Ein Schlüsselbund mit zwei Schlüsseln und einem Bluetooth-Tracker

Kleine Helfer im Alltag: So funktionieren Bluetooth-Tracker

Ob als kleiner Anhänger am Schlüsselbund, im Scheckkartenformat im Portemonnaie oder fest in eine Fahrradklingel integriert: Bluetooth-Tracker sind längst zu alltäglichen Helfern geworden. Doch wie funktioniert das globale Netzwerk der Geräte technisch – und wie sicher sind dabei die eigenen Daten?

Die Hardware

Bluetooth-Tracker basieren auf der sogenannten Bluetooth Low Energy (BLE) Technologie. Entgegen weit verbreiteter Annahmen besitzen diese Geräte kein eigenes Ortungsmodul und keine Mobilfunkanbindung. Sie senden stattdessen permanent in kurzen Intervallen ein gerätespezifisches Identitätssignal, einen sogenannten Beacon, aus.

Seit die ersten Tracker 2013 auf den Markt kamen, ist die Anzahl ihrer unterschiedlichen Ausführungen deutlich gestiegen. Es gibt sie mittlerweile zum Beispiel als:

  • Klassische Anhänger: Rund oder quadratisch für den Schlüsselbund.
  • Scheckkarten-Format: Besonders flache Tracker für den Geldbeutel.
  • Integrierte Lösungen: Tracker, die direkt ab Werk in Produkte wie Fahrradklingeln, Rucksäcke oder Kopfhörer verbaut sind.

Als Energiequelle dienen meist Lithium-Knopfzellen, die vom Nutzer ersetzt werden können. Bei sehr flachen Trackern im Kartenformat sind die Batterien oft fest verbaut und nicht wechselbar, was die Lebensdauer auf zwei bis drei Jahre begrenzt. Es gibt aber mittlerweile Alternativen mit einem wiederaufladbaren Akku als Energiequelle.

So funktioniert die Suchfunktion der Tracker

Der Tracker selbst kennt seinen eigenen Standort nicht. Die Positionsbestimmung erfolgt über eine Funktionskette, sobald sich der Tracker aus der Bluetooth-Reichweite des Smartphones seines Besitzers entfernt:

  1. Aussenden: Der Tracker sendet kontinuierlich sein verschlüsseltes BLE-Signal aus.
  2. Empfangen: Ein beliebiges Smartphone, beispielweise das eines zufällig vorbeigehenden Passanten, das Teil des jeweiligen Netzwerks ist, empfängt dieses Signal im Hintergrund.
  3. Weiterleiten: Das Smartphone des Passanten ermittelt per Satellitenortung seine eigene aktuelle Position. Es sendet dann die Kombination aus der Kennung des fremden Trackers und dem eigenen Standort an den Server des Herstellers zum Beispiel Apple oder Google.
  4. Abrufen: Nur der rechtmäßige Besitzer des Trackers kann über seine passende Ortungs-App den Server abfragen und anzeigen, wo sich der Tracker befindet. Da die Daten Ende-zu-Ende verschlüsselt sind, kann der Serverbetreiber selbst den Standort nicht einsehen.

Systemvergleich

Es existieren zum einen geschlossene Systeme der Betriebssystemhersteller, aber auch offene Netzwerke unabhängiger Anbieter. Die Bluetooth-Tracker von Apple, die sogenannten AirTags, sind ausschließlich mit Apple-Geräten (iOS) kompatibel; eine Nutzung oder Einrichtung mit Android-Smartphones ist nicht möglich. Google hat 2024 sein eigenes „Find My Device“-Netzwerk für Android gestartet. Samsung nutzt mit „SmartThings Find“ ebenso ein eigenes System, das mit den hauseigenen Samsung Galaxy-Geräten funktioniert.

Im Nahbereich

Ihre volle Stärke spielen die Tracker dann aus, wenn sie die Suchenden bis vor das eigentliche Objekt führen und anzeigen, in welcher Richtung im Nahbereich sich das gesuchte Gut befindet. Die Funktion dazu heißt Ultra-Wideband (UWB): Diese Technik erlaubt eine zentimetergenaue Ortung. Diese Funktion bieten die großen Systemhersteller mittlerweile alle an.

