Traditionsreiche Knolle aus den Tropen
Ingwer gehört zu den ältesten Gewürz- und Heilpflanzen der Welt. Ursprünglich stammt die Pflanze aus Mittel- und Südostasien. Indien, Nigeria und China zählen zu den größten Anbaugebieten.
Der Teil der Pflanze, der in der Küche Verwendung findet und als „Ingwerknolle“ bezeichnet wird, ist das Rhizom der Pflanze – also ein unterirdisch wachsender, verdickter Spross. Die Knolle besitzt eine dünne, hellbraune Schale und ein gelbliches bis goldfarbenes Inneres. Je nach Alter kann das Fruchtfleisch faserig oder eher zart sein. Typisch für Ingwer ist sein intensiver, leicht zitroniger Duft und seine ausgeprägte Schärfe.
Inhaltsstoffe sorgen für Schärfe und positive Effekte auf die Gesundheit
Für den typischen scharfen Geschmack und die gesundheitsfördernde Wirkung von Ingwer sind bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe verantwortlich: Frisch enthält die Knolle vor allem sogenannte Gingerole, während Shogaole vor allem in getrocknetem Ingwer zu finden sind. Diese Stoffe fördern unter anderem die Produktion von Speichel und Magensaft, was Übelkeit lindern und die Verdauung unterstützen kann. Den sekundären Pflanzenstoffen werden zudem verschiedene positive Effekte zugeschrieben, etwa entzündungshemmende, antibakterielle und das Immunsystem stärkende Eigenschaften.
Verwendung in der Küche
Ingwer wird in vielen Küchen der Welt verwendet. Besonders in der asiatischen Küche ist er eine wichtige Zutat. Frischer Ingwer verleiht Suppen, Currys, Wokgerichten oder Gemüsepfannen eine würzige, frische Schärfe. Häufig wird er fein gehackt oder gerieben und zusammen mit Knoblauch, Chili oder Zitronengras verwendet.
Auch in Getränken findet Ingwer Verwendung. Beliebt ist zum Beispiel Ingwertee aus frischen Scheiben, die mit heißem Wasser aufgegossen werden. Ebenso wird Ingwer in Limonaden, Sirup oder sogenannten „Ingwer-Shots“ verarbeitet.
Neben herzhaften Gerichten spielt Ingwer auch in süßen Speisen eine Rolle. In gemahlener Form ist er Bestandteil von Gewürzmischungen für Gebäck, etwa für Lebkuchen oder Gewürzkuchen. Außerdem wird er kandiert als Süßigkeit oder zum Backen angeboten.
Einkauf und Lagerung
Beim Einkauf lohnt es sich, auf frische Ware zu achten. Gute Ingwerknollen sind fest, glatt und saftig. Schrumpelige Schalen oder weiche Stellen können darauf hinweisen, dass die Knolle bereits länger gelagert wurde. Junger Ingwer hat eine besonders dünne Schale und ein milderes Aroma.
Frischer Ingwer lässt sich im Kühlschrank mehrere Wochen lagern. Am besten bewahrt man ihn im Gemüsefach auf, möglichst trocken und luftdicht verpackt. Angeschnittene Stücke sollten zusätzlich geschützt werden, damit sie nicht austrocknen. Alternativ kann Ingwer auch eingefroren werden. Gefroren lässt er sich später gut reiben oder in Scheiben schneiden.
Traditionelle Bedeutung als Hausmittel bei verschiedenen Beschwerden
Ingwer wird nicht nur als Gewürz geschätzt. In vielen Kulturen hat er auch eine lange Tradition als Hausmittel. Besonders bei Erkältungen oder Übelkeit greifen viele Menschen zu Ingwertee.
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) überprüft pflanzliche Arzneimittel regelmäßig, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen und sicherzustellen, dass ihre Anwendung wirksam und sicher ist. Im Mai 2025 hat sie Ingwer neu bewertet und das mögliche Anwendungsspektrum erweitert. Neben der bekannten Nutzung bei Magen-Darm-Beschwerden kann Ingwer demnach auch bei vorübergehendem Appetitverlust, leichten Gelenkschmerzen sowie bei Erkältungsanzeichen eingesetzt werden. Besonders gut wissenschaftlich untersucht ist laut EMA vor allem die Wirkung gegen Übelkeit und Verdauungsbeschwerden.
Für das Jahr 2026 wurde Ingwer zur Arzneipflanze des Jahres gewählt. Die Auszeichnung wird vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde gemeinsam mit der Gesellschaft für Phytotherapie vergeben. Ausschlaggebend für die Entscheidung waren sowohl die lange Nutzungsgeschichte der Pflanze als auch die Neubewertung aus 2025 durch den Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur.
(Sie)
Stand: März 2026