Eine junge Frau sitzt auf einem Sofa und hustet in ihre Hand. In der anderen Hand hat sie ein Telefon. Sie schaut auf einen Notebook Bildschirm

Die richtige Nummer im Ernstfall: Wann Sie 116117 wählen – und wann 112

Wer am Wochenende, abends oder an Feiertagen plötzlich hohes Fieber bekommt, unter Atemnot leidet oder andere schwere gesundheitliche Beschwerden entwickelt, benötigt sofort ärztliche Hilfe. Doch in genau diesen Momenten stellt sich oft die entscheidende Frage: Ist die 116117 oder die 112 die richtige Nummer?

Wichtig!

Sollten Sie einen akuten lebensbedrohlichen Notfall empfinden, zögern Sie nicht und wählen Sie sofort die 112!

Erkrankungen können zu jeder Tages- und Nachtzeit unerwartet auftreten: Starke Bauchschmerzen am Wochenende, hohes Fieber an den Feiertagen? Ein Arztbesuch wäre in diesen Fällen nötig, doch die Praxis hat geschlossen.

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: Telefon-Nummer 116117

Wer außerhalb der üblichen Praxis-Sprechstunden ernsthaft krank wird und dringend ärztliche Hilfe benötigt, es sich jedoch um keine lebensbedrohliche Erkrankung handelt, sollte die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116117 anrufen.

Die Nummer 116117 kann zum Beispiel in folgenden Fällen gewählt werden:

  • Husten, Schnupfen, Heiserkeit
  • Hautirritationen, Windpocken
  • Ohrenentzündung, Mittelohrentzündung
  • Blasenentzündung, Harnwegsinfekt
  • Magen-Darm-Infekt, Brechdurchfall
  • Fremdkörper im Auge
  • Zeckenbiss
  • Bänderriss, Bänderdehnung
  • Hexenschuss
  • Schwindel, Migräne
  • Leichte Überzuckerung, Unterzuckerung

Notruf: Wann ist 112 richtig?

Bei lebensbedrohlichen Notsituationen oder schweren Unfällen kontaktieren Sie sofort den Notruf 112. Dieser muss zum Beispiel in folgenden lebensbedrohlichen Fällen angerufen werden:

  • Herzinfarkt, Schlaganfall
  • Stark blutende Wunden
  • Anaphylaktischer Schock (allergische Reaktion z. B. bei Insektenstichen)
  • Vergiftungen
  • Schwere Störungen des Atmungssystem
  • Sturz aus großer Höhe
  • Bewusstlosigkeit oder erhebliche Bewusstseinstrübung
  • Größere flächige oder tiefe Verbrennungen, Verbrühungen, Verätzungen
  • Unfall mit abgetrenntem Körperteil
  • Unfälle im Zusammenhang mit Strom

Unsicher?

Bei Unsicherheiten gilt grundsätzlich: Rufen Sie die 112 an und klären Sie gemeinsam mit der Leitstelle, ob ein Rettungsdienst notwendig ist oder der ärztliche Bereitschaftsdienst eingeschaltet werden sollte.

Bundesweit einheitliche Rufnummer 116117

Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist bundesweit unter der einheitlichen Rufnummer 116117 zu erreichen, und zwar rund um die Uhr für 24 Stunden und an 7 Tagen die Woche, 365 Tage im Jahr. Eine Vorwahl muss nicht gewählt werden. Über diese Rufnummer wird die für den Wohnort zuständige Zentrale des ärztlichen Bereitschaftsdienstes automatisch angewählt. Medizinisches Fachpersonal hilft dann bei gesundheitlichen Problemen weiter.

Ein Bereitschaftsdienst in Wohnortnähe kann auch direkt aufgesucht werden, ohne telefonische Voranmeldung. Sich vorher bei der 116117 zu melden, macht aber Sinn, weil hier eine zur Erkrankung passende Praxis für Sie in der Nähe gefunden werden kann. Auch über Öffnungszeiten kann Ihnen hier Auskunft gegeben oder, falls notwendig, ein Hausbesuch organisiert werden. Wie beim Besuch des Hausarztes ist die Krankenversicherungskarte beim Aufsuchen der Bereitschaftspraxis mitzubringen sowie vorhandene Befundberichte oder ein vorliegender Medikationsplan. Wichtig: Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist sowohl für gesetzlich wie auch privat Versicherte Ansprechpartner.

Die Nummer 116117 ist kostenlos und zwar nicht nur bei einem Anruf mit dem Festnetztelefon, sondern auch mit dem Handy. Aus dem Ausland ist die 116117 in der Regel nicht erreichbar.

Wann ist eine Bereitschaftspraxis geöffnet?

Die genauen Öffnungszeiten der Bereitschaftspraxen variieren in den einzelnen Bundesländern und auch innerhalb der Bundesländer. In der Regel haben die Bereitschaftspraxen am Abend bis um Mitternacht, am Wochenende und an den Feiertagen geöffnet.

Auf der Internetseite des ärztlichen Bereitschaftsdienstes können Sie in der Rubrik „Bereitschaftspraxen suchen“ nach Eingabe der Postleitzahl Ihres Wohnortes den nächst gelegenen Bereitschaftsdienst mit Öffnungszeiten ausfindig machen: BereitschaftspraxenÖffnet sich in einem neuen Fenster

116117 – mehr als eine Vermittlungsstelle

Mit dem sogenannten „Patienten-Navi“ auf der Webseite der 116117 bietet der Patientenservice eine Möglichkeit zur ersten Selbsteinschätzung an. Das Navi funktioniert wie eine Chat-Situation und fragt in einem schriftlichen Dialog Informationen zu Symptomen und zur akuten Situation ab. Mit dem Navi hilft der Patientenservice einzuschätzen, ob eine Behandlung beim ärztlichen Bereitschaftsdienst angeraten ist. Das Navi ist aber keine Voraussetzung um telefonische Hilfe zu erhalten. Wer will, kann direkt die 116117 wählen. Zum Navi geht es hier entlang: Patienten-NaviÖffnet sich in einem neuen Fenster

Neben der bereitschaftsärztlichen Versorgung kann über die 116117 auch ein Termin bei Ärzten oder Psychotherapeuten gebucht werden. Wer von seinem Hausarzt einen Dringlichkeitscode für einen Facharzttermin erhalten hat, kann diesen hier ebenfalls eingeben. Abgerundet wird das Angebot durch eine allgemeine Arzt- und Therapeutensuche.

Und wohin wende ich mich bei heftigen Zahnschmerzen?

Löst sich am Wochenende eine Zahnkrone oder es stellen sich heftige Zahnschmerzen ein, ist der zahnärztliche Notdienst aufzusuchen.

Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Hessen bietet hierfür eine Notversorgung an: