Blonde Frau mit Handtasche nacht im Tunnel dreht sich um, um zu schauen ob jeman dhinter ihr ist. Sie hat Angst.

Sicher im Dunkeln nach Hause kommen

Viele Menschen werden von einem mulmigen Gefühl begleitet, wenn sie alleine im Dunkeln nach der Arbeit oder dem Kneipenbesuch nach Hause gehen. Das Verbraucherfenster hat ein paar wichtige Hilfsangebote gesammelt, die den Heimweg ein ganzes Stück sicherer machen sollen.

Ob zu Fuß oder in Bus und U-Bahn besonders Frauen fühlen sich nachts alleine auf dem Nachhauseweg unwohl.

Leider nicht zu Unrecht, denn laut einer UntersuchungÖffnet sich in einem neuen Fenster der Organisation Plan International im Jahr 2020 hat von den 1.000 befragten Teilnehmerinnen bereits jede vierte Frau, die in einer deutschen Großstadt lebt, sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum erfahren. Eine StudieÖffnet sich in einem neuen Fenster des Bundeskriminalamtes von 2020 legt offen, dass  Sexualdelikte bei Frauen mit einer Rate von 265,8 Vorfällen pro 1.000 Frauen vorkommen (im Vergleich: Bei Männern beträgt die Rate 92,7 Vorfälle pro 1.000 Männer).

Kein Wunder also, dass mehr als die Hälfte aller Frauen schlecht- oder unbeleuchtete Wege, bestimmte Plätze, Straßen und Parks oder auch die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs in der Nacht meidet. Zu einem Albtraum wird der Heimweg, wenn man sich zudem noch von jemanden verfolgt fühlt.

Apps, die nach Hause begleiten

Einige Apps fürs Smartphone bieten eine Art Begleitservice an, um dafür zu sorgen, dass man sicher nach Hause kommt. So wird beispielsweise bei den Apps "Life360Öffnet sich in einem neuen Fenster", "KommgutheimÖffnet sich in einem neuen Fenster" oder "FamilonetÖffnet sich in einem neuen Fenster" mittels GPS-Tracking der eigene Standort mit Freunden oder Familienangehörigen geteilt. Speziell vorher ausgewählte Kontakte können so direkt nachvollziehen, wo man sich gerade bewegt. Sollte es tatsächlich zu einer gefährlichen Situation kommen, kann ein Hilferuf mit dem genauen Standort als Push-Nachricht an hinterlegte Notfallkontakte gesendet werden.

Allerdings: Da diese Apps den Zugriff auf GPS-Daten und die Kontakte für ihren Service benötigen, gibt man auch einen Teil seiner Privatsphäre her. Auf jeden Fall ist ein Blick in die jeweiligen Datenschutzerklärungen vor Installation sinnvoll.

Das Heimwegtelefon – Begleitung am Hörer

Wer nachts alleine unterwegs ist und sich unwohl fühlt, kann auch beim HeimwegtelefonÖffnet sich in einem neuen Fenster anrufen. Unter der Nummer 030 1207 41 82 erreicht man einen realen, ehrenamtlichen Gesprächspartner, dem man zu Beginn des Heimweges seinen Standort und das Ziel durchgibt. Bis man zu Hause angekommen ist, führt man dann ein nettes Telefonat mit dem Mitarbeiter und erwähnt immer wieder zwischendurch wo man sich gerade befindet. Erst wenn man sicher zu Hause angekommen ist, wird das Gespräch beendet. Sollte es zu einem Übergriff kommen, kann der Gesprächspartner vom Heimwegtelefon umgehend handeln und die Polizei informieren. Besonders toll am Heimwegtelefon: Unter der Nummer erreicht man auch zu später Nachtzeit, wenn Freunde und Familienangehörige bereits schlafen, noch einen netten Gesprächspartner. Erreichbar ist das Heimwegtelefon Sonntag bis Donnerstag von 21 bis 24 Uhr und Freitag und Samstag von 21 bis 3 Uhr. Der Anruf kostet die üblichen Gesprächstarife von Handy zu Festnetz. Wer eine Flatrate inklusive hat, zahlt für den Anruf dementsprechend nichts.

"Viola walk home” auf Instagram

Ein weiterer Heimwegbegleiter ist das Instagramprofil „Viola walk homeÖffnet sich in einem neuen Fenster" . Hier schreibt man dem Profil am besten 30 Minuten bevor man den Heimweg antreten möchte eine Privatnachricht, in der man den Startpunkt des Heimweges, die Route, die man nimmt, und die Sprache, die man spricht, angibt. Zur angegebenen Startzeit ruft dann ein Mitarbeiter an, der die jeweilige Sprache spricht, und begleitet den Heimweg telefonisch.

Bisher wird der Service auf 16 Sprachen kostenlos angeboten: deutsch, bulgarisch, spanisch, portugiesisch, serbisch, türkisch, bosnisch, kroatisch, griechisch, englisch, französisch, niederländisch, arabisch, hindi und urdu.

Übrigens: Wer kein Instagram hat, kann die App auch über die offizielle Website der Initiative erreichen.

Im Notfall: NORA

Nora“ heißt die offizielle Notruf-AppÖffnet sich in einem neuen Fenster der Bundesländer, mit der man Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr deutschlandweit ganz einfach und schnell erreicht. Mittels der Standort-Funktion des Smartphones wird der genaue Standort an die Einsatzleitstelle übermittelt. Auf diese Weise können die Rettungskräfte die Person schnell finden, die den Notruf ausgelöst hat.

In Situationen, in denen man nicht sprechen kann, kann über die App auch ein sogenannter „stiller Notruf“ abgesetzt oder mittels Chat um Hilfe gebeten werden.

Nach dem Herunterladen und einer schnellen Registrierung ist die App bereits einsatzbereit. Die App gibt es kostenlos in den jeweiligen App-Stores.

Frauentaxi

In immer mehr Städten gibt es zudem das Angebot für Personen, die sich als Frau identifizieren, sich mit einem speziellen Taxi zu einem ermäßigten Preis oder einem Festpreis nach Hause fahren zu lassen. Tun sich mehrere Frauen zusammen, die in die gleiche Richtung möchten, verringert sich der Preis noch einmal. Da in vielen Städten das Nachttaxi für Frauen als Schutz vor Gewalt und Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sogar subventioniert wird, können auch Frauen das Taxi nutzen, denen die finanziellen Möglichkeiten für eine Taxiruf fehlen. Eine Internetrecherche auf der Website der Stadt oder des Verkehrsverbundes kann hilfreich sein herauszufinden, wo ein Frauentaxi angeboten wird.

Ist Luisa hier?

Das Hilfsangebot „Luisa ist hier!“Öffnet sich in einem neuen Fensterrichtet sich an Frauen und Mädchen die sexuelle Belästigung oder sexualisierte Gewalt erfahren. Mit der Frage „Ist Luisa hier?“ an das Personal von Bars und Clubs können sie umgehend Hilfe bekommen. Der Code-Satz an der Theke soll dabei nicht die Intention des Hilfesuchenden verschleiern, sondern ermöglichen schnell und unkompliziert Hilfe zu erbitten. Dabei kann es sich zum Beispiel um eine Rückzugsmöglichkeit in einen Personalraum, den Ruf eines Taxis und die Begleitung dorthin oder auch das Informieren der Polizei handeln.

Auch wenn das Angebot für Frauen entwickelt wurde, so können aber auch Männer den Satz nutzen, um sich helfen zu lassen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Lokale der Stadt an dem Angebot teilnehmen und somit das Personal entsprechend geschult wurde.

2016 wurde das Hilfsangebot von der Beratungsstelle Frauennotruf Münster initiiert, mittlerweile ist sie aber weiträumig in der ganzen Bundesrepublik verbreitet.

 (Sie)

Stand: Januar 2023