Stillen ist eine der wertvollsten und natürlichsten Möglichkeiten, Ihr Baby in den ersten Lebensmonaten zu ernähren. Muttermilch ist wie ein All-in-One-Paket: sie enthält alle wichtigen Nährstoffe, die das Baby für ein gesundes Wachstum braucht. Aber das ist längst nicht alles! Welche weiteren Vorteile es gibt und wie lange eigentlich gestillt werden sollte, erfahren Sie hier.
Die Zusammensetzung der Muttermilch passt sich den Bedürfnissen Ihres Babys an. So produzieren Sie in den ersten Tagen nach der Geburt sogenannte Kolostralmilch, die reich an Antikörpern und Nährstoffen ist. Kolostralmilch wird meist nur in kleinen Mengen produziert – machen Sie sich keine Sorgen, Ihr Kind ist dennoch gut versorgt. Danach verändert sich die Zusammensetzung hin zur reifen Muttermilch, die eine ausgewogene Mischung aus Kohlenhydraten, Eiweißen, Fetten, Vitaminen und Mineralstoffen enthält.
Wussten Sie, dass sich die Muttermilch sogar während einer Stillmahlzeit verändert? Zu Beginn ist sie dünnflüssig und stillt den Durst Ihres Babys. Im Verlauf der Mahlzeit steigt der Gehalt an Fett und Energie, sodass der Hunger Ihres Kindes gestillt wird.
Für die Gesundheit von Mutter und Kind
Stillen bietet Ihrem Baby Schutz vor verschiedenen Krankheiten, beispielsweise vor Magen-Darm-Infektionen und Mittelohrentzündungen. Zudem kann es das Risiko für Übergewicht und Adipositas im späteren Leben verringern. Das Saugen an der Brust fördert die Entwicklung des Kiefers und kann so Fehlstellungen der Zähne vorbeugen. Aber auch Sie als Mutter können vom Stillen profitieren. Denn Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter und kann langfristig das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs senken. Und schließlich wird durch das Stillen die emotionale Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Kind gestärkt.
Muttermilch – einfach praktisch!
Muttermilch ist nicht nur gesund, sondern auch praktisch:
Kostenlos: Sie sparen Geld für Flaschennahrung.
Hygienisch einwandfrei: Keine Sorge um Reinigung oder Sterilisation von Fläschchen und Zubehör.
Immer verfügbar und gut temperiert: Die Milch hat die perfekte Temperatur und ist jederzeit bereit.
Stillen spart Ihnen den Aufwand für den Einkauf und die Zubereitung von Flaschennahrung und bietet Ihnen und Ihrem Baby eine individuelle Ernährung und einzigartige Erfahrung.
Schon gewusst? Ihre Muttermilch schmeckt immer ein bisschen anders – abhängig von dem, was Sie selbst gegessen haben. So lernt Ihr Kind schon früh verschiedene Geschmäcker kennen.
Wie lange stillen?
Jede Stillzeit ist wertvoll – egal wie kurz oder lang. Verschiedene Expertengremien, darunter die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Nationale Stillkommission und das Netzwerk Gesund ins Leben in Deutschland, empfehlen das ausschließliche Stillen in den ersten vier bis sechs Lebensmonaten. Das bedeutet, dass Ihr Baby in dieser Zeit keine anderen Flüssigkeiten oder Brei erhält. Auch nach der Einführung von Beikost kann weiter gestillt werden, solange Mutter und Kind es eben wünschen. Sie können Ihr Kind auch über den ersten Geburtstag hinaus stillen. Wichtig ist hierbei nur, dass Ihr Kind zusätzlich zur Muttermilch eine altersgemäße Ernährung erhält.
Wenn’s nicht klappt – Hilfe bei Stillproblemen
Viele Mütter möchten ihr Baby stillen und beginnen damit direkt nach der Geburt. Manchmal treten jedoch unerwartete Probleme auf. Das kann dann leider dazu führen, dass Mütter früher abstillen, als sie es sich gewünscht haben. Aber verzweifeln Sie nicht, mit fachkundiger Hilfe lassen sich viele Stillprobleme lösen oder vermeiden.
Wo erhalten Sie Hilfe?
Hebamme: Ihre Hebamme kann Sie nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zu Hause betreuen. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse nach der Übernahme der Kosten.
Still- und Laktationsberaterin: Sie verfügt über ein umfassendes theoretisches und praktisches Wissen über Stillen und Milchbildung und unterstützt insbesondere bei komplexen Stillproblemen.
Stillgruppen: In vielen Orten gibt es Stillgruppen, in denen Mütter ihre Erfahrungen austauschen können. Fragen Sie Ihre Hebamme oder Ihre Entbindungsklinik nach entsprechenden Angeboten.
Mit der richtigen Unterstützung können Sie die Stillzeit genießen und die vielen Vorteile des Stillens für sich und Ihr Baby nutzen.
Gesunde Ernährung der Mutter während der Stillzeit
Auch Mamas Ernährung ist wichtig während der Stillzeit. Denn schließlich werden Energie und Nährstoffe an die Muttermilch abgegeben und diese müssen wieder ersetzt werden. Das heißt, wenn Sie stillen, benötigen Sie sogar mehr zusätzliche Nahrung als in der Schwangerschaft.
