Stillen ist die ideale Ernährung für Ihr Baby, doch wenn Sie nicht stillen können oder möchten, ist industriell hergestellte Säuglingsmilch (Fertigmilch) eine gute Alternative. Die Zusammensetzung dieser Milchnahrungen orientiert sich streng am Vorbild der Muttermilch und wird gesetzlich überwacht. Hier erfahren Sie mehr über die passenden Säuglingsanfangsnahrungen und Folgenahrungen für Ihr Kind.
Wussten Sie, dass „Pre“ oder „1“ im Namen von Säuglingsmilch eine besondere Bedeutung hat? Dies kennzeichnet sogenannte Säuglingsanfangsnahrungen, die der Muttermilch in Zutaten und Nährstoffen ähnlich sind. Der einzige Unterschied zwischen Pre- und 1-Nahrungen liegt in den Kohlenhydraten, also den natürlichen Zuckerquellen. Kohlenhydrate sind neben Fetten die Hauptenergiequelle für Ihr Baby. Und von der Energie benötigt Ihr Baby eine Menge, um zu wachsen und groß und stark zu werden. In Pre-Nahrungen darf nur Milchzucker verwendet werden. Dieser wird auch Laktose genannt und ist auch die Kohlenhydratquelle in der Muttermilch.
Bei 1-Nahrungen wird ein Teil des Milchzuckers (Laktose) durch Stärke ersetzt, was die Milch etwas dickflüssiger macht. Der Hersteller verspricht damit eine längere Sättigung – aber wissenschaftlich bewiesen ist das nicht. Sowohl Pre- als auch 1-Nahrungen sind für die Ernährung Ihres Babys im gesamten ersten Lebensjahr geeignet. In den ersten vier bis sechs Monaten können sie sogar die alleinige Nahrung sein, danach ergänzen sie die Beikost. Also, keine Sorge: Mit der richtigen Säuglingsanfangsnahrung ist Ihr Baby bestens versorgt, wenn nicht gestillt werden kann!
Folgenahrung
Bekommt Ihr Kind bereits Beikost, kann sie durch Folgenahrungen ergänzt werden. Diese tragen eine „2“ oder „3“ im Namen, unterscheiden sich aber eigentlich nur wenig von der Säuglingsanfangsnahrung „Pre“ und „1“. Folgenahrungen dürfen mehr Eisen enthalten. Das ist super, denn Eisen ist wichtig für die geistige Entwicklung und Blutbildung des Babys im zweiten Lebenshalbjahr. Aber auch mit einer Pre- oder 1-Nahrung ist Ihr Kind während der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres gut versorgt. Sie müssen also die Milch nicht zwingend wechseln.
Aber Achtung, nicht alle Folgenahrungen sind gleich! Schauen Sie sich immer die Zutatenliste an. Manche Hersteller mischen nämlich überflüssige Zutaten wie Aromastoffe bei. Die könnten Ihrem Baby langfristig bestimmte Geschmacksvorlieben angewöhnen. Also lieber zu Produkten ohne solche Zusätze greifen – damit ist Ihr Kleines auf der sicheren Seite.
Zusammengefasst gilt: Folgenahrungen können zusätzlich zur Beikost gegeben werden – müssen aber nicht. Auch Muttermilch, Pre- oder auch 1-Nahrung sind weiterhin geeignet.
Wussten Sie schon, dass der Milch-Getreide-Brei auch mit Muttermilch, Säuglingsanfangsnahrung oder Folgenahrung angerührt werden kann?
Besondere Zusätze in Fertigmilch
Säuglingsmilchprodukte enthalten sogenannte LC-PUFA, das sind langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Klingt kompliziert, oder? Einfach gesagt, sind das besondere Fettsäuren, die auch in der Muttermilch vorkommen. Sie werden der Fertigmilch zugesetzt, weil diese Fettsäuren vermutlich die Gehirnentwicklung und die Sehfähigkeit von Säuglingen fördern. Die vermutlich bekannteste Vertreterin dieser LC-PUFAs ist die sogenannte Docosahexaensäure oder kurz DHA. Diese muss inzwischen allen Fertigmilchen zugesetzt werden.
Andere Milchnahrungen enthalten sogenannte Pro- oder Präbiotika. Probiotika sind lebende „gute“ Bakterien, die sich im Darm des Babys ansiedeln und die Gesundheit fördern sollen. Präbiotika sind besondere Kohlenhydrate, die vom Menschen nicht verdaut werden können und stattdessen das Wachstum unserer Darmbakterien unterstützen können. Manche Präbiotika, wie die sogenannten humanen Milcholigosaccharide (HMO), kommen in großen Mengen in der Muttermilch vor und sollen selbst gesundheitsförderlich wirken. Ein paar wenige HMOs dürfen auch in Fertigmilch zugesetzt werden. Mit der Muttermilch können sie in Sachen Menge und Vielfalt aber bei Weitem nicht mithalten.
Aber Vorsicht: Die Belege für die Wirksamkeit von Pro- und Präbiotika bei gesunden Säuglingen sind noch nicht überzeugend. Einige Studien zeigen zwar eine Verbesserung der Symptome bei durchfallerkrankten Säuglingen oder eine unterstützende Wirkung bei der Allergievorbeugung. Allerdings weiß man noch zu wenig über die verschiedenen Bakterienstämme, die Wirkungen der einzelnen humanen Milcholigosaccharide, die notwendige Dosierung und eventuell auftretende Nebenwirkungen, um die Verwendung von pro- oder präbiotischer Säuglingsmilch allgemein zu empfehlen. Am Ende ist Muttermilch stets die beste Wahl.
Spezialnahrung
Zusätzlich zu den „normalen“ Säuglingsanfangs- und Folgenahrungen gibt es verschiedene Spezialnahrungen. Von einer Verwendung auf eigene Faust ist aber abzuraten und sie sollte immer mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin abgesprochen werden! Sogenannte hypoallergene Nahrungen (HA-Nahrung) sind speziell für Babys mit erhöhtem Allergierisiko entwickelt worden und sollen durch die teilweise Aufspaltung des Eiweißes (Hydrolyse) hypoallergen sein. Das bedeutet, sie lösen seltener Allergien aus als herkömmliche Fertigmilch. Aber Achtung: Bisher konnte für keine HA-Nahrung eine Wirksamkeit nachgewiesen werden. Mit anderen Worten – Sie können weiterhin die „normale“ Säuglingsnahrung verwenden.
Demgegenüber sind hochgradig hydrolysierte Spezialnahrungen für Säuglinge mit einer bereits bestehenden Kuhmilcheiweißallergie gedacht. Das Eiweiß ist hier so stark aufgespalten, dass es in der Regel keine allergische Reaktion auslöst. Diese Produkte sind nur in Apotheken erhältlich. Sie sind teurer als herkömmliche Fertigmilch und schmecken etwas bitter. Aber keine Sorge, wenn Ihr Baby diese Produkte benötigt, wird es sich schnell an den Geschmack gewöhnen.
Aber nicht nur die Vorbeugung von Allergien führt zum Griff zu Spezialnahrungen, es kann auch noch ganz andere Gründe geben. Sie möchten Ihr Baby vegan ernähren? Sojanahrungen enthalten anstatt Kuhmilcheiweiß pflanzliches Eiweiß aus der Sojabohne. Aber Achtung: Sojanahrungen sind nicht geeignet, um Allergien vorzubeugen, da sie ebenso häufig Allergien auslösen können wie herkömmliche Fertigmilch.
Spucken, Blähungen oder Verstopfung - die Industrie hat für alles eine Lösung: Entsprechende Produkte unterscheiden sich von herkömmlicher Fertigmilch zum Beispiel durch einen verminderten Gehalt an Milchzucker (Laktose), einen Zusatz von Ballaststoffen oder Dickungsmitteln, die Verwendung von besonderen Fetten oder von teilweise gespaltenem Eiweiß. Meist sind solche Befindlichkeitsstörungen aber harmlos und vorübergehend. Bevor Sie eine bewährte Fertigmilch durch ein solches Produkt ersetzen, sprechen Sie lieber mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin und lassen sich praktische Tipps zum Füttern geben.
Was aber gar nicht geht, ist selbst hergestellte Säuglingsmilch! die Selbstherstellung der Flaschenmilch aus Kuhmilch birgt zahlreiche Risiken für den Säugling. Eine selbst hergestellte Milch kann niemals den ausgewogenen Nährstoffgehalt einer Fertigmilch erreichen. Außerdem ist der Aufwand für die sorgfältige Zubereitung sehr groß, um das Risiko einer Magen-Darm-Infektion oder einer Fehlernährung zu vermeiden. Besonders hoch ist das Risiko für Magen-Darm-Infektionen bei Fütterung von Rohmilch! Auch vegane Milchersatzprodukte wie zum Beispiel Mandel-, Hafer-, oder Reisdrink sind für die Ernährung absolut ungeeignet und könnten zu ernsthaften Wachstums- und Entwicklungsstörungen führen.
Also Finger weg von der selbstgemachten Milch und anderen Drinks und stattdessen auf bewährte Fertigmilch oder natürlich Muttermilch setzen!
Sind Sie unsicher, ob Ihr Baby eine Spezialnahrung benötigt? Sprechen Sie in jedem Fall immer erst mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin und lassen Sie sich beraten!
Fertigmilch zubereiten - so geht`s richtig!
Hier sind die wichtigsten Tipps für die perfekte Flaschennahrung:
Wasser marsch! Verwenden Sie frisches Leitungswasser (kalt, bitte!), Mineralwasser (mit dem Hinweis „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“) oder sogenanntes Babywasser.
Dosierung ist alles! Halten Sie sich strikt an die Herstellerangaben – weder zu viel noch zu wenig Pulver!
Frisch zubereitet, schmeckt’s am besten! Bereiten Sie jede Mahlzeit frisch zu und erwärmen Sie Reste nicht wieder. Für unterwegs: abgekochtes Wasser in der Thermoskanne und Pulver in der Flasche – einfach mischen und los!
Sauberkeit ist ein Muss! Sauger und Flasche sofort nach dem Füttern reinigen und trocken lagern.
Und denken Sie dran: Flaschennahrung ist ein Paradies für Keime – also immer schön hygienisch arbeiten!