Ein Mann fährt ein mit Kisten beldenes elektro Lastenfahrrad über eine Brücke. Im Hintergrund ist eine Stadtszenerie verschwommen zu erkennen

Moderne Lastenräder: Diese Fragen sollten Sie sich vor dem Kauf stellen

Lastenräder können Autos auf kurzen Strecken ernsthaft Konkurrenz machen. Wer regelmäßig sicher, schnell und unkompliziert Einkäufe, Kinder oder den Hund transportieren möchte, sollte sich diese Fahrradvariante genauer anschauen. Wir verraten Ihnen, welche Bauformen es gibt und warum eine gründliche Recherche vor dem Kauf entscheidend ist.

Wie die herkömmlichen E-Bikes, sind auch Lastenräder in den letzten Jahren rasant technisch weiterentwickelt worden. Insbesondere die Integration einer Tretunterstützung mithilfe von Elektromotoren hat den Rädern im wahrsten Sinne des Wortes einen Schub gegeben.

Die Absatzzahlen sind dabei eindeutig. Rund 90 Prozent der verkauften Lastenräder haben heutzutage einen Elektromotor – auch wenn diese Ausstattung mit deutlich höheren Preisen einhergeht. Aber nicht nur im Antriebsbereich haben sich Lastenräder deutlich weiterentwickelt. Das Hinzukommen von spezifischen Fahrrad-Antiblockiersystemen (ABS) und die Erweiterung des Equipment-Sortiments um zum Beispiel passende Kindersitze, Abdeckplanen oder Zusatzkörbe machen Lastenräder zum individuellen Transport-Allrounder.

Bauformen

Als „Long John“ werden Lastenräder bezeichnet, die ihren Transportbereich in einem langen Vorbau zwischen Vorderrad und Sitzbereich haben. Eine Untergruppe in diesem Segment bilden die sogenannten „Bäckerfahrräder“, auf deren Vorderrad eine kleinere Transportfläche montiert ist. Demgegenüber stehen die mehrspurigen Fahrzeuge, die in der Regel drei Räder haben und dadurch viel Stabilität beim Fahren bieten. Die Doppelspur wird entweder vorne oder hinten montiert. Als dritte Gruppe werden sogenannte „Backpacker“ (auch Longtails genannt) angeboten. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass der Gepäckträger hinter dem Fahrenden jeweils verlängert ist und dadurch mehr Platz zum Verstauen von Lasten entsteht.

Das richtige Lastenfahrrad

Welches das richtige Lastenrad für die eigenen Zwecke ist, lässt sich am besten anhand einer individuellen Checkliste bestimmen:

  • Wozu soll das Fahrrad genutzt und welche Lasten sollen damit transportiert werden? Es macht einen großen Unterschied, ob ich jeden Morgen die Kinder in die Kita fahren möchte oder ob ich ein Hobbyhandwerker bin, der mehrmals pro Woche beim Baumarkt vorbeifährt.
  • Auch die zu erwartenden Transportwege sollten genau in Betracht gezogen werden. Wie weit soll es mit dem Rad gehen? Wird eher durch Wald und über Wiese gefahren oder doch hauptsächlich auf asphaltierten Straßen? Auf Basis dieser Informationen sollten beispielsweise das maximale Gewicht des Rades oder die Breite der Transporteinheit bemessen werden.
  • Wo kann ich das Fahrzeug zu Hause abstellen? Lastenräder kommen mit einem ordentlichen Eigengewicht daher. Im Keller, hinter einer Treppe, können die Räder eher nicht abgestellt werden. Auch sollte der Abstellplatz so gewählt werden, dass es vor Diebstahl ausreichend geschützt ist.
  • Ist das Lastenrad als Elterntaxi zur Kita oder zum Vereinssport am Nachmittag gedacht, sollte im Vorfeld auf die Anzahl der Sitzgelegenheiten geachtet werden. Denn unter Umständen soll das Nachbarskind mitgenommen werden oder es gibt bereits Überlegungen zu einem Geschwisterchen.
  • Wichtig ist auch, das Handling eines Lastenfahrrads im Vorfeld einzuschätzen. Je nach Lastenrad-Typ weicht das Fahrerlebnis von einem herkömmlichen Fahrrad ab. Dabei sollte auf die vorgegebene maximale Nutzlast und das zugelassene Gesamtgewicht geachtet werden. Lastenräder können schwer werden, wenn die mögliche Nutzlast komplett ausgenutzt wird. Wer sich dann wackelig an der Ampel fühlt, sollte vielleicht eher ein mehrspuriges Lastenrad in Betracht ziehen.
  • Zu guter Letzt sollte realistisch eingeschätzt werden, wie es mit den eigenen technischen Fähigkeiten aussieht und ob Mann oder Frau die Wartung und Reparatur selbst übernehmen wollen. Je mehr Technik an einem Fahrrad verbaut ist, desto eher kann eine komplexe Reparatur notwendig werden.

Die Aufzählung zeigt, dass vor dem Kauf eine eingehende Recherche zu den unterschiedlichen Angeboten empfehlenswert ist. Ein Besuch im Fachhandel inklusive Probefahrt – auch unter Last – sollte auf jeden Fall durchgeführt werden. Denn neben dem Einholen einer guten Beratung könnte im Geschäft auch gleich das Thema Wartung und Service angesprochen werden.

Kosten für ein Lastenrad

Lastenräder sind komplexe technische Gerätschaften, die sicher und haltbar sein sollten. Deshalb sind sie nicht günstig, sodass in der Mittelklasse mit einem Einstandspreis von rund 4.500 Euro zu rechnen ist.

Wissenswertes zur Nutzung

  1. Manche Lastenräder haben eine indirekte Lenkung, was die Reaktion auf Lenkbewegungen verlängert. Der Wendekreis eines Lastenrades ist größer einzuschätzen.
  2. Das höhere Gewicht wirkt sich auf den Bremsweg aus und verlängert diesen.
  3. Wie mit jedem Fahrrad, darf man auch mit dem Lastenrad auf Fahrradwegen fahren.
  4. Parken ist auf Gehwegen erlaubt, sofern keine Fußgänger behindert werden. Andernfalls besteht die Möglichkeit sich an den Straßenrand zu stellen, wobei im Dunkeln auf eine ausreichende Beleuchtung geachtet werden sollte.
  5. Kinder dürfen bis zum vollendeten siebten Lebensjahr im Lastenrad befördert werden, vorausgesetzt die Transportkiste hat geeignete Sitze und Sicherheitsgurte. Außerdem sollten Fahrradhelm und Regenschutz zur weiteren Ausrüstung gehören. Für Babys und Kleinkinder sind Halterungen für Babyschalen erhältlich. Werden Kinder ohne geeignete Sitze im Lastenrad mitgenommen, kann ein Bußgeld drohen.
  6. Auch Hunde müssen in der Transportkiste des Lastenrads ausreichend gesichert werden.
  7. Der Blick sollte sich beim Fahren nicht auf eine vorgelagerte Box oder Transportfläche richten, sondern stets auf die Straße.
  8. Schwere Gegenstände sollten weit unten in der Kiste transportiert werden. Reicht die Ladung über die eigentliche Höhe der Kiste hinaus, sollte sie zusätzlich mit einem Netz gesichert werden.
  9. Zu schnelle Kurvenfahrten können bei mehrspurigen Rädern zum Kippen führen. Daher sollte die Geschwindigkeit immer der Straßenführung, der Ladung und dem eigenen Fahrvermögen angepasst sein.

(eck)

Stand: Februar 2026

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