Allergien vorbeugen – funktioniert das wirklich?
Allergien sind eine häufige Sorge von Eltern, besonders wenn es um Nahrungsmittelallergien geht. Eltern versuchen diesen dann möglicherweise vorzubeugen. Aber kann man durch speziellen Ausschluss einzelner Lebensmittelgruppen Allergien wirklich vorbeugen? Aktuelle Forschungen zeigen genau das Gegenteil. In den Studien hat sich erwiesen, dass der frühe Kontakt (ab der 17. Lebenswoche) mit bestimmten Lebensmitteln, wie Eiern, Milch oder Fisch, das Risiko für Nahrungsmittelallergien im späteren Leben möglicherweise verringern kann. Aber wie genau geht man bei der Einführung von potenziell allergieauslösenden Lebensmitteln vor?
Stillen ist schon mal ein großer Pluspunkt, wenn es um den Schutz vor Allergien geht. In der Muttermilch stecken nämlich Antikörper und viele andere hilfreiche Immunstoffe, die das Immunsystem des Babys stärken. Deshalb wird empfohlen, in den ersten vier bis sechs Monaten ausschließlich zu stillen, um das Allergierisiko möglichst gering zu halten. Wenn Stillen für Sie nicht möglich ist oder nicht gewünscht ist, ist das aber kein Grund zur Sorge: Säuglingsanfangsnahrung ist grundsätzlich eine gute Alternative – auch wenn sie natürlich nicht ganz die einzigartigen Eigenschaften von Muttermilch ersetzen kann.
Anschließend erfolgt die Beikosteinführung. Dabei sollten Sie Folgendes beachten:
Allergene Lebensmittel rechtzeitig einführen:
Allergene Lebensmittel sollten etwa ab dem vierten bis sechsten Lebensmonat in die Beikost eingeführt werden, um das Immunsystem zu trainieren und Toleranz zu schaffen.
Vielfalt auf dem Teller:
Generell empfiehlt es sich bei der Zubereitung von Breien eine breite Vielfalt an verschiedenen Obst- und Gemüsesorten zu verwenden. Denn das trainiert nicht nur das Immunsystem, sondern prägt auch das Geschmacksempfinden nachhaltig und fördert die Akzeptanz neuer Lebensmittel.
Altersgerecht servieren:
Nahrungsmittel sollten in einer altersgerechten Form (beispielsweise püriert oder in sehr kleinen Mengen) angeboten werden.
Lebensmittel langsam testen:
Führen Sie etwa alle drei bis fünf Tage ein neues Lebensmittel ein – so behalten Sie den Überblick.
Auf allergische Reaktionen achten:
Sollten Symptome wie Hautausschläge, Schwellungen oder Atemprobleme auftreten, suchen Sie sofort einen Arzt oder eine Ärztin auf.
Keine übertriebene Vorsicht:
Übermäßige Einschränkungen haben eher Nachteile, solange keine diagnostizierte Allergie besteht. Eine abwechslungsreiche Ernährung unterstützt die Entwicklung und das Immunsystem Ihres Kindes nachhaltig.
Auf Ihr Bauchgefühl hören:
Als Elternteil kennen Sie Ihr Baby am besten. Wenn Ihnen etwas komisch vorkommt, fragen Sie nach! Ärztinnen und Ärzte, Hebammen und Ernährungsfachleute helfen gerne.
Was ist mit allergiegefährdeten Säuglingen?
Wenn in Ihrer Familie Allergien schon ein Thema sind, also Sie als Eltern oder Geschwisterkinder bereits betroffen sind, dann hat auch Ihr Baby ein etwas höheres Risiko, selbst Allergien zu entwickeln. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass es so kommen muss! Wichtig zu wissen: Allergene Lebensmittel in der Schwangerschaft vorsorglich zu meiden, bringt nichts und ist auch nicht nötig – außer natürlich, Sie reagieren selbst allergisch darauf.
Milch – wenn Milcheiweiß oder Laktose nicht vertragen werden
Reine Kuhmilch als Getränk wird für Babys erst ab dem ersten Geburtstag empfohlen. Kleine Mengen im Brei sind aber schon ab dem sechsten Monat völlig okay. Trotzdem gilt: Kuhmilch gehört zu den Lebensmitteln, die bei Babys am häufigsten Allergien auslösen können. Dabei ist es wichtig, zwischen der Milcheiweißallergie (auch Kuhmilchallergie) und der Laktoseintoleranz zu unterscheiden – denn das sind zwei ganz verschiedene Dinge.
