Zeitbanken und Tauschringe: Hilfe von nebenan

Ein selten gebrauchtes Werkzeug leihen? Wer könnte beim Entrümpeln des Kellers helfen? Oder eine Kleinstreparatur vornehmen, für die sich kein Handwerksbetrieb findet? Was für Geld nicht zu kaufen ist, gibt es in der aktiven Nachbarschaftshilfe im Austausch.

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Vier Hände, die sich gegeneinander verschränkt festhalten

Das Prinzip: geben und nehmen

Nachbarschaftshilfe basiert auf dem Prinzip der solidarischen Hilfe. Jeder bringt das ein, was er kann. Dies kann von der Einkaufshilfe oder der Hilfe bei Behördengängen über das Umgraben im Garten bis zur Hilfe am Computer reichen. Grundsätzlich ist nur, dass für die Hilfe keine geldliche Entlohnung eingefordert oder gegeben werden darf. Was nicht heißen muss, dass eine Nettigkeit für den Nachbarschaftsdienst ausgeschlossen sein muss. In Hessen ist es möglich, dass Pflegebedürftige im Rahmen der niederschwelligen Nachbarschaftshilfe einen Betrag von 125 Euro im Monat einsetzen können, ohne gegen das Unentgeltlichkeitsprinzip zu verstoßen.

Einfach Zeit auf die Bank bringen

Eine interessante Form der Nachbarschaftshilfe ist die „Zeitbank“. Das Prinