Eine mittelalte Dame mit dunklen Haaren steht in der Küche. Links von ihr ist ein Fenster mit Kräutern, wie Basilikum in kleinen Tontöpfen davor. Die Dame hält in der linken Hand eine Kapsel und in der rechten Hand ein Glas Wasser. Sie lächelt. Auch hinter ihr ist ein Fenster zu sehen.

Lithium zum Schlucken: Wundermittel fürs Gehirn oder riskanter Selbstversuch?

Ein Stoff, der Batterien antreibt, soll auch das Gehirn auf Trab bringen? In den sozialen Medien wird Lithium als Nahrungsergänzungsmittel zunehmend als Geheimtipp für innere Ruhe, geistige Fitness und gesundes Altern gehandelt. Doch während Lithium in der Psychiatrie seit Jahrzehnten als Arzneistoff eingesetzt wird, ist der Nutzen frei verkäuflicher Präparate nicht ausreichend belegt.

Vom Medikament zum Lifestyleprodukt?

Lithium ist ein Spurenelement, das in kleinen Mengen über Lebensmittel wie Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte aufgenommen wird. Ob Lithium für den Menschen lebensnotwendig ist und welche Funktionen es im Körper erfüllt, ist bislang nicht abschließend geklärt. Auch mögliche Mangelerscheinungen sind bisher nicht bekannt. Daher gibt es derzeit keine offiziellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zur täglichen Lithiumzufuhr.

In der Medizin haben Lithiumverbindungen durchaus ihren Platz und sind in der EU auch als Medikamente zugelassen. So werden bestimmte Arzneimittel mit Lithiumcarbonat beispielsweise zur Behandlung von Depressionen oder bipolarer Störungen eingesetzt – allerdings unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle.

An diese medizinische Wirkung knüpfen manche Anbieter von sogenannten Lithiumorotat-Kapseln an. Sie werben mit mehr mentaler Klarheit, weniger Stress und sogar einem Schutz vor altersbedingtem Abbau und Demenz. Doch hier ist Vorsicht angebracht: Ein bewährter Arzneistoff ist noch lange kein geeignetes Nahrungsergänzungsmittel.

Was die Forschung wirklich hergibt

Tatsächlich wird wissenschaftlich untersucht, ob Lithium in sehr niedrigen Konzentrationen mit geistiger Gesundheit und Alterungsprozessen zusammenhängt. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Lithium-Kapseln Demenz verhindern.

Für solche Versprechen fehlen überzeugende Belege aus aussagekräftigen klinischen Studien. Auch ist nicht ausreichend geklärt, welche Mengen bei langfristiger Einnahme sicher wären. Lithium gilt derzeit nicht als essenzieller Nährstoff; ein nachgewiesener Nutzen einer zusätzlichen Einnahme für gesunde Menschen ist nicht belegt.

Kleine Dosis, große negative Wirkung!

Bei einer falschen Dosierung kann Lithium schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen. Dazu zählen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, starker Durst, Zittern, Muskelschwäche sowie Sprach- und Sehstörungen oder Verwirrtheit. Bereits ein moderater Anstieg des Lithiumspiegels kann solche Beschwerden auslösen. Darüber hinaus kann Lithium die Nieren und die Schilddrüse schädigen. In schweren Fällen kann es zu einer lebensbedrohlichen oder sogar tödlichen Vergiftung kommen. Das Risiko dafür erhöht sich insbesondere bei Flüssigkeitsmangel sowie durch Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten, beispielsweise einigen Schmerzmitteln und entwässernden Arzneimitteln.

Lithium als Nahrungsergänzungsmittel nicht zugelassen

Lithium ist in der EU nicht als Mineralstoff für Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Das gilt auch für Lithiumorotat und andere Lithiumverbindungen. Auch die Anreicherung von Lebensmitteln mit Lithium ist nicht zulässig. Im März 2026 wurde zudem ein EU-Zulassungsverfahren für Lithiumorotat-Dihydrat als neuartiges Lebensmittel beendet, ohne dass eine Zulassung erteilt wurde.

Davon zu unterscheiden sind zugelassene Lithium-Arzneimittel, die ärztlich verordnet und überwacht werden.

Was Verbraucher wissen sollten

Wer Lithium-Kapseln oder ähnliche Produkte zur Nahrungsergänzung im Internet entdeckt, sollte sich bewusst sein, dass diese nicht zugelassen sind und daher nicht ohne Weiteres als sicher gelten können. Für nicht zugelassene neuartige Lebensmittel ist das Inverkehrbringen in Deutschland und den übrigen EU-Mitgliedstaaten grundsätzlich verboten. Anbieter, die solche Produkte dennoch rechtswidrig vertreiben, handeln nicht seriös und müssen gegebenenfalls mit rechtlichen Konsequenzen rechnen.

Von einer eigenständigen Einnahme lithiumhaltiger Präparate ist dringend abzuraten. Der mögliche Nutzen für gesunde Menschen ist nicht ausreichend belegt, während falsche Dosierungen und Wechselwirkungen erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich bringen können. (sie)

Stand: Oktober 2026

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