Überblick der Systeme

 Apple AirTagGoogle Find My DeviceSamsung SmartTag2Unabhängige Anbieter
Netzwerk-BasisiPhones/iPads/MacsAndroid-GeräteSamsung Galaxy HandysNur Handys mit jeweiliger Anbieter-App
UWB-UnterstützungJa (ab iPhone 11)Ja (ausgewählte Modelle)Ja (ausgewählte Modelle)Eher selten, je nach Anbieter
Kosten (Dienst)KostenlosKostenlosKostenlosBasis kostenlos / Abo für Extras
KompatibilitätNur iOSNur AndroidNur SamsungPlattformübergreifend

Unabhängige Anbieter stehen vor der Herausforderung, dass ihr Netzwerk zumeist nur aus Smartphones besteht, auf denen die jeweilige Anbieter-App aktiv installiert ist. Das reduziert die Empfangsdichte von Smartphones zur Weiterleitung – im Vergleich zu den systemintegrierten Diensten von Apple und Google – deutlich. Ein Sicherheitsmangel ist das nicht, aber ein funktionaler Nachteil bei der Wiederfindungsrate. Der Teufel steckt aber im Detail, denn es gibt auch unabhängige Tracker-Anbieter, die sich zertifizieren lassen. Ist die Zertifizierung erfolgreich abgeschlossen, können sich diese Tracker dann auch in die jeweiligen Netzwerke von Apple, Google und Samsung einloggen.

Datensicherheit und Privatsphäre

Die Sicherheit der Systeme und Wahrung der Privatsphäre der Beteiligten basiert auf drei Säulen:

  1. Anonymität im Netzwerk: Ein Passant, dessen Smartphone den Standort eines fremden Trackers meldet, erfährt davon nichts. Es erfolgt keine Anzeige auf seinem Gerät.
  2. Verschlüsselung: Die Identität (Kennung) des Trackers wechselt regelmäßig, um das Erstellen von Bewegungsprofilen durch Unbefugte zu verhindern. Nur das Gerät des Besitzers kann die Identität dauerhaft zuordnen.
  3. Die Anbieter erheben Messdaten zur Funktionsweise des Netzwerks, haben jedoch durch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung keinen Zugriff auf die Klarnamen-Standorte der getrackten Gegenstände.

Stalking-Schutz

Um ein gezieltes Verfolgen von Personen mittels untergeschobenen Trackers zu verhindern, gibt es einen von den großen Anbietern entwickelten Industriestandard: das sogenannte DULT-System (Detecting Unwanted Location Trackers). Erkennt ein Smartphone (egal ob iOS oder Android), dass sich über längere Zeit ein fremder Tracker mitbewegt, wird der Nutzer aktiv gewarnt. Zudem geben Tracker nach einer gewissen Zeit ohne Kontakt zum Smartphone des Besitzers einen Warnton ab und informieren so ihre Umgebung über ihre Anwesenheit. Ob dieser Stalkingschutz im Betriebssystem integriert ist, hängt von der jeweiligen Version ab. Bei iOS (Apple) ist es die Versionsnummer 17.5 und bei Android (Google) die Versionsnummer 6.0. Im Fall von Samsung ist die Implementation des vollständigen DULT-Standards nicht eindeutig erkennbar. Daher sollte hier beim Erwerb eines Smartphones im Vorfeld überprüft werden, ob und wie das jeweilige Gerät den DULT-Standard implementiert hat.

Kosten

Die Nutzung der Trackerdienst-Netzwerke von Apple, Google und Samsung ist kostenlos. Es fallen lediglich die Anschaffungskosten für die Tracker-Hardware sowie die Kosten für Ersatzbatterien an. Unabhängige Anbieter finanzieren sich teilweise über Premium-Abonnements, die Zusatzfunktionen wie eine 30-Tage-Standorthistorie oder eine Benachrichtigung beim Liegenlassen beinhalten. (eck)

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