Ein Kind isst selbst mit einem Löffel

Vom Brei zum Familientisch

Träumen Sie schon von einem (halbwegs) entspannten Familienessen mit Ihrem Kind? Ganz ohne Breikochen, dafür gemeinsam am Tisch sitzen wie die Großen? Dieser Moment rückt näher, Schritt für Schritt, wenn Babys etwa zehn Monate alt sind. Was Sie als Eltern dabei zu beachten haben, damit der Übergang gelingt und warum Geduld jetzt besonders wichtig ist, erfahren Sie hier.

Jedes Kind is(s)t anders

Ab dem zehnten Monat kann die Vorstellung eines Familienessens endlich zur Realität werden. Das bedeutet konkret, dass es statt den drei etwa gleich großen Breimahlzeiten und den verbliebenen Milchmahlzeiten schon bald drei Hauptmahlzeiten und zwei Zwischenmahlzeiten am Tag isst. Wichtig ist, dass dieser Übergang ohne Druck erfolgt und ein Prozess ist, sich also Schritt für Schritt einpendelt. 

Das Entwicklungstempo eines jeden Kindes ist individuell. Manche Babys sind „kleine Gourmets“ und gucken neugierig was Mama oder Papa auf ihrem Teller haben, um es selbst auszuprobieren. Andere gehören eher zum Team „Skeptiker“ und bevorzugen ihren wohlbekannten Brei oder ihre Milch. Egal zu welcher Typgruppe Ihr Kind gehört: alles ist normal. Orientieren Sie sich am Tempo ihres Kindes und vor allem daran, wie gut es bereits aufrecht sitzen und kauen kann. Sie werden merken, wenn Ihr Kind bereit ist.

Selbst essen ist Übungssache

Jetzt wird´s spannend: Ihr Baby will mitbestimmen, was in den Mund kommt – das heißt, jetzt darf selbst experimentiert werden! Mit Löffel, Händen oder einer wilden Mischung aus beidem wird gekleckert, probiert und entdeckt. Es gehört dazu, wenn dabei etwas daneben geht! Ebenso wichtig ist das Trinken aus einer Tasse oder einer speziellen Trinklerntasse. Die gute alte Nuckelflasche wird nach und nach überflüssig, denn ständiges Nuckeln, besonders nachts, ist schlecht für Zähne und Kiefer.

Das erste Mittagessen

Sobald ihr Baby älter wird, können Sie damit anfangen, das Essen beispielsweise nur noch mit einer Gabel zu zerdrücken und zu zerkleinern anstatt es zu pürieren. Spielerisch kann das Kind nun Nudeln, Reis, Kartoffeln, Gemüse oder eine kleine Portion Fleisch greifen und probieren – ein echtes Mini-Abenteuer auf dem Weg in die Esskultur der Familie. Wenn Sie mit Gläschen für ältere Babys (Junior-Menüs) beginnen, merken Sie schnell: Stückchen sind gar nicht schlimm, sondern eine Einladung zum Kauen und Entdecken.

Der nächste Schritt: Einführung der kalten Hauptmahlzeiten

Fangen wir mit einer klassischen Brotmahlzeit an. Nehmen Sie eine Scheibe Brot aus feinem Mehl ohne Kruste und schneiden Sie es in mundgerechte Stücke. Eine halbe Scheibe pro Mahlzeit ist ideal. Dazu gibt es etwas Obst oder Rohkost – etwa ein halber Apfel oder eine geriebene Karotte. Das Ganze wird ergänzt durch eine Portion Milch (circa 150 Milliliter).

Sie können das Brot nach Belieben belegen: dünn mit Butter oder Margarine, Streichwurst, Frischkäse – oder wie wäre es mit Hummus? Achten Sie darauf, dass ein Teil des täglichen Brotes aus fein gemahlenem Vollkornmehl besteht – das ist gut für die kleinen Entdecker!

