Ich teile jetzt mein Auto
In Deutschland teilen sich immer mehr Leute ein Auto – entweder privat unter Freunden und Nachbarn oder über einen der 250 kommerziellen Carsharing-Anbieter. Bereits in über 800 Städten und Gemeinden können sich Interessierte ein Auto teilen. Kein Wunder, dass die Anzahl der Menschen, die solche Carsharing-Angebote hierzulande nutzen, mittlerweile auf über fünf Millionen angestiegen ist.
Carsharing über einen Anbieter: So funktioniert’s!
Bei den Leihautos ist der jeweilige Carsharing-Anbieter auch der Halter der Fahrzeuge. Um sich ein Auto teilen zu können, müssen sich die Kunden vorab bei den Dienstleistern auf der Internetseite mit Angabe von persönlichen Daten und Nachweis von Personalausweis und Führerschein anmelden. Häufig gilt zudem ein Mindestalter (oft 18 oder 21 Jahre) und man muss eine bestimmte Dauer des Führerscheinbesitzes nachweisen können.
In der Regel verlangen die Anbieter eine einmalige Anmeldegebühr in Höhe von zehn bis 30 Euro. Praktisch: Manche Unternehmen verrechnen diese Gebühr direkt als Fahrtguthaben.
Dann können Kundinnen und Kunden die Autos über die Internetseite, eine Smartphone-App oder eine Telefonzentrale rund um die Uhr buchen. Je nach Anbieter gibt es dann unterschiedliche Möglichkeiten, das Leihauto zu bekommen.
Aufgepasst: Je nach Anbieter gelten unterschiedliche Stornierungsfristen. Bei kurzfristigen Absagen oder verspäteter Rückgabe können zusätzliche Gebühren anfallen.
Stationsbasiertes Carsharing: Abholung und Rückgabe an festgelegten Plätzen
Bei manchen Anbietern können die Autos an festen Parkplätzen abgeholt werden. Zu diesen muss das Auto hinterher auch wieder zurückgebracht werden. One-way-Fahrten sind daher mit diesen Leihautos nicht möglich. Dafür können die Autos sowohl recht spontan ausgeliehen, als auch über mehrere Wochen im Voraus reserviert werden. Start- und Endzeitpunkt der Fahrt müssen allerdings meist vor Fahrtbeginn festgelegt werden.
Free-Floating: Orte dein Auto
Andere Anbieter ermöglichen es Kundinnen und Kunden, die Autos nach der Nutzung überall im Stadtgebiet wieder abzustellen. Folglich können die Wagen auch an flexiblen Standorten ausgeliehen werden – eben dort, wo der letzte Kunde das Fahrzeug geparkt hat. Dabei gelten allerdings feste Geschäftsgebiete. Wird das Fahrzeug außerhalb dieser Zonen abgestellt, können zusätzliche Kosten entstehen.
Um herauszufinden, wo das nächste Carsharing-Auto steht, können die Kunden dieses mittels Smartphone-App orten und direkt buchen. Nachteil bei dieser Carsharing-Variante: Die Autos können nicht im Vorfeld reserviert werden und eignen sich daher besser für spontane Fahrten. Außerdem gibt es keinen Verlass darauf, dass eines der Autos gerade in der Nähe abgestellt wurde. Besonders zu Stoßzeiten, wie an Wochenenden oder Feiertagen, kann die Verfügbarkeit eingeschränkt sein.
Wie kommt man an die Schlüssel?
Der Zugang erfolgt meist digital: Viele Anbieter setzen auf das Öffnen per Smartphone-App („Keyless Access“) oder per Kundenkarte. Der Fahrzeugschlüssel befindet sich in der Regel im Auto. Teilweise ist auch ein vollständig schlüsselloses Starten möglich.
Ob Kleinwagen, Kombi oder Transporter: Carsharing bietet unterschiedliche Fahrzeugmodelle
Carsharing-Anbieter bieten unterschiedliche Fahrzeugtypen an – vom Kleinwagen über Kombis bis hin zu Transportern. Auch Elektroautos gehören mittlerweile bei vielen Anbietern zum festen Bestandteil der Flotte.
