Person hat das Handy auseinadergebaut und versucht sich an einer Reparatur mit einem Schraubenzieher. Daneben liegt ein Pinsel, eine Pinzette und Q-Tips.

Geplanter Murks – Warum so vieles so schnell kaputtgeht

Kaum ist die Garantie abgelaufen, gehen Computer, Waschmaschine oder Outdoorjacke kaputt. Zufall?

Zunehmend wächst bei Verbrauchern die Überzeugung, dass Produkte von Beginn an nur für eine überschaubare Nutzungsdauer entworfen wurden und dann planmäßig vom Hersteller den Dienst quittieren sollen. Der Fachbegriff dafür ist tatsächlich „geplante Obsoleszenz“.

Was bedeutet „Geplante Obsoleszenz“?

„Geplante Obsoleszenz“ bedeutet „geplanter Verschleiß“. Der Grund hierfür wäre naheliegend: Unternehmen wollen neue Waren absetzen. Allerdings: Belegen kann man dies nur schwer. Generell ist aber festzustellen, dass viele Geräte heute immer häufiger ausgewechselt werden müssen.

So benennt beispielsweise der Verein „Murks? Nein Danke!“ auf seinen Webseiten, in Kampagnen und Projekten viele Beispiele, bei denen Produkte bereits nach kurzer Zeit nicht mehr genutzt werden konnten. Dabei wird auch von baubedingter Abnutzung und Materialermüdung berichtet. Belastbare und allgemeine Rückschlüsse darauf, dass Hersteller den Murks gezielt einbauen, lassen sich jedoch auch daraus nicht ziehen.

Stiftung Warentest prüft seit Jahren unterschiedlichste Geräte, konnte bisher jedoch nicht feststellen, dass diese heutzutage schneller oder häufiger defekt sind. Mangelnde Qualität im Niedrigpreissegment ist hingegen keine Seltenheit. Dennoch: Der Preis alleine ist kein untrügliches Preismerkmal und teure Geräte sind nicht immer automatisch besser.

Studie vom Umweltbundesamt bestätigt früheren Geräteverschleiß

Das Umweltbundesamt hat eine StudieÖffnet sich in einem neuen Fenster in Auftrag gegeben, in der untersucht werden sollte, wie lange elektronische Geräte in privaten Haushalten genutzt werden und was die Gründe für einen Austausch waren. Dabei kam heraus, dass Geräte heute früher ersetzt werden als noch im Jahr 2004. Die Hälfte der Produkte wurde dabei aufgrund eines Defektes ausgetauscht. Vorsätzlich in die Geräte eingebaute Schwachstellen sind in der Studie allerdings nicht bestätigt worden.

Warum gehen Produkte frühzeitig kaputt?

Warum die Geräte aber kaputtgehen oder früher ausgetauscht werden müssen, kann dabei verschiedene Gründe haben.

Schwachstellen im Gerät und fehlende Ersatzteile

Besonders dann, wenn minderwertige Materialien verwendet werden, kann dies zum vorzeitigen Ausscheiden des Gerätes führen. Auch Konstruktionsfehler, die Brüche oder Überhitzung nach sich ziehen, sorgen für einen zeitigen Austausch. Ein weiteres Problem: fehlende Ersatzteile für Reparaturen beim Händler oder in Eigenregie. Nicht selten sind Akkus so verbaut, dass eine Reparatur gar nicht vorgesehen ist.

Neukauf ist lohnenswerter

Nicht selten wird auf eine Reparatur oder Instandhaltung verzichtet, da die Kosten zu hoch sind. Dann lohnt sich aus finanzieller Sicht am Ende eher der Neukauf, als die Weiternutzung bereits vorhandener Geräte.

Technische Änderungen machen Geräte nicht mehr kompatibel

Auch durch technische Neuerungen, etwa nicht mehr unterstützte Updates der Smartphone-Software, ein Ladekabel, das nicht mehr ans neue Tablet passt oder ein Drucker der vom neuen Notebook nicht betrieben wird, werden viele Geräte ersetzt, die eigentlich noch voll funktionstüchtig wären.

Trends bestimmen über Käufe

Nicht immer ist ein Defekt der Grund für einen Produktaustausch. Immerzu wechselnde Modetrends und neue, lukrative Technologien führen dazu, dass Geräte lange bevor sie defekt sind, bereits ausgetauscht werden. Dies ist besonders bei Smartphones zu beobachten. Kaum ist das neue Modell auf dem Markt, gilt der Vorgänger bereits als veraltet.

Unnötige Müllberge als Folge

Die Folge des unnötigen Produktaustausches sind immer höhere Müllberge. Mittlerweile türmen sich auf den Halden die Überreste von Digitalkameras, Staubsaugern, Druckern und Bücherregalen, die zu Wegwerfartikeln mutiert sind. Dabei werden nicht zuletzt bewusst Rohstoffe und Ressourcen verschwendet.

EU-Parlament für Recht auf Reparatur und einheitliche Ladekabel

Das EU-Parlament hat das Problem erkannt und versucht gegenzusteuern. So will es Verbrauchern ein Recht auf Reparierbarkeit einräumen. Die neuen Ökodesign-RichtlinenÖffnet sich in einem neuen Fenster regeln, dass seit März 2021 viele Produkte, wie etwa Fernseher, Geschirrspüler, Waschmaschinen und Kühlschränke, leichter repariert werden können. Hierfür sollen zum Beispiel, je nach Produktgruppe, für sieben bis zehn Jahre Ersatzteile und Reparaturanleitungen vorrätig sein.

Ab März 2024 dürfen Hersteller in der EU zudem Geräte wie Smartphones, Digitalkameras, Tablets oder Kopfhörer nur noch mit einem einheitlichen Ladenanschluss verkaufen – dem USB-C-Ladeanschluss. Außerdem sollen die Hersteller ihre Geräte generell ohne Ladekabel anbieten. Verbraucherinnen und Verbraucher können beim Kauf dann selbst entscheiden, ob sie ein Ladekabel dazu kaufen möchten, oder nicht.

Nutzungs- und Konsumverhalten überdenken

Neben den gesetzlichen Vorgaben zur Veränderung der Produktlebensdauer, ist auch das Nutzungs- und Konsumverhalten entscheidend. Folgende Tipps für den Gerätekauf sind nützlich:

Nur kaufen, was man wirklich braucht

Nicht jede Zusatzfunktion braucht man tatsächlich und Modetrends sollten grundsätzlich keine Kaufentscheidungen beeinflussen. Hier ist ein gründliches Hinterfragen vor der Neuanschaffung eines Geräts sinnvoll.

Wer sich ein neues Gerät kaufen möchte, kann sich auch auf dem Gebrauchtmarkt umschauen. Neben privaten Verkäufen über Kleinanzeigen, bieten Gebrauchtkauf-Portale eine Möglichkeit elektronische Geräte in einem guten bis neuwertigen Zustand zu erwerben. Beispiele sind reBuy, Asgoodasnew oder Refurbed. Die Portale bieten sogar geprüfte Geräte mit Garantie und Rückgaberecht an.

Gütezeichen helfen

Der blaue EngelÖffnet sich in einem neuen Fenster oder das Europäische Umweltzeichen (EU EcolabelÖffnet sich in einem neuen Fenster) kennzeichnen beispielsweise Produkte, die gewisse Nachhaltigkeitsaspekte erfüllen, wie etwa ein einfaches Reparieren und Langlebigkeit.

Testberichte lesen

Vor dem Kauf ist zudem eine gute Produktrecherche in Testberichten oder ein Erfahrungsaustausch in Internetforen sinnvoll.

Hochwertige Produkte kaufen

Wer auf hochwertige Produkte setzt und einen Bogen um Ramsch und Billigartikel macht, kommt meist sparsamer weg bezüglich Ressourcenverbrauch und Haushaltskasse. So müssen nicht nach kurzer Zeit Geräte schon wieder ersetzt werden.

Besonderes Augenmerk auf Akku und Updates

Speziell beim Kauf von Smartphones und Tablets sollte vor Kauf überprüft werden, ob Reparaturen überhaupt möglich sind. Lässt sich der Akku wechseln? Und wie lange gewährleistet der Hersteller Updates für das Gerät?

Selbst reparieren macht Spaß

Nicht immer muss man ein Gerät direkt austauschen, wenn etwas daran kaputtgegangen ist. SelbstÖffnet sich in einem neuen Fenster Hand an Lötkolben und Schraubenzieher zu legen ist nämlich gar nicht so schwer und kann sogar richtig Spaß machen und nicht immer ist hierfür Fachkenntnis nötig. Reparaturanleitungen aus dem Internet, etwa aus Youtube-Tutorials, können selbst Laien bei der Wiederherstellung von defekten Geräten helfen.

Unterstützung aus dem Repair-Café

Unterstützung beim Instandsetzen kann man sich auch in einem Repair-CaféÖffnet sich in einem neuen Fenster holen. Mittlerweile gibt es in vielen Städten Reparatur-Treffs, wo man unter technischer Anleitung seine Geräte selbstständig reparieren kann.

Besucher bringen ihre defekten Geräte mit ins Café und finden dort Hilfe bei Reparaturexperten aus den verschiedensten Bereichen. So beraten dort zum Beispiel Elektriker, Schneider, Schreiner oder Fahrradmechaniker. Mit der Fachkraft kann der Besucher seinen mitgebrachten kaputten Gegenstand begutachten und sich dann – allein oder auch gemeinsam mit anderen - an die Reparatur machen.

Mängel reklamieren

Ist Ware mangelhaft, sollte man sie umgehend beim Hersteller reklamieren.

Beim Onlinekauf hat man das Recht Produkte innerhalb von 14 Tagen ohne Angaben von Gründen zurückzuschicken. Bei häufigen Retouren werden Händler hellhörig. Hierfür ist es aber wichtig Gebrauchsanweisungen und Kassenzettel aufzubewahren.

Elektroschrott gehört ins Recycling

Wer sich doch für eine Neuanschaffung entscheidet, darf die veralteten oder kaputten Geräte nicht über den Hausmüll entsorgen. Bei der Verbrennung von Hausmüll entweichen die in Elektronikgeräten enthaltenen giftigen Stoffe in die Umwelt und wertvolle Rohstoffe, wie Aluminium und Kupfer, landen unnötig im Müll. Wohin also mit Elektroschrott? Altgeräte müssen vom Handel zurückgenommen werden, das gilt auch für Online-Shops. Viele Kommunen bieten in Wertstoffhöfen lokale Sammelstellen an.(sie)

Stand: Januar 2023

 

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