Zwei Hände halten ein Smartphone. Die Arme kommen von links oben runter im Bild. Der Hintergrund ist grün. Und das Smartphone und die Hände herum liegen grüne Blätter.

Wie nachhaltig ist eigentlich mein digitales Leben?

Wir googeln, streamen Musik und Serien, fragen die KI, speichern Fotos in der Cloud – und das alles scheinbar schwerelos. Doch hinter jedem Klick steckt auch eine Menge Technik, Energie und Ressourcen. Wie nachhaltig ist unser digitales Leben wirklich? Und was können wir im Alltag ändern, ohne gleich offline gehen zu müssen?

Einfach mal hingeschaut!

Anne-Kathrin Siebert ist Ernährungswissenschaftlerin und Redakteurin des Verbraucherfensters. Sie beschäftigt sich gerne mit den Themen, die uns im Alltag begegnen. Dabei ist sie neugierig, hinterfragt Entwicklungen und schaut gerne genauer hin: Was steckt hinter einem Trend, was sagen Wissenschaft und Forschung dazu – und was bedeutet das alles für uns als Verbraucherinnen und Verbraucher?

In ihrer Kolumne verbindet sie persönliche Beobachtungen und Gedanken mit fundierten Informationen. So entstehen Texte, die einen persönlichen Zugang schaffen, gleichzeitig aber Orientierung geben und Zusammenhänge verständlich machen.

In loser Folge wird Anne-Kathrin Siebert künftig im Verbraucherfenster über Themen schreiben, die sie beschäftigen und bei denen sich ein genauerer Blick lohnt. Mal digital, mal ganz analog, mal überraschend – aber immer mit dem Anspruch, persönliche Beobachtungen mit fundierten Informationen zu verbinden und daraus eine gute Verbraucherinformation zu machen.

Mein Tag beginnt mit einem Griff zum Smartphone. Noch bevor ich richtig wach bin, weiß ich, wie das Wetter wird, was in der Welt passiert ist und ob jemand über Nacht meine Instagram-Story geliked hat. Ein paar Minuten später sitze ich am Rechner, nehme an einer Videokonferenz teil, suche schnell etwas im Internet und frage zwischendurch eine KI.

Bis hierhin habe ich gefühlt vor allem eines getan: auf Bildschirme geschaut.

Eigentlich erstaunlich, wie wenig Aufwand digitale Dinge machen. Ein Klick – und die Information ist da. Ein Foto – und es landet in der Cloud. Ein Fingertipp – und Musik läuft. Abends noch eine Serie streamen, und schon ist der digitale Tag vorbei.

Nur: So schwerelos ist unsere digitale Welt gar nicht.

Die Cloud ist keine Wolke

Sie steht irgendwo – und zwar ziemlich fest. Hinter der sogenannten „Cloud“ stecken große Rechenzentren, in denen unzählige leistungsstarke Server rund um die Uhr unsere Fotos, E-Mails und Dokumente speichern und verarbeiten. Das braucht Strom, und weil Computer bei der Arbeit warm werden, muss die Technik zusätzlich gekühlt werden. Und dann müssen unsere Daten ja auch noch von A nach B kommen – durch ein dichtes Netz aus Leitungen, Funkverbindungen, Routern und anderen Netzwerkkomponenten.

So wird aus einem scheinbar schwerelosen Klick plötzlich eine ganze Menge Infrastruktur.

Dazu kommt das Gerät in meiner Hand. Mein Smartphone ist schließlich nicht einfach vom Himmel gefallen. Für seine Herstellung wurden Rohstoffe gewonnen, Energie eingesetzt und zahlreiche Einzelteile produziert und transportiert. Dasselbe gilt für Laptop, Tablet, Fernseher und all die anderen kleinen Helfer, die inzwischen unseren Alltag bevölkern.

Das bringt mich zu einer etwas unbequemen Frage: Wie nachhaltig ist eigentlich mein digitales Leben?

Digitaler Fußabdruck: Wie nachhaltig ist unser Internet?

Die kurze Antwort? Es kommt darauf an. Denn unser digitales Leben verursacht zwar Umweltbelastungen – gleichzeitig kann Digitalisierung aber auch helfen, Ressourcen zu sparen. Eine Videokonferenz kann eine Autofahrt ersetzen. Ein digitales Dokument braucht kein Papier. Und eine digitale Anwendung kann Abläufe effizienter machen. Es lohnt sich aber dennoch ein genauer Blick auf unsere digitalen Gewohnheiten: Welche Angebote nutzen wir, wie häufig und wofür? Denn digital zu sein ist nicht automatisch nachhaltig – aber eben auch nicht automatisch schlecht für die Umwelt.

