Frau hält Tablette in der Hand

Hormonähnliche Pflanzenstoffe: Helfen Phytoöstrogene in den Wechseljahren?

Wechseljahrsbeschwerden sind für viele Frauen unangenehm. Isoflavonhaltige Nahrungsergänzungsmittel sollen Abhilfe schaffen. Wir haben uns das einmal angeschaut und geben Antwort auf die Frage: Was ist tatsächlich dran?

Phytoöstrogene – eine Alternative zur Hormonersatztherapie?

Phytoöstrogenen sind sekundäre Pflanzenstoffe, die ähnlicheEigenschaften wie das menschliche Hormon Östrogen haben. Hierzu zählen zum Beispiel Isoflavone und Lignane. Sie können mit den Östrogenrezeptoren im menschlichen Körper reagieren und die Aktivität der körpereigenen Östrogene nachahmen oder blockieren.

Phytoöstrogene wirken bei weitem nicht so stark wie das menschliche Hormon Östrogen. Je nach Zufuhr und individuellem Stoffwechsel können ihre Konzentrationen im Körper jedoch deutlich höher sein als die körpereigenen Östrogene.

Bestimmte Phytoöstrogene weisen antioxidative Eigenschaften auf. In Labor- und Tierstudien können sie unter bestimmten Bedingungen auch das Zellwachstum beeinflussen. Welche Bedeutung diese Effekte für die menschliche Gesundheit haben, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.

Phytoöstrogenen werden zahlreiche positive Wirkungen auf die Gesundheit zugeschrieben – insbesondere im Zusammenhang mit Beschwerden und gesundheitlichen Veränderungen während und nach den Wechseljahren. Wie gut diese Wirkungen tatsächlich belegt sind, unterscheidet sich jedoch je nach Anwendungsgebiet.

Phytoöstrogene in Lebensmitteln

In besonders hohen Mengen kommen Phytoöstrogene in Sojaprodukten vor. Aber auch Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Leinsamen, Sonnenblumen- und Kürbiskerne sind gute Quellen für die Pflanzenstoffe. Obst und Gemüse weisen nur geringe Konzentrationen auf.

Fermentationsprozesse, wie sie bei der Herstellung von Tempeh oder Miso aus Soja ablaufen, Klima, Erntezeit und die jeweilige Sorte können den Gehalt von Phytoöstrogenen in Lebensmitteln zusätzlich erhöhen.

Isoflavonhaltige Nahrungsergänzungsmittel in den Wechseljahren

Als Wechseljahre wird die Phase der natürlichen Umstellung der Sexualhormone bei Frauen bezeichnet. Die Hormonumstellung von Östrogen und Progesteron im Blut der Frau findet meist zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr statt und kann über mehrere Jahre andauern. Währenddessen kommt es anfangs zu einem unregelmäßigen, im späteren Verlauf zum vollständigen Erliegen des Menstruationszyklus und somit der Fruchtbarkeit – der Menopause. Da die Hormone während der Umstellung zeitweise verrückt zu spielen scheinen, treten bei einigen Frauen Wechseljahrs-Beschwerden auf, zum Beispiel Hitzewallungen und Schweißausbrüche, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen.

Zur Linderung der Beschwerden, werden häufig Nahrungsergänzungsmittel - zum Beispiel Rotklee- oder Soja-Isoflavone - aus Apotheken oder Drogerien als Alternative zu einer Hormonersatztherapie beworben. Sie sollen eine ähnlich gute Wirkung erzielen und dabei als Naturprodukt keine Nebenwirkungen aufweisen.

Allerdings gibt es keine ausreichend belastbaren Nachweise für eine zuverlässige Linderung von Hitzewallungen und nächtlichen Schweißausbrüchen durch Isoflavon-Nahrungsergänzungsmittel. Die Ergebnisse der Studien sind uneinheitlich. Daher sind derartige Werbeaussagen für diese Produkte auch verboten.

Nicht von Aussagen auf Produkten täuschen lassen!