Das Obst oder Gemüse können Sie je nach Kaumuskulatur Ihres Kindes reiben oder einfach ein Stück weiches Obst wie eine geschälte Birne in die Hand geben. Selbst essen macht Spaß und fördert die motorischen Fähigkeiten!

Für die Milch gibt es verschiedene Optionen: Sie können weiterhin stillen, Fertigmilch aus der Flasche geben oder, wenn Ihr Kind schon aus der Tasse trinken kann, normale Trinkmilch (Vollmilch) verwenden.

Alternativ können Sie auch ein leckeres Müsli zubereiten. Mischen Sie hierfür Milch mit Getreideflocken und kleinen Obststückchen. Das ist nicht nur lecker, sondern auch eine tolle Möglichkeit, verschiedene Geschmacksrichtungen kennenzulernen.

Snacks für zwischendurch

Der Getreide-Obst-Brei macht Platz für zwei leckere Snacks – einer vormittags und einer nachmittags. Diese kleinen Mahlzeiten bestehen zum Beispiel aus einer halben Scheibe Vollkornbrot, Vollkornknäckebrot, Vollkornzwieback oder einem Vollkornkeks. Dazu gibt es Obst, oder – wenn Ihr Kind schon gut kauen kann – auch Gemüserohkost wie eine halbe Tomate oder eine kleine geraspelte Karotte.

Genau wie beim Frühstück und Abendessen können Sie das Obst oder Gemüse reiben oder einfach am Stück in die Hand geben.

Speiseplan-Upgrade gegen Ende des ersten Lebensjahres

Gegen Ende des ersten Lebensjahres verträgt Ihr Kind in der Regel fast alle Lebensmittel. Das ist die perfekte Zeit, um den Speiseplan schrittweise zu erweitern. Achten Sie jedoch darauf, auf kleine und harte Lebensmittel wie Johannisbeeren, rohe Karottenstücke oder Nüsse zu verzichten – diese könnten beim Verschlucken in die Luftröhre gelangen.

Auch bei Gewürzen heißt es: weniger ist mehr. Vermeiden Sie es, Speisen stark zu würzen oder Schärfe hinzuzufügen. Wenn Sie Salz verwenden wollen, nutzen Sie jodiertes und fluoridiertes Speisesalz und nutzen Sie es sparsam. Trotz fluoridiertem Salz sollten Sie nicht auf fluoridierte Zahnpasta oder alternativ Fluoridtabletten verzichten, um Karies vorzubeugen. Sprechen Sie dies vorher mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ab. Abschließend ist wichtig zu betonen, dass das Essensumfeld Ihr Kind stark prägt und gemeinsame Mahlzeiten nicht nur Struktur schaffen, sondern auch das Familiengefühl stärken und das Essen zu einem positiven Erlebnis machen. Wenn Eltern regelmäßig gemeinsam essen, genießen und eine ausgewogene Auswahl an Lebensmitteln angeboten wird, entwickelt Ihr Kind automatisch ein gesundes Essverhalten.

Und was kommt als Nächstes?

Das Forschungsdepartment Kinderernährung Bochum hat auch ein Konzept für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen entwickelt: Die Optimierte MischkostÖffnet sich in einem neuen Fenster. Sie schließt nahtlos an den Ernährungsplan für das erste Lebensjahr an und entspricht den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die Optimierte Mischkost berücksichtigt die üblichen Ernährungsgewohnheiten in Deutschland und – was am wichtigsten ist – was Kinder und Jugendliche gerne essen.

Mehr Informationen finden Sie in der Broschüre „Empfehlungen für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen – die Optimierte Mischkost“ und im „Kochbuch für Kinder. Die Optimierte Mischkost – kinderleicht“. Die genannten Medien finden Sie hierÖffnet sich in einem neuen Fenster.

Also, liebe Eltern, viel Spaß beim Ausprobieren! Ihr Kind wird die Abwechslung lieben und mit jedem Bissen neue Geschmackserlebnisse sammeln. Guten Appetit!

Kontakt: Forschungsdepartment Kinderernährung (FKE)Öffnet sich in einem neuen Fenster

Stand: März 2026

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