Seniorin sitzt im Speisesaal am Tisch vor einem Teller mit Salat und schaut freundlich in die Kamera. Sie trägt ein lila-geblümtes Hemd. Auf dem Tisch steht noch ein Trinkglas und es liegt dort Besteck.

Selbstbestimmt genießen im betreuten Wohnen

Auch im betreuten Wohnen darf Genuss nicht zu kurz kommen! Für die 89-jährige Lucia E. gehören frisches Obst und Gemüse, saisonale Köstlichkeiten und abwechslungsreiche Mahlzeiten zu einem guten Essalltag. Im Interview erzählt sie, was ihr schmeckt, worauf sie achtet und warum gutes Essen für sie ein Stück Lebensfreude und Selbstbestimmung bedeutet.

Einfach mal nachgefragt!

Wie gelingt gutes Essen und Trinken im Alter? Um das herauszufinden, haben wir einfach einmal nachgefragt – und zwar bei Menschen in ihrem direkten Lebensalltag. Wir wollen unsere Leserschaft in loser Folge an den Gedanken, Erfahrungen und Tipps von Seniorinnen und Senioren, pflegenden Angehörigen und Verpflegungsverantwortlichen in Wohneinrichtungen teilhaben lassen. Die interviewten Personen schildern hier eigene Eindrücke aus dem Essalltag ganz persönlich und ohne Filter. Für diese Folge hat unsere Autorin Ilona Berg, Fachreferentin der Vernetzungsstelle Seniorenernährung in Hessen, mit der 89-jährige Lucia E. aus dem Odenwald gesprochen. Die rüstige Dame lebt seit einem Jahr in einer Senioreneinrichtung mit betreutem Wohnen in Wiesbaden in der Nähe ihres Sohnes. Vorher wohnte sie alleine in einem großen Haus mit Nutzgarten im Odenwald. Die Gartenarbeit hat ihr immer großen Spaß gemacht, nicht zuletzt, weil sie seit ihrer Kindheit frisches Obst & Gemüse liebt.

Lucia E. fühlt sich mit Ihren fast 90 Jahren noch fit und ist gesundheitlich stabil. Zum Glück kann sie trotz zweier künstlicher Hüftgelenke weiter körperlich aktiv bleiben, sie spielt Tischtennis und geht gerne spazieren. Schon früher mit ihrem Mann zusammen war sie stets sportlich unterwegs mit Tenni, Bergwandern und Skilanglauf.

Wie sieht die Verpflegung nun in Ihrer Einrichtung aus?

Das Mittagessen gehört für alle dazu. Frühstück und Abendessen gibt es auf Wunsch sozusagen als Vollverpflegung. Das Mittagessen nehmen alle Bewohnerinnen und Bewohner gemeinsam im Speisesaal ein. Es gibt freie Platzwahl, aber mit der Zeit bilden sich feste Tischgruppen. Auf Wunsch kann die warme Mahlzeit auch abends eingenommen werden. Es gibt immer ein Salatbuffet und Suppe. Beim Hauptgericht kann zwischen klassischen Fleischgerichten und vegetarischen Speisen gewählt werden.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Speisen aus?

Bei der Speisenauswahl entscheide ich meist, was mir gut schmeckt und was gerade Saison hat. Eigentlich habe ich keine speziellen Lieblingsspeisen, da mir vieles gut schmeckt. Doch Salat muss immer dabei sein. Meist hat der Hauptgang ebenfalls noch eine Gemüsebeilage. Ab und zu probiere ich auch die vegetarischen Gerichte, schätze aber grundsätzlich ein gutes Stück Fleisch. Anstatt eines Desserts wähle ich oft eine Portion Obst oder einen Jogurt.

Speiseteller mit Züricher Geschnetzeltes mit Champignons

Wie verpflegen Sie sich den Rest des Tages? Und was darf im Vorrat nicht fehlen?

Die restlichen Mahlzeiten des Tages gestalte ich wie die meisten Bewohnerinnen und Bewohner individuell. Die Zimmer haben daher alle eine kleine Küche mit zwei Kochstellen, Spüle und einem Kühlschrank.

In der Regel esse ich insgesamt 4 x am Tag. Das Frühstück um 9 Uhr ist ganz klassisch mit Marmelade und Honig. Meistens gibt es Vollkornbrot oder Vollkorn-Toast. Den Kaffee trinke ich jetzt immer ohne Zucker, denn ich achte darauf nicht zu viel Zucker zu essen.

Da ich Obst und Gemüse sehr mag, habe ich davon genügend Vorrat im Zimmer. Den Einkauf erledige ich immer gerne auf dem Markt. Ich kaufe mittwochs meist für die ganze Woche dort ein, neben Obst, Salat und Gemüse auch Brot. Schon früher habe ich im Odenwald gerne direkt beim Erzeuger eingekauft und mich von den Saisonprodukten inspirieren lassen. Besonders liebe ich Erdbeeren, da nasche ich schon mal ein ganzes Schälchen am Nachmittag.

Als Nachmittags- oder Abendmahlzeit bereite ich mir gerne ein Haferflockenmüsli mit Milch, Jogurt und Früchten zu. Die Zutaten kann ich fast alle im hauseigenen „Tante-Emma-Laden“ besorgen.

Manchmal koche ich mir auch etwas Kleines auf der Zimmerküche. Besonders mag ich Karottengemüse oder in der Saison Spargel. Dazu gibt es ein paar Kartoffeln.

Meistens gibt es jedoch ein kaltes Abendessen mit Käse, Ei, Hüttenkäse und etwas Rohkost wie Tomaten, Paprika & Co – meistens sehr früh um 16:30 Uhr. Die relativ lange Essenspause bis zum Frühstück tut mir gut, damit der Magen-Darm-Trakt seine Ruhe bekommt.

Welche Gesundheitsaspekte sind Ihnen beim Essen sonst noch wichtig?

Auch wenn mir der Geschmack und die Abwechslung am Wichtigsten sind, ist mir gesundes Essen ebenfalls wichtig und ich bin darüber gut informiert. Zum Glück habe ich keine Gewichtsprobleme. Doch mit einem Blick auf die Waage schaue ich ab und zu, dass ich mein Normalgewicht behalte. Ich achte dabei auf wenig Zucker, trinke keinen Alkohol und bin beim Salzen recht sparsam. Beim Abendessen ist immer etwas Eiweißhaltiges dabei. Und mit meiner Vorliebe für Obst & Gemüse passen Gesundheit und Genuss wunderbar zusammen. Alle 3-4 Wochen gönne ich mir aber auch eine gute Schokolade.

Vielen Dank für das nette Gespräch!

Das Beispiel von Lucia E. zeigt, wie eine gute Verpflegung in einer Senioreneinrichtung mit betreutem Wohnen aussehen kann und welchen Einfluss die Bewohner selbst dabei haben. 

Stand: September 2026

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