Bei der Kuhmilchallergie reagiert das Immunsystem auf bestimmte Eiweiße in der Kuhmilch. Typische Anzeichen sind Hautausschläge, Atemprobleme, Erbrechen oder Durchfall. Wenn Sie solche Symptome bei Ihrem Baby bemerken und eine Allergie im Raum steht, sollten Sie Kuhmilchprodukte vorerst weglassen. Stillen ist in diesem Fall – wie so oft – die beste Option, wenn es für Sie möglich ist. Wenn nicht, gibt es speziell aufbereitete, stark hydrolysierte Säuglingsnahrungen. Darin sind die Eiweiße stark zerlegt, sodass sie meist keine allergischen Reaktionen mehr auslösen. Für die Zubereitung des Milch-Getreide-Breis können Sie diese Spezialnahrung weiterverwenden. Besprechen Sie am besten immer mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt, was für Ihr Baby passend ist.
Im Gegensatz zur Milcheiweißallergie handelt es sich bei der Laktoseintoleranz um eine Unverträglichkeit gegenüber dem Milchzucker Laktose. Eine Laktoseintoleranz im Säuglingsalter ist sehr selten. Sollte der Verdacht bestehen, sprechen sie in jedem Fall zunächst mit einem Arzt oder einer Ärztin. Was häufiger vorkommt, ist eine vorübergehende Laktoseintoleranz – zum Beispiel nach einer Magen-Darm-Infektion oder wenn der Darm durch Antibiotika oder Entzündungen gereizt ist. In solchen Fällen wird Muttermilch meist trotzdem gut vertragen, weil sich der Darm nach kurzer Zeit wieder erholt.
Zöliakie & Glutenunverträglichkeit – Was Sie wissen sollten
Zöliakie und Glutenunverträglichkeiten gehören zu den Erkrankungen, bei denen der Körper empfindlich auf Gluten reagiert – ein Klebereiweiß, das in vielen Getreidesorten wie Weizen, Roggen und Gerste vorkommt.
Zöliakie ist dabei keine Allergie, sondern eine sogenannte Autoimmunerkrankung. Die Erkrankung ist genetisch bedingt. Eine Aufnahme von glutenhaltigen Produkten fördert die Entstehung nicht! Falls eine Zöliakie diagnostiziert wird, können schon winzige Mengen Gluten Entzündungen im Dünndarm auslösen. Typische Anzeichen sind wiederkehrende Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung sowie bei Kindern ein verzögertes Wachstum. Wenn der Verdacht auf Zöliakie besteht, ist es wichtig, frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen, um Klarheit zu bekommen und mögliche Folgeschäden zu vermeiden.
Eine Glutenunverträglichkeit (auch Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität genannt) funktioniert etwas anders. Die genauen Abläufe im Körper sind noch nicht komplett verstanden. Anders als bei der Zöliakie ist es keine Autoimmunerkrankung, aber Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder sogar Hautprobleme können trotzdem auftreten. Der entscheidende Unterschied: Der Darm ist nicht entzündet.
Während bei einer Unverträglichkeit oft kleine Mengen Gluten noch vertragen werden, muss bei einer Zöliakie ein Leben lang komplett darauf verzichtet werden. Im ersten Lebensjahr ist das Ganze meistens weniger kompliziert, denn: In der ersten Hälfte des ersten Jahres wird idealerweise gestillt und im Anschluss starten Sie mit dem klassischen Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei – ganz ohne glutenhaltiges Getreide. Für den Milch-Getreide- oder Getreide-Obst-Brei können Sie super auf Hirse, Reis oder glutenfreie Haferflocken ausweichen. Und falls Sie auf fertige Produkte zurückgreifen möchten: In Drogerien und Supermärkten gibt es viele glutenfreie Breimischungen sowie passende Produkte wie Brot oder Nudeln, die Ihrem Kind trotz Glutenverzicht eine abwechslungsreiche Ernährung ermöglichen.
Sofern keine eindeutige Diagnose vom Arzt oder der Ärztin gestellt wurde, sollten Sie allerdings nicht auf eigene Faust glutenhaltige Lebensmittel aus der Ernährung Ihres Säuglings ausschließen!
Fazit
Die oben genannten allergenen Lebensmittel – wie Milch und glutenhaltige Getreide – sind nur Beispiele, weil sie im Alltag besonders oft vorkommen. Natürlich gibt es noch viele andere mögliche Allergien oder Unverträglichkeiten. Keine Sorge: Sie müssen nicht Ihren ganzen Speiseplan bestimmen. Es ist nur wichtig, dies im Hinterkopf zu behalten, wenn Sie neue Lebensmittel einführen. Deshalb lohnt es sich, dabei langsam und achtsam vorzugehen.
Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Baby etwas nicht gut verträgt – sei es Kuhmilch, Gluten oder etwas anderes – kann eine frühzeitige Abklärung viel Sicherheit geben und helfen, Beschwerden zu vermeiden. Falls Sie unsicher sind oder erste Anzeichen einer Allergie bemerken: Zögern Sie nicht, Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt anzusprechen. Gemeinsam finden Sie heraus, was für Ihr Baby am besten ist und können eine Ernährung gestalten, die gut vertragen wird und gleichzeitig Freude macht.
Kontakt: Forschungsdepartment Kinderernährung (FKE)Öffnet sich in einem neuen Fenster
Stand: März 2026