Glasschälchen mit Vanillepudding und Johannisbeere als Deko, daneben zwei Vanilleschoten

Vanille oder Vanillin: Was ist der Unterschied?

Vanille und Vanillin klingen ähnlich, sind aber völlig unterschiedliche Zutaten. Wir verraten, was wirklich in Vanillinzucker, „natürlichem Vanillearoma“ und Co. drin steckt. Und warum echte Vanille richtig teuer ist.

In vielen Backrezepten wird für einen feineren Geschmack Vanillezucker angegeben. Häufig wird dafür dann Vanillinzucker verwendet, da er preiswerter ist. Auch wenn der Unterschied in der Bezeichnung klein ist, in der Qualität ist er groß.

Echte Vanille hat ein feines Aroma, weshalb sie gern beim Backen von Kuchen und Keksen verwendet wird. Auch bei Süßspeisen ist Vanille eine beliebte Zutat. Nach Safran ist sie das zweitteuerste Gewürz der Welt.

Wer im Lebensmittelgeschäft vor dem Regal mit Backzutaten steht, stellt fest, dass es neben Vanillezucker auch Vanillinzucker gibt. Mancher denkt, dass dies sicherlich dasselbe ist, da es ja sehr ähnlich geschrieben ist. Doch weit gefehlt.

Große Nachfrage nach dem Aromastoff Vanillin

Der Aromastoff Vanillin ist der Hauptbestandteil des Aromas der Vanilleschote. Darüber hinaus enthält die Vanilleschote noch eine Vielzahl weiterer Aromastoffe, die den einzigartigen Geschmack der Vanillearomas ergeben.

Aufgrund der vielfältigen Verwendung des Vanillearomas in Süßspeisen, Gebäck und Getränken sowie als Duftstoff in Parfums und Kosmetika kann mit den geernteten Vanilleschoten nur etwa 10 Prozent des weltweiten Bedarfs an Vanillin gedeckt werden, zumal die Anbaumöglichkeiten regional begrenzt und sehr zeitintensiv sind.

Demzufolge wird heutzutage der Aromastoff Vanillin überwiegend synthetisch hergestellt. Bei künstlich hergestelltem Vanillin handelt es sich um einen chemischen Reinstoff. Dieser sorgt zwar für einen intensiven Geschmack, schmeckt jedoch beim Backen stärker hervor als Vanillezucker.
Mancher Verbraucher empfindet den Geschmack von künstlich hergestelltem Vanillin auch als solchen, nämlich künstlich, insbesondere bei größeren Mengen.

Das Ursprungsland der Vanilleschote ist Mexiko, das jedoch heute nur noch etwa zehn Prozent zur Weltproduktion beisteuert. Spitzenlieferant der Vanille ist mit rund 80 Prozent Madagaskar, gefolgt von Indonesien.

Echte Vanille ist teuer

Vanille gehört zu den teuersten Gewürzen der Welt, weil ihr Anbau und ihre Ernte sehr aufwendig sind. Das Gewürz wird von den Schoten einer gelb-blühenden Kletterorchidee gewonnen. Die Blüten müssen oft von Hand bestäubt werden, da es außerhalb ihrer ursprünglichen Heimat Mexiko nur wenige natürliche Bestäuber gibt. Außerdem dauert es viele Monate, bis die Schoten geerntet und anschließend sorgfältig getrocknet und verarbeitet werden können. Ungünstige Wetterereignisse können die Ernte zusätzlich verringern und den Preis erhöhen.

Lebensmittel mit Vanillegeschmack: Auf die Zutatenliste achten

Wer Lebensmittel mit Vanillegeschmack – zum Beispiel Eis, Joghurt oder Pudding – kauft, sollte einen Blick auf die Zutatenliste werfen. Denn diese verrät, woher das Aroma kommt. Doch die Begrifflichkeiten um den Vanillegeschmack sind schon etwas verwirrend:

  • Vanille  
    Mit „Vanille“ wird ein Gewürz, nämlich die Vanillestange, bezeichnet und kein Aromastoff. Der Begriff Vanille darf nur angegeben werden, wenn dieses Gewürz zugefügt wurde.
     
  • Vanilleextrakt
    Vanilleextrakt wird zu 100 Prozent aus Vanilleschoten gewonnen.
     
  • Natürliches Vanillearoma
    Wenn „natürliches Vanillearoma“ deklariert ist, muss dies zu mindestens 95 Prozent aus der Vanilleschoten stammen.
     
  • Natürliches Aroma
    Der Aromastoff stammt hier aus einer natürlichen Quelle, die nicht näher angegeben werden muss. Die können pflanzliche, tierische oder mikrobiologische Rohstoffe sein. Vanillin kann aus Eugenol, einem Stoff des Nelkenöls, auf biotechnologischem Wege in großen Mengen hergestellt werden.
     