Eine gesunde Ernährung während der Stillzeit folgt dabei den gleichen Prinzipien wie eine ausgewogene Familienernährung nach dem Konzept der Optimierten MischkostÖffnet sich in einem neuen Fenster: reichlich pflanzliche Lebensmittel und Getränke, eine moderate Portion tierischer Produkte und nur gelegentlich fett- und zuckerreiche Leckereien.
Abwechslung ist der Schlüssel! Denn die Aromen Ihrer Nahrung gelangen in die Muttermilch und bereiten Ihr Kind schon früh auf die geschmackliche Vielfalt der Beikost und des Familienessens vor. Also: Lassen Sie es sich schmecken!
Essen Sie so viel, dass Sie Ihr Gewicht halten oder nur langsam abnehmen. Die meisten Frauen haben nach der Geburt noch ein paar Pfunde mehr auf den Rippen und freuen sich, wenn sie während der Stillzeit wieder ihr Ausgangsgewicht erreichen. Eile ist hier aber nicht angebracht. Geben Sie sich und Ihrem Körper Zeit! Die Stillzeit sollte nicht zur großen Diät werden, denn schädliche Stoffe, die sich im Körperfett angesammelt haben, werden sonst in großen Mengen in Ihre Muttermilch und damit an Ihr Kind weitergegeben.
Denken Sie daran: Mit jeder Stillmahlzeit geben Sie auch Flüssigkeit ab. Daher ist es wichtig, ausreichend zu trinken. Ideal sind Trinkwasser, Mineralwasser oder ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees. Gewöhnen Sie sich an, zu jeder Stillmahlzeit ein Glas zu trinken.
In der Regel benötigen Sie während der Stillzeit keine zusätzlichen Nährstoffsupplemente wie Vitamintabletten. Eine Ausnahme ist Jod. Genau wie während der Schwangerschaft sollten Sie auch während der Stillzeit täglich 100 Mikrogramm Jod als Tablette einnehmen. Das unterstützt die gesunde Entwicklung Ihres Babys. Jod-Tabletten erhalten Sie rezeptfrei in Apotheken.
Also: Genießen Sie diese besondere Zeit, essen Sie abwechslungsreich und trinken Sie ausreichend. Ihre Gesundheit und die Ihres Babys sind es wert!
Vorsicht bei Medikamenten und Genussmitteln
Die Muttermilch ist die beste Nahrung für Ihr Baby – in den meisten Fällen. Es gibt jedoch einige Ausnahmen, in denen Stillen nicht empfohlen wird. Wenn Sie schwer erkrankt sind, bestimmte Medikamente einnehmen oder Drogen konsumieren.
Wenn Sie Medikamente einnehmen müssen, ist es wichtig, nur die wirklich notwendigen zu verwenden und sich bei Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin oder in der Apotheke über ihre Verträglichkeit für Ihr gestilltes Baby zu informieren. Meistens gibt es eine Lösung, sodass Sie weiter stillen können. Also: Keine Sorge, aber immer gut informieren!
Vorsicht ist auch bei Genussmitteln geboten. Alkohol und Zigaretten sind während der Stillzeit tabu, da ihre Bestandteile in die Muttermilch übergehen können. Wenn Sie eine Tasse Kaffee oder (koffeinhaltigen) Tee genießen möchten, ist das in Maßen (zum Beispiel bis zu drei Tassen Kaffee am Tag) in Ordnung.
Wie viel ist genug?
Beim Stillen wissen Mütter nicht genau, wie viel Milch ihr Baby trinkt – und das ist auch nicht nötig! Die Natur hat alles perfekt geregelt: Nachfrage und Angebot passen sich automatisch an. Wenn Ihr Baby häufig unruhig ist oder oft gestillt werden möchte, heißt das nicht unbedingt, dass es hungrig ist. Vielleicht sucht es einfach nur Mamas Nähe.
Bei Flaschenkindern ist die Kontrolle einfacher: Die Verpackungen geben Richtwerte für die Mahlzeiten an. Aber auch hier gilt: Richten Sie sich nach dem Appetit Ihres Babys! Geben Sie ihm so oft die Flasche, wie es Hunger hat, und beenden Sie die Mahlzeit, wenn es satt ist – selbst wenn noch etwas übrig ist.
Wie erkennen Sie, dass Ihr Baby genug trinkt? Ganz einfach: Wenn sein Gewicht parallel zu den Wachstumskurven im gelben Untersuchungsheft verläuft. In den ersten Tagen nach der Geburt ist etwas Gewichtsverlust normal, aber bis zur zweiten Lebenswoche sollte Ihr Baby wieder sein Geburtsgewicht erreicht haben. Danach reicht es, es einmal pro Woche oder bei den Vorsorgeuntersuchungen zu wiegen. Im ersten Halbjahr nehmen Säuglinge durchschnittlich 150 bis 200 Gramm pro Woche zu – aber auch hier gibt es individuelle Unterschiede. Gestillte Babys sind oft in den ersten drei Monaten etwas schwerer, im zweiten Lebenshalbjahr etwas leichter.