismen wie Pilzen und Bakterien zersetzt werden. Nach dem Abbau bleibt nichts weiter übrig als CO2 und Wasser. Das „Ananasleder“ ist von der Stabilität vergleichbar mit echtem Leder. Allerdings wird es schlussendlich auch nochmal von einer weiteren Kunststoffschicht aus PU überzogen, um mehr Wasserbeständigkeit und Stabilität zu ermöglichen.

Eine Lederalternative auf Apfelbasis ist ebenfalls ein Überbleibsel – und zwar aus der Apfelsaftindustrie. Hierfür werden die zerkleinerten Apfelreste pulverisiert und der Kunststoff PU als Stabilisator hinzugegeben. Das Ganze wird dann auf Baumwollstoff aufgetragen und erhitzt, sodass sich die Stoffe miteinander verbinden. Nach ähnlichem Prinzip lassen sich auch pflanzliche Lederimitate aus Eukalyptus oder auch Bananen herstellen.

Neben Flaschenverschlüssen und Bodenbelägen werden mittlerweile auch Taschen, Kleidung und Schuhe aus der Rinde der Korkeiche hergestellt. Beheimatet sind die Bäume hauptsächlich in Portugal. Besonders nachhaltig ist, dass zur Rindengewinnung die Bäume nicht gefällt werden müssen - die Rinde wächst immer wieder nach. Der Kork wird nach einigen Bearbeitungsschritten auf ein Trägermaterial aufgetragen – hierbei handelt es sich häufig um Baumwolle. Bezüglich der Widerstandskraft kann es Kork mit Echtleder aufnehmen – es ist atmungsaktiv, wasserabweisend und verschafft dem Imitat eine angenehme Oberflächenveredelung.

Papier und Pilzgeflecht als Grundstoff

Besonders innovativ ist die Entwicklung einer Lederalternative, die aus der unterirdischen Wurzelstruktur von Pilzen, dem Myzelium, gewonnen wird. Stimmen die äußeren Bedingungen, bilden die Wurzeln ein Geflecht, das von Optik und Haptik an Velourleder erinnert. Bisher ist diese Lederalternative auf Pilzbasis noch nicht sehr häufig aufzufinden – dies könnte sich aber noch ändern.

Auch aus Papier lässt sich ein unempfindliches und reißfestes Lederimitat herstellen. Das auch als „Waschpapier“ bezeichnete Material besteht aus einem Zellulose-Latex-Gemisch. Das Spezialpapier lässt sich einfach zu Taschen oder Geldbeuteln vernähen. (eck)

Status: Juli 2026

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