  • Aroma oder Vanillearoma
    Stehen diese beiden Begriffe in der Zutatenliste, ist es vermutlich künstlich hergestelltes Vanillin. Würde das Vanillin aus natürlichen Quellen stammen, wäre es hochwertiger. Diese Aufwertung des Lebensmittels würden die Lebensmittelproduzenten dann auch entsprechend deklarieren. Künstlich wird Vanillin aus Lignin, einem Holzbestandteil, in großen Mengen gewonnen. Aufgrund der hohen Anforderungen an die Natürlichkeit eines Aromastoffes gemäß der EG-Aromenverordnung darf dieses Vanillin, auch wenn es aus Holzabfällen hergestellt wird, nicht als „natürlich“ bezeichnet werden.

Vanillezucker oder Vanillinzucker?

Für Vanillezucker braucht man neben Zucker Vanilleschoten, die verarbeitet als schwarze Pünktchen zu erkennen sind. Bei Vanillezucker ist es auch erlaubt, dass der Vanillegeschmack nicht ausschließlich aus den gemahlenen Vanilleschoten stammt, sondern auch aus zusätzlich zugesetztem Vanilleextrakt. Vanilleextrakt wird aus Vanilleschoten gewonnen und in Reinform oder mit Alkohol vermischt verwendet.

Bei der Herstellung von Vanillinzucker wird Zucker mit dem Aromastoff Vanillin gemischt. Das hierbei verwendete Vanillin wird meist künstlich hergestellt, denn nur so kann der Vanillinzucker im Mehrfachpack so günstig angeboten werden. Mit echter Vanille wäre dies nicht möglich.

Vanille – nicht nur für Süßspeisen geeignet

Bereits die Azteken und Inkas nahmen für ihren Kakao Vanille. In Europa wurde dieses Gewürz dann schnell für Gebäck, Schokolade und Süßspeisen verwendet. Zu diesen Süßspeisen gehören Puddings, Cremespeisen (zum Beispiel Bayerische Creme, Crème brulée) und Eiscreme.

In der heutigen Küche verwenden kreative Köche Vanille auch bei der Herstellung von pikanten Rezepten. Das feine Vanillearoma harmoniert gut mit hellen Fleisch- und Fischgerichten.

Werbung mit Vanilleschote oder Vanilleblüte

Bilder auf der Verpackung von Produkten mit Vanillegeschmack können bereits einen Hinweis geben, woher dieser Geschmack kommt. Nur wenn im Joghurt, Eis oder Gebäck natürliches Vanillearoma, Vanilleextrakt, Vanilleschoten oder Vanillemark enthalten sind, dürfen Vanilleschoten oder gelbe Vanilleblüten abgebildet sein.

Extrahierte Vanilleschoten: schwarze Pünktchen mit wenig Geschmack

Das Vanillearoma ist nicht nur in den Körnchen der Vanilleschote enthalten, sondern auch in den Schoten selbst. Diesen Schoten werden mithilfe eines Lösungsmittels die geschmacksgebenden Substanzen entzogen, um natürliche Vanilleextrakte und –aromen zu erhalten. Übrig bleiben dann  sogenannte extrahierte Vanilleschoten, die kaum mehr Geschmack haben. Werden sie vermahlen und einem Lebensmittel wie Vanilleeis zugegeben, sorgen sie für die typischen schwarzen Pünktchen. Dies kann beim Verbraucher den Eindruck erwecken, dass der Geschmack von echter Vanille stammt. Klarheit bringt dann nur die Zutatenliste.

Vanillezucker – leicht selber machen

Aus 500 Gramm Zucker und 1 Vanilleschote kann jeder leicht selbst Vanillezucker herstellen:
Das Vanillemark aus der aufgeschlitzten Vanilleschote wird zunächst mit einem Esslöffel Zucker verrieben und dann mit dem restlichen Zucker vermischt. Diesen Zucker mit der in Stücken geschnittenen Vanilleschote in eine Dose füllen und gut verschließen. Bereits nach wenigen Tagen hat man einen intensiv schmeckenden Vanillezucker.

Empfehlenswert ist, den Vanillezucker in den ersten Tagen etwas durchzuschütteln, da das Vanillemark etwas feucht ist und der Zucker dadurch anfangs zum Verklumpen neigt.

Übrigens:

  • Bourbon-Vanille
    Die besonders geschätzte „Bourbon-Vanille“ muss von den Inseln Mauritius, Seychellen, La Réunion, Komoren und Madagaskar stammen. Diese Inseln werden auch als Vanille-Inseln bezeichnet. Der Name Bourbon stammt von „Ile Bourbon“, dem früheren Namen der Insel La Réunions.
     
  • Vanillestange im Glasröhrchen
    Gute Vanillestangen haben eine elastische lederähnliche Hülle. Kommen Sie in einem Glasröhrchen in den Handel, wird dadurch das Austrocknen verhindert.  
     
  • Weiße Pünktchen auf der Vanillestange
    Manchmal sieht man auf der Vanillestange unregelmäßige weiße Pünktchen, die wie eine Art „Raureif“ ausschauen. Hierbei handelt es sich um auskristallisiertes Vanillin. Somit sind diese Pünktchen ein Zeichen für eine hohe Qualität und haben nichts mit Schimmel zu tun. (fra)

Stand: August 2026

Schlagworte zum Thema