Einzelne Stunden oder eine Urlaubsfahrt
Im Prinzip ist neben der Ausleihe für einige Stunden auch ein Wochenendausflug oder eine Urlaubsfahrt mit den Autos der Carsharing-Anbieter möglich. Viele Betreiber gewähren sogar Rabatte bei längeren Fahrten. Hier macht es Sinn, sich rechtzeitig ein Auto bei einem stationsbasierten Carsharing zu reservieren, besonders dann, wenn ein bestimmter Autotyp nötig ist. Allerdings: Bei einigen Anbietern gibt es zeitliche Begrenzungen auf bestimmte Fahrzeuge. Hier sollte man sich bei der Urlaubsplanung vorher informieren. Auch sollten die Kosten gut durchgerechnet werden. Eventuell kann ein Mietauto oder eine Bahnreise günstiger sein.
Was kostet der Spaß?
Üblich sind Kombinationen aus Zeit- und Kilometerpreisen, teilweise ergänzt durch Grundgebühren. Viele Anbieter bieten inzwischen auch flexible Tarife ohne monatliche Fixkosten an.
Stationsbasiertes Carsharing ist meist günstiger und kostet für einen Kleinwagen etwa fünf bis zehn Euro pro Stunde. Free-Floating-Angebote sind in der Regel teurer und liegen oft bei rund 20 Euro oder mehr pro Stunde – abhängig von Stadt und Anbieter.
Wer zahlt die Tankfüllung?
Bei den meisten Carsharing-Anbietern muss man sich als Kunde keine Sorgen um das Tanken machen. Erst wenn die Tankanzeige unter 25 Prozent liegt oder während der Fahrt darunterfällt, wird der Kunde angehalten, an die Tankstelle zu fahren. Bezahlt wird die Tankfüllung dann bargeldlos mit einer Tankkarte. Da in der Carsharing-Leihgebühr die Kraftstoffkosten bereits mit einberechnet sind, muss der Kunde selbst keine weiteren Kosten übernehmen.
Vor Fahrtantritt können Kunden einiger Anbieter mittels App den Stand der Tankanzeige einsehen und im Zweifel auf ein vollgetanktes Auto ausweichen.
Bei Elektroautos erfolgt das Laden entsprechend über Ladekarten oder Apps der Anbieter.
Schramme im Kotflügel, aufgebrochene Autotür oder Strafzettel?
Hat es gekracht, sollte umgehend der Anbieter informiert werden. Meist gibt es für solche Fälle eine Hotline. Außerdem sollte die Polizei gerufen werden. Die Autos beim Carsharing sind in der Regel beim Anbieter vollkasko- und haftpflichtversichert. Kommt es also zu einem Schaden, springt die Versicherung ein – allerdings gibt es für die Kundinnen und Kunden meist noch eine Selbstbeteiligung. Informieren Sie sich hierüber am besten beim jeweiligen Anbieter.
Damit Ihnen Vorschäden an den Autos nicht angelastet werden können, sollten Sie vor Fahrtantritt den Wagen immer noch einmal inspizieren: Sind etwaige Mängel dem Anbieter bereits gemeldet und registriert? Wenn nicht, informieren Sie umgehend den Dienstleister.
Für Falschparken, zu schnelles Fahren oder andere Verkehrsvergehen kommt der Verursacher natürlich immer selbst auf. Außerdem sollten Nutzer das Fahrzeug sauber hinterlassen. Rauchen oder der Transport von Tieren kann je nach Anbieter untersagt sein oder Zusatzkosten verursachen.
Für wen lohnt sich das Carsharing?
Carsharing ist vor allem für Menschen interessant, die nur gelegentlich ein Auto benötigen. Laut Bundesverband CarsharingÖffnet sich in einem neuen Fenster lohnt sich das Modell häufig bis zu einer jährlichen Fahrleistung von etwa 10.000 Kilometern.
Auch wer flexibel verschiedene Fahrzeugtypen nutzen möchte, profitiert vom Angebot. In ländlichen Regionen ist Carsharing bislang noch weniger verbreitet, allerdings bauen viele Anbieter ihre Angebote zunehmend auch dort aus. Hier kann das private Autoteilen im Freundes- oder Nachbarschaftskreis zudem eine mögliche Alternative darstellen – Versicherungsfragen sollten dabei allerdings im Vorfeld geklärt werden.(Sie)
Stand: April 2026