Dennoch bewerben einige Hersteller solche Nahrungsergänzungsmittel mit Aussagen wie "für Ihr Wohlbefinden in den Wechseljahren". Auch durch die Zugabe von Vitaminen wie B1, B6 oder K, bei denen Gesundheitsaussagen erlaubt sind, soll das Image aufpoliert werden. So kann ein Präparat, dem zum Beispiel B6 beigefügt wurde, unter bestimmten Voraussetzungen mit einer zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussage zur normalen Funktion des Nervensystems oder zur Regulierung der Hormontätigkeit beworben werden.

Solche zugelassenen Aussagen beziehen sich allerdings auf das jeweilige Vitamin und sind kein Beleg dafür, dass das gesamte Produkt Wechseljahresbeschwerden lindert.

Allerdings: Diese Vitamine können problemlos über eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung zugeführt werden. Bei gesunden Menschen ist eine zusätzliche Einnahme von Vitaminen ohne nachgewiesenen Bedarf daher in der Regel nicht notwendig.

Guter Rat gefragt

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist auf mögliche Risiken hochdosierter Isoflavonpräparate hin. Bei isolierten Isoflavonen und hohen Dosierungen sind unter anderem mögliche Auswirkungen auf die Schilddrüse und hormonempfindliche Gewebe zu berücksichtigen. Die Datenlage zur langfristigen Sicherheit ist insbesondere für bestimmte Personengruppen nicht ausreichend.

Bei bestehenden oder früheren hormonabhängigen Erkrankungen – beispielsweise hormonabhängigem Brust- oder Gebärmutterkrebs – sollten Isoflavonpräparate nicht ohne ärztliche Rücksprache eingenommen werden. Auch bei anderen individuellen Risikofaktoren ist eine ärztliche Beratung sinnvoll.

Daher empfiehlt die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) maximale tägliche Verzehrsmengen für gesunde Frauen nach der Menopause für die Aufnahme isolierter Isoflavone aus Nahrungsergänzungsmitteln. Bei Präparaten auf Soja-Basis sind das 100 Milligramm (mg) Isoflavone pro Tag über einen Zeitraum von höchstens zehn Monaten. Für Präparate auf Rotklee-Basis werden maximal 43,5 mg Isoflavone pro Tag für höchstens drei Monate angeraten.

Dabei handelt es sich nicht um gesetzlich festgelegte Höchstmengen, sondern um von der EFSA abgeleitete Orientierungswerte für die untersuchten Präparate und Bevölkerungsgruppen. Für Frauen während der Perimenopause ist die Datenlage zur Sicherheit weniger umfangreich.

Die Verbraucherzentralen raten von einer unkritischen Einnahme hochdosierter Isoflavon-Nahrungsergänzungsmittel ab, da ein Nutzen bei Wechseljahresbeschwerden nicht ausreichend belegt und die langfristige Sicherheit solcher Präparate nicht abschließend geklärt ist.

Wer sich für die Einnahme solcher Produkte entscheidet, sollte insbesondere bei bestehenden Erkrankungen oder bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten vorher ärztlichen Rat einholen.

Ausgewogene Ernährung versorgt gut und sicher mit Phytoöstrogenen

Wer Soja und aus Soja hergestellte Produkte verträgt, kann Phytoöstrogene problemlos über eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung aufnehmen. Die zusätzliche Aufnahme in Form von Nahrungsergänzungsmitteln ist damit unnötig. Hinzu kommt der Nebeneffekt, dass durch die Lebensmittelzufuhr auch viele andere, gesundheitsförderliche Nährstoffe wie Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe zugeführt werden. Daher können Sojaprodukte und andere Lebensmittel mit natürlicherweise enthaltenen Phytoöstrogenen in üblichen Mengen Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein.

Studien deuten darauf hin, dass besonders von Nährstoffen im Verbund aus komplexen, unverarbeiteten Lebensmitteln, wie etwa Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse und Obst, ein präventiver Effekt ausgeht, und nicht von einzelnen, isolierten Nährstoffen. (Sie)

Stand: September 2026

Schlagworte zum Thema