Das nachhaltigste Smartphone liegt vielleicht schon in meiner Hand

Ein ziemlich einfacher Hebel liegt direkt vor unserer Nase: bei den Geräten, die wir längst besitzen. Muss mein Smartphone wirklich schon in Rente, nur weil das neue Modell eine noch bessere Kamera hat? Zugegeben, das neueste Modell sieht meistens ziemlich verlockend aus. Aber eigentlich darf man sich ruhig einmal fragen, ob das alte Gerät nicht doch noch ziemlich gute Arbeit leistet. Je länger wir Smartphone, Laptop oder Tablet nutzen, desto länger müssen die Ressourcen, die in ihrer Herstellung stecken, nicht erneut aufgewendet werden. Und wenn doch einmal etwas kaputtgeht? Dann kann man zumindest über eine Reparatur nachdenken, bevor das Gerät endgültig abgeschrieben wird. Nicht besonders spektakulär – aber für die Umwelt durchaus relevant.

Auch beim Kauf eines neuen Geräts ist ein genauer Blick gefragt: Wie lange wird es voraussichtlich funktionieren? Gibt es Ersatzteile? Kann der Akku ausgetauscht werden? Gibt es das gewünschte Modell gebraucht oder refurbished? Und wie lange stellt der Hersteller Software- und Sicherheitsupdates bereit?

Denn Langlebigkeit bedeutet heute nicht mehr nur, dass das Gerät mechanisch funktioniert. Ein Smartphone oder ein vernetztes Gerät kann technisch noch völlig intakt sein und trotzdem an Nutzbarkeit verlieren, wenn Sicherheitsupdates, Apps oder notwendige Cloud-Dienste eingestellt werden.

Denn Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur, möglichst wenig Strom zu verbrauchen. Auch die Herstellung unserer Geräte benötigt Rohstoffe und Energie – und diese Umweltbelastungen lassen sich nicht einfach dadurch vermeiden, dass ein Gerät im Betrieb besonders wenig Strom verbraucht.

Und manchmal ist das nachhaltigste Gerät eben das, das schon auf dem Schreibtisch liegt.

Müssen wirklich 14.000 Fotos in der Cloud bleiben?

Auch unsere Daten verdienen gelegentlich einen Frühjahrsputz.

Warum liegen eigentlich noch 14.000 Fotos in der Cloud, von denen ungefähr 13.500 niemand mehr anschaut? Warum bekomme ich jeden Montag einen Newsletter, den ich seit zwei Jahren nicht lese? Und warum muss jedes Video automatisch in der höchsten Auflösung laufen, wenn ich es auf einem kleinen Smartphone anschaue?

Natürlich wird mein einzelnes gelöschtes Foto die Welt nicht retten. Aber Nachhaltigkeit besteht eben selten aus einer großen Heldentat. Sie besteht meistens aus vielen kleinen Entscheidungen.

Daten bewusst zu speichern, unnötige Dateien zu löschen und nicht benötigte Newsletter abzubestellen, kann Teil eines bewussteren digitalen Alltags sein.

Und was ist eigentlich mit KI?

Und dann wäre da noch die künstliche Intelligenz.

Ich kann inzwischen eine KI bitten, mir eine E-Mail zu formulieren, einen komplizierten Sachverhalt zu erklären oder einen Wochenendtrip zu planen. Sie kann Bilder erstellen, Rezepte vorschlagen, Bewerbungsunterlagen überarbeiten oder mir helfen, wenn ich mal wieder vor einem leeren Blatt sitze und nicht weiß, wie ich anfangen soll. Das ist praktisch – manchmal sogar verblüffend praktisch.

Aber auch KI arbeitet nicht im luftleeren Raum. Für die Verarbeitung braucht es Rechenleistung und damit Energie. Wie viel genau, hängt unter anderem von der Anwendung und dem verwendeten KI-Modell ab.

Deshalb muss man nicht jede KI-Anfrage zum Umweltproblem erklären. Man kann aber durchaus überlegen, ob für jede Kleinigkeit die leistungsintensivste Anwendung notwendig ist.

Bewusst digital – für die Umwelt und den eignen Kopf

Was bleibt also von meinem digitalen Tag? Digitale Nachhaltigkeit bedeutet nicht, weniger digital zu leben. Sie bedeutet, bewusster digital zu leben.

Das kann ganz konkret aussehen: Geräte möglichst lange nutzen, Daten nicht gedankenlos anhäufen, digitale Dienste bewusst auswählen und KI dort einsetzen, wo sie tatsächlich einen Mehrwert bietet. Und manchmal bedeutet bewusste Nutzung eben auch, das Smartphone aus der Hand zu legen.

Ein bisschen Abstand von der digitalen Welt tut schließlich auch uns selbst gut. Nicht jede freie Minute muss mit einem Blick auf den Bildschirm gefüllt werden, nicht jede Nachricht braucht eine sofortige Antwort. Wer das Handy zwischendurch bewusst beiseitelegt, schafft nicht nur eine Pause von der digitalen Welt, sondern vielleicht auch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit für die analoge.

Am Ende ist es vielleicht genau das: nicht ständig darüber nachzudenken, was wir alles abschalten müssten, sondern bewusster zu entscheiden, was wir einschalten. Und manchmal ist der schönste Klick am Ende der, den wir gar nicht machen.(sie)

Stand: Oktober 2026

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