Geschichte
Mohn gehört zu den ältesten Kulturpflanzen in Europa, denn bereits 6000 vor Christus wurde er in Südeuropa angebaut. Der fettreiche Samen ist nahrhaft und der Milchsaft der Pflanze hat schmerzlindernde Eigenschaften. Die römischen Soldaten nahmen geriebenen Mohn mit Honig zu sich, um sich zu stärken und schmerzunempfindlich zu machen.
In Deutschland wurde Mohn noch vor dem Zweiten Weltkrieg angebaut, in der DDR sogar bis zur Wiedervereinigung. Die Einbeziehung des Mohnanbaus in das Betäubungsmittelgesetz bescherte dem Mohnanbau ein jähes Ende. Mohn enthält suchterzeugende Substanzen, insbesondere das Morphin, aus dem Heroin hergestellt wird. Deshalb ist der Anbau von Mohn in vielen Ländern verboten, so auch in Deutschland.
Mohnanbau – mit Genehmigung erlaubt und auch in Hessen praktiziert
Für den Anbau von Schlafmohn besteht in Deutschland eine Genehmigungspflicht, sowohl für den erwerbsmäßigen Anbau als auch für den privaten Anbau auf Kleinstflächen. Heute gibt es morphinarme Mohnsorten, die mit Genehmigung der Bundesopiumstelle wieder angebaut werden dürfen.
Der Anbau von Mohn ist eine Nischenkultur. Nach Angaben der Bundesopiumstelle lag die Anbaufläche im Jahr 2024 bundesweit bei 1.066 Hektar, wovon 62 Hektar in Hessen waren. Führend bezüglich der Anbauflächen von Mohn sind Bayern und Sachsen.
In Hessen wird vor allem im nördlichen Teil dieses Bundeslandes Mohn angebaut und zwar rings um die Orte Germerode und Grandenborn. Diese Region ist auch unter dem Namen "Geo-Naturpark Frau-Holle-Land" bekannt.
Lohnenswerter Ausflug zur Mohnblütenzeit
Da ein blühendes Mohnfeld eine wahre Augenfreude darstellt, kann während der Blütezeit von Mitte Juni und Juli auf ausgewiesenen Wanderwegen die Farbenpracht bestaunt werden. Wer es weniger anstrengend möchte, bucht eine Planwagenfahrt. Da die genaue Blütedauer vom Wetter abhängt, gibt es aktuelle Informationen über das Mohntelefon des Geo-Naturparks Frau-Holle-Land unter 05657 664 9940.
Mehr Informationen zur MohnblüteÖffnet sich in einem neuen Fenster mit ihren besonderen Veranstaltungen und den Einkaufsmöglichkeiten von Mohnprodukten.
Morphinarme Mohnsorten für die Ernährung
Ursprüngliche Mohnsorten enthalten das schädlich wirksame Opium, zu dem verschiedene Substanzen gehören, vor allem Morphin und Codein:
- Morphin ist ein einschläferndes und suchterzeugendes Alkaloid, das aus dem Mohn herausgezüchtet wurde.
- Codein wird als Hustenmittel eingesetzt. Es ist ein Alkaloid mit einem erheblich geringeren Suchtpotential.
Die ursprünglichen Mohnsorten sind aufgrund des hohen Gehaltes an Opium nicht für den Ernährungszweck geeignet. Deshalb wurden Mohnsorten mit großen Körnern zum Backen und zur Ölgewinnung gezüchtet, die nur minimale von diesen Stoffen enthalten und somit nicht berauschend wirken können.
Nährwert
Mohn ist mit 42 Prozent ein recht fetthaltiges Lebensmittel. Der Eiweißgehalt mit etwa 20 Prozent ist in Mohn recht hoch, birgt jedoch ein allergenes Potential aufgrund von Kreuzreaktionen bei Pollenallergien in sich. Im Mohn sind wenig Vitamine, dafür umso mehr Mineralstoffe enthalten, vor allem Eisen und Calcium. Wegen des Ballaststoffgehaltes von etwa 20 Prozent wirken mohnhaltige Lebensmittel verdauungsfördernd.
Lagerung und Zubereitung
Mohn sollte stets ungemahlen gekauft und erst vor dem Verarbeiten gemahlen werden, da durch den Luftkontakt das Fett schnell ranzig wird. Gemahlener Mohn lässt sich unter Luftausschluss im Kühlschrank einige Tage bzw. tiefgekühlt etwa einen Monat lagern.
Im Haushalt können die Mohnkörnchen mit der Küchenmaschine mit entsprechendem Zubehör oder aber mit einer Mohnmühle gemahlen werden. Nach dem Mahlen von Mohn ist das Mahlwerk gründlich zu reinigen, denn ölhaltige Rückstände werden ranzig beeinträchtigen bei einem späteren Mahlvorgang den Mohngeschmack.
Verwendung von Mohn bei traditionell süßen bis neuen herzhaften Gerichten
Mohn wird sowohl ganz als auch gemahlen in der Küche verwendet:
- Ganze Mohnsamen werden auf Mohnbrötchen und Brot gestreut oder dem Teig zugefügt.
- Für Kuchenfüllungen wird gemahlener Mohn in Milch zu einer zähflüssigen Masse aufgekocht.
- Mohnöl ist wegen seines zart nussigen Geschmackes gut für Salat geeignet. Da es reich an Linolsäue ist, eignet es sich nicht zum Erhitzen. Eine angebrochene Flasche mit Mohnöl ist im Kühlschrank bis zu drei Monate haltbar.
- Süße Lebensmittel wie Pralinen, Schokolade, Eis
- Herzhafte Lebensmittel wie Bratwurst, Pesto, Pfannkuchen und Flädle, mit Mohn gefüllte Kartoffelknödel
- Weitere Lebensmittel mit Mohn: Mohnmehl, Eierlikör
In Nordhessen, wo der Mohn angebaut wird, gibt es viele Bäckereien, Lebensmittelläden oder andere Verkaufsstellen, die verschiedene Mohnspezialitäten verkauft werden. Auch in vielen Restaurants werden Gerichte mit Mohn angeboten wie Suppe mit Mohnflädle, Mohnbratwurst, Hähnchenbrust in Mohn-Sesam-Panade oder Mohneis. (fra)
Stand: Juni 2026