Es sind ein paar Hände zu sehen. Die linke Hand hält ein Handy mit einem Phantasie-App-Anzeige zum digitalen Euro und dem Betrag von Minus 25 Euro. Die Rechte Hand hält ein paar Geldschein und Münzen in der Hand

Bares - nur anders: was der digitale Euro verändert

Bargeld, Girokonto, EC-Karte oder Handy: Bezahlen können wir schon heute auf viele Arten. Nun soll mit dem digitalen Euro eine weitere Form des Euro hinzukommen. Noch wird es etwas dauern, bis das „neue“ Geld in den elektronischen Brieftaschen der Menschen ankommt. Wir verraten schon mal, wie es geht.

„Digitaler Euro“ klingt zunächst nach einer neuen Art von Währung. Ist er aber nicht. Er soll vielmehr eine ergänzende Ausgabeform im bestehenden Euro-Zahlungssystem werden. Ergänzend daher, weil er weder das bestehende Bargeld noch die anderen bereits existierenden Zahlungswege ersetzen soll.

Funktionsweise

Um den digitalen Euro zu verwenden, bedarf es zuerst eines elektronischen Geldbeutels — auch „Wallet“ genannt. Diese Wallet kann bei der Hausbank oder einem anderen Geldinstitut beziehungsweise anderen Zahlungsdienstleister eingerichtet werden. Ist die Wallet bereit, muss noch Geld in die digitale Geldbörse fließen. Dazu wird vom eigenen Girokonto ein Betrag überwiesen oder direkt Bargeld bei der Bank in die Wallet eingezahlt. Die dann vorhandene Geldmenge wird als digitaler Euro bezeichnet. Der Einzahlungsbetrag muss übrigens nicht von einem selbst stammen, sondern kann auch von Dritten in die Wallet eingezahlt werden, ähnlich wie die Überweisung von einem Girokonto. Im Funktionsdesign des digitalen Euro sind weiterhin automatische Nachladungsvarianten für die Wallet vorgesehen. So soll vermieden werden, dass die Wallet blank dasteht, wenn der Inhaber eine Zahlung auslösen möchte.

Infografik zum Digitalen Euro: In der Mitte eine Frau mit Smartphone („Digitaler Euro in der Wallet“), verknüpft mit Bargeld (links) und Bank (rechts). Darunter 5 Icons für Funktionen: Smartphone an Kartenterminal, Laptop mit Einkaufswagen, zwei Hände mit Smartphones beim Geldtransfer, Geldautomat mit Scheinen sowie Bankgebäude mit Pfeil zu einer Person.

Mit dem digitalen Euro wird somit keine neuartige Währung, sondern eine weitere Zahlungsweise eingeführt. Damit ergänzt sich die Liste der Zahlungsmöglichkeiten:

  • Kartenzahlung am Terminal
  • Bargeld an der Kasse
  • Mobilfunkgerät mit einer smarten Giro- oder Kreditkarte von der Bank
  • Zahlungsdienstleister wie beispielsweise PayPal, Wero oder SumUp

Der digitale Euro ergänzt diese bestehenden Möglichkeiten um eine weitere Zahlungsform.

Warum wird der digitale Euro entwickelt?

Es stellt sich natürlich schnell die Frage, wofür ein digitaler Euro eingeführt werden soll, wenn es doch bereits viele erprobte Zahlungswege gibt. Europa ist beim elektronischen Zahlungsverkehr heute in erheblichem Maß von internationalen Unternehmen abhängig. Der digitale Euro soll deshalb einen souveränen europäischen Zahlungsweg schaffen. Hinter dem digitalen Euro stehen die Zentralbanken der EU-Länder und der EU. Damit wird ein starkes Signal der europäischen Geldwirtschaft auf Eigenständigkeit gesetzt. Auch wenn später Banken oder Zahlungsdienstleister von außerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes in das System integrieren werden: Die Verantwortung für den digitalen Euro liegt in der Europäischen Union selbst.

Neben dem währungspolitischen Signal verfolgt die EU auch das Ziel, die Datenschutzbestimmungen der EU einzuhalten. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Zentralbanken wollen den digitalen Euro so gestalten, dass die staatlichen Akteure und die Umsetzungspartner nicht erfahren, welche Person welche Online-Zahlung vorgenommen hat. Bei den vorgesehenen Offline-Zahlungen soll dieser Anspruch dem der Nutzung von Bargeld entsprechen.

Vier Motive mit Pfeilen: Eine Frau sitzt vor einem Laptop; „2026 Pilotphase“ und „Tests mit ausgewählten Nutzern, Händlern und Zahlungsdienstleistern in Europa.“ Daneben hält eine Hand ein Smartphone; „2027 Ausweitung“ und „Weitere Nutzergruppen, mehr Händler und Zahlungsdienstleister werden eingebunden.“ Eine Europakarte mit Markierungen; „2028 Europäischer Rollout“. Rechts eine Frau mit Smartphone, ein Mann und zwei Kinder vor einem Geschäft; „Einführung – Vollständige Verfügbarkeit“.

Kein Ersatz für Kryptowährungen

Wer sich den digitalen Euro als sicheren Kryptogeldersatz mit möglichen Spekulationsgewinnen vorstellt, wird enttäuscht sein. Der digitale Euro ist kein Spekulationsobjekt, das mit Gewinn (und Verlust) gehandelt wird. Das hat einen einfachen Grund: Der digitale Euro soll ein Zahlungsmittel sein und kein Anlagevermögen, auf das Gelder verschoben werden können. Er ist keine Kryptowährung, kein spekulatives Anlageprodukt und keine neue Währung mit eigenem Wechselkurs. Ein digitaler Euro wird nicht plötzlich mehr oder weniger wert sein als ein Euro-Schein oder eine Münze. Wer mit dem digitalen Euro bezahlt, trägt also kein zusätzliches Währungsrisiko.

Digitaler Euro – Das Rundum-Sorglos-Geld?

Das bedeutet allerdings nicht, dass man mit digitalen Euro sorglos jeden Zahlungswunsch erfüllen sollte. Auch künftig gilt: Wer Geld an einen unbekannten Empfänger überweist oder Waren kauft, die nicht geliefert werden, wird mit leeren Händen dastehen. Eine staatliche Garantie des Geldes schützt nicht vor Betrug. Letztlich funktioniert der digitale Euro wie Bargeld oder klassische Überweisungen. Wer leichtsinnig mit seinem Geld umgeht, wird früher oder später Opfer von Kriminellen werden. (eck)

Stand: Oktober 2026