Auf einer Notebooktastatur liegen kleine Pakete, die mit einem Einkaufswagen bedruckt sind. Neben dem Notebook liegt ein Richter-Hammer

Onlinebestellungen aus dem Ausland – das sollten Sie wissen

Im Internet ist die Welt nur einen Klick entfernt – doch nicht alles, was bestellbar ist, darf auch nach Deutschland eingeführt werden. Und selbst wenn: Oft kommen unerwartete Kosten, rechtliche Probleme oder technische Risiken hinzu. Was Sie beim Kauf jenseits der Grenzen beachten sollten.

Nicht alles ist erlaubt

Wenn ein Online-Shop eine Ware anbietet, heißt das nicht automatisch, dass sie nach Deutschland eingeführt werden darf. Strikte Verbote oder besondere Einschränkungen gelten insbesondere für:

Rezeptpflichtige Medikamente

Die Bestellung von Arzneimitteln aus Nicht-EU-Staaten ist für Privatpersonen grundsätzlich verboten. Innerhalb der EU gelten besondere Regelungen Öffnet sich in einem neuen Fensterfür zugelassene Versandapotheken. Bei Nahrungsergänzungsmitteln ist ebenfalls Vorsicht geboten: Häufig weisen sie mangelhafte Rezepturen oder Kennzeichnungsmängel auf, überschrittene Höchstmengen oder unzulässige Inhaltsstoffe. Was in anderen Ländern als Nahrungsergänzungsmittel verkauft wird, kann in Deutschland als Arzneimittel eingestuft werden und daher nicht verkehrsfähig sein.

Gefälschte Markenware

Handtaschen, Uhren oder Kleidung mit gefälschten Markenlogos werden bei der Einfuhr regelmäßig beschlagnahmt. Wer bereits bezahlt hat, verliert in der Regel Ware und Geld. Selbst für den privaten Gebrauch gilt: Der Zoll kann Fälschungen einbehalten und vernichten, wenn der Verdacht einer Markenrechtsverletzung besteht.

Geschützte Tiere und Pflanzen

Für Produkte aus geschützten Arten – etwa Elfenbein, bestimmte Muscheln oder Korallen – sind häufig besondere Ein- und Ausfuhrgenehmigungen erforderlich. Einige Arten dürfen wegen ihres Schutzstatus nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) überhaupt nicht eingeführt werden. Ohne die erforderlichen Genehmigungen werden die Waren beschlagnahmt.

Verfassungswidrige Inhalte

Filme, Schriften oder Symbole, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung verstoßen oder deren Verwendung in Deutschland strafbar ist, dürfen nicht eingeführt werden.

Steuern und Zoll: Was kommt auf Sie zu?

Seit dem 1. Juli 2021 gilt: Auf alle Sendungen aus Drittländern – also Staaten außerhalb der Europäischen Union – wird Einfuhrumsatzsteuer erhoben. Die frühere Freigrenze von 22 Euro entfällt.

Das bedeutet:

  • Bis 150 Euro Warenwert: Bisher galt, kein Zoll, aber grundsätzlich 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer (bei bestimmten Waren, beispielsweise Büchern, 7 Prozent).
  • Ab 150 Euro Warenwert: Zusätzlich zur Einfuhrumsatzsteuer können Zollabgaben anfallen. Deren Höhe richtet sich nach der jeweiligen Warenart.

Viele große Plattformen und Händler nutzen das sogenannte Import One-Stop Shop (IOSS)-Verfahren. In diesen Fällen wird die Einfuhrumsatzsteuer bereits beim Kauf berechnet und abgeführt. Ob ein Händler am IOSS-Verfahren teilnimmt, erkennen Sie häufig an Hinweisen wie „Steuern enthalten“, „VAT prepaid“ oder „IOSS-registriert“. Andernfalls müssen die Abgaben bei der Einfuhr entrichtet werden.

Prüfen Sie vor einer Bestellung auch die Versandkosten, denn Lieferdienste können für die Anmeldung der Ware beim Zoll eine Servicegebühr erheben.

Neue Regelung ab Juli 2026

Ab dem 1. Juli 2026 gilt EU-weit eine neue pauschale Zollabgabe von drei Euro für Warensendungen bis 150 Euro Warenwert aus Nicht-EU-Staaten. Die Abgabe wird je nach Warenkategorie innerhalb einer Sendung erhoben und ist unabhängig von der Einfuhrumsatzsteuer beziehungsweise einer IOSS-Abwicklung. Werden in einem Paket beispielsweise eine Handyhülle, ein T-Shirt und Kopfhörer verschickt, fällt die Pauschale dreimal an also insgesamt neun Euro Zoll. Ziel der Regelung ist es, die Zollabfertigung zu vereinfachen und Wettbewerbsverzerrungen durch massenhafte Kleinsendungen aus Drittstaaten zu begrenzen.

Neue Plattformen, neue Risiken

Neben klassischen Anbietern haben sich in den vergangenen Jahren Plattformen etabliert, die mit besonders günstigen Preisen werben. Hier sollten Verbraucher einige Besonderheiten beachten:

  • Lange Lieferzeiten: Sendungen aus China oder anderen Drittstaaten können mehrere Wochen oder sogar Monate unterwegs sein.
  • Qualitätsrisiko: Auf einigen Plattformen finden sich immer wieder manipulierte, gekaufte oder automatisiert erzeugte Bewertungen. Bewertungen sollten daher kritisch geprüft werden.
  • Rückgaberechte: Bei Händlern außerhalb der EU gelten die europäischen Verbraucherschutzvorschriften nicht automatisch. Rücksendungen können teuer sein oder ganz entfallen.
  • Daten- und Verbraucherschutz: Viele Anbieter haben ihren Sitz außerhalb der EU. Die Durchsetzung von Verbraucherrechten ist daher häufig deutlich schwieriger.

Haftungs- und Versicherungsrisiken

Wer Produkte direkt aus Nicht-EU-Staaten bestellt, sollte bedenken, dass sich die Haftungs- und Versicherungsfragen im Schadensfall deutlich komplizierter gestalten können als bei Waren mit einem verantwortlichen Hersteller oder Importeur innerhalb der EU.

Verursacht ein fehlerhaftes Produkt beispielsweise einen Brand oder andere Sachschäden, ist nicht immer eindeutig, wer letztlich haftet. Die rechtliche Entwicklung in diesem Bereich ist weiterhin im Fluss. Verbraucher sollten daher nicht automatisch davon ausgehen, dass Versicherungen jeden Schaden uneingeschränkt übernehmen oder sich Ansprüche problemlos gegen den ausländischen Hersteller durchsetzen lassen.

Gerade bei Elektrogeräten, Akkus, Ladegeräten oder anderen technisch anspruchsvollen Produkten kann dies eine Rolle spielen. Während innerhalb der EU regelmäßig ein Hersteller, Importeur oder anderer verantwortlicher Wirtschaftsakteur greifbar ist, fehlt dieser Ansprechpartner bei Direktimporten aus Drittstaaten häufig. Dadurch können Gewährleistungs-, Schadensersatz- oder Produkthaftungsansprüche erheblich erschwert werden.

Praktische Tipps für sichere Bestellungen

  • Prüfen Sie die Seriosität des Händlers: Ein Impressum mit vollständiger Adresse und Kontaktdaten sollte selbstverständlich sein. Fehlen diese Angaben, ist Vorsicht geboten. Noch besser geht es mit diesem Tool: Der Fakeshop-Finder Öffnet sich in einem neuen Fensterder Verbraucherzentralen überprüft die Webseite des Shops auf Merkmale von Fakeshops. Sie bekommen das Ergebnis nach einer kurzen Wartezeit angezeigt. Übrigens: Auch eine „.de“-Adresse ist keine Garantie für Seriosität.
  • Nutzen Sie sichere Zahlungsmethoden: PayPal oder Kreditkarten bieten häufig zusätzliche Käuferschutzmöglichkeiten. Bei Vorabüberweisungen sind Rückforderungen meist schwierig.
  • Informieren Sie sich über Einfuhrbestimmungen: Die eZoll-App der Generalzolldirektion Öffnet sich in einem neuen Fensterhilft dabei, Einfuhrverbote, Beschränkungen und mögliche Abgaben zu prüfen.
  • Achten Sie auf das IOSS-Verfahren: Ist die Einfuhrumsatzsteuer bereits im Kaufpreis enthalten, lassen sich spätere Überraschungen vermeiden.
  • Denken Sie an die Umwelt: Einzelbestellungen aus Übersee verursachen häufig höhere Transportemissionen als regionale Einkäufe. Prüfen Sie, ob es vergleichbare Angebote innerhalb Europas gibt. (eck)

Status: Juni 2026