Eine Steingutschale mit rosfarbenen Salz und einem Löffel steht auf einer Tischplatte

Salz ist Salz – oder etwa nicht?

Salzspezialitäten aus aller Welt gehören längst zum festen Sortiment vieler Supermärkte. Oft werden sie mit besonderem Geschmack und gesundheitlichen Vorteilen beworben. Doch was steckt tatsächlich hinter den Angeboten aus nah und fern?

Salzspezialitäten – ein teures Vergnügen?

Es schimmert in den Farben Rosa oder Grün – manchmal auch Schwarz. Köche schwören darauf, und die Werbung suggeriert gesundheitliche Vorteile. Die Rede ist von besonderen Salzen aus unterschiedlichen Regionen der Welt. Ob von der französischen Atlantikküste, aus Pakistan oder von den Salinen Hawaiis – eines haben sie gemeinsam: Sie kosten oft deutlich mehr als gewöhnliches Speisesalz.

Hält der Geschmack, was die Werbung verspricht?

Tatsächlich unterscheiden sich viele Salzspezialitäten geschmacklich und sensorisch vom üblichen Speisesalz. Hinzu kommt die unterschiedliche Optik: Die Salze können durch unterschiedliche Farbtöne oder durch außergewöhnlich feine oder gröbere Kristalle auf dem Teller und beim Mundgefühl besondere Akzente setzen. Deshalb werden viele dieser Produkte als sogenannte Finishing-Salze verwendet – also erst kurz vor dem Servieren über Speisen gestreut. So sorgen sie nicht nur für Salzigkeit, sondern auch für ein besonderes Genusserlebnis.

Reines Natriumchlorid ist farblos beziehungsweise weiß. Bereits sehr geringe Mengen anderer Stoffe können die Lichtbrechung der Kristalle verändern und dadurch eine sichtbare Färbung erzeugen. Die unterschiedlichen Farben vieler Salzspezialitäten entstehen daher nicht durch einen grundsätzlich anderen Salztyp, sondern durch natürliche Begleitstoffe oder gezielte Zusätze. So verdankt das rosafarbene Himalaya-Salz seine Färbung vor allem eisenhaltigen Mineralspuren, die im Salzgestein eingelagert sind. Rotes Hawaii-Salz erhält seine charakteristische Farbe durch die Beimischung eisenhaltiger vulkanischer Tonerde, während schwarzes Hawaii-Salz meist mit Aktivkohle versetzt wird. Grüne Farbtöne gehen häufig auf Tonminerale oder Algenbestandteile zurück.

Sind diese Salze gesünder?

Die klare Antwort lautet: Nein.

Unabhängig von ihrer Herkunft besteht Salz überwiegend aus Natriumchlorid. Daneben können geringe Mengen weiterer Mineralstoffe und Spurenelemente wie Magnesium, Kalium oder Calcium enthalten sein.

Tatsächlich sind diese Stoffe zwar nachweisbar, ihre Mengen sind jedoch so gering, dass sie für die Ernährung praktisch keine Bedeutung haben. Wissenschaftliche Belege für gesundheitliche Vorteile solcher Salzspezialitäten gibt es nicht.

Im Gegenteil: Handelsübliches Speisesalz ist häufig mit Jod angereichert, teilweise zusätzlich mit Fluorid und Folsäure. Diese Zusätze können einen wichtigen Beitrag zur Nährstoffversorgung leisten. Insbesondere Jod wird für die normale Funktion der Schilddrüse benötigt. Da viele Menschen in Deutschland die empfohlenen Jodmengen nicht erreichen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) die Verwendung von jodiertem Speisesalz als Beitrag zur Jodversorgung.

Viele Salzspezialitäten enthalten dagegen kein zugesetztes Jod. Aus ernährungsphysiologischer Sicht sind sie daher gegenüber jodiertem Speisesalz eher im Nachteil.

Die Dosis ist entscheidend

Der menschliche Körper benötigt Natrium für wichtige Funktionen wie die Regulation des Wasserhaushalts sowie die Nerven- und Muskelfunktion. Ein Natriummangel tritt bei der üblichen Ernährung in Deutschland jedoch kaum auf.

Problematischer ist vielmehr eine dauerhaft zu hohe Salzaufnahme. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen, maximal sechs Gramm Salz pro Tag zu sich zu nehmen – das entspricht etwa einem gestrichenen Teelöffel. Tatsächlich liegt die durchschnittliche Aufnahme vieler Menschen darüber. Das Salz stammt dabei oft nicht aus dem Salzstreuer, sondern wird über Brot, Wurstwaren, Käse, Fertiggerichte und Snacks aufgenommen.

Nachhaltigkeit: Ein genauer Blick lohnt sich

Neben gesundheitlichen Fragen spielen für viele Verbraucher heute auch Umwelt- und Sozialaspekte eine Rolle. Zahlreiche Salzspezialitäten werden über weite Strecken transportiert. Wer Wert auf Regionalität legt, findet auch in Europa hochwertige Alternativen.

Darüber hinaus lohnt sich ein Blick auf die Bedingungen der Salzgewinnung. In einigen Regionen wird Salz unter schwierigen Arbeitsverhältnissen gewonnen. Gleichzeitig stellt die Salzproduktion für viele Menschen eine wichtige wirtschaftliche Grundlage dar. Eine pauschale Bewertung ist deshalb kaum möglich. Verbraucher sollten vielmehr genau hinschauen und sich über Herkunft, Produktionsbedingungen und Transportwege informieren.

So bleibt am Ende vor allem eine Erkenntnis: Salzspezialitäten können optisch und kulinarisch interessante Akzente setzen. Einen gesundheitlichen Vorteil gegenüber jodiertem Speisesalz bieten sie jedoch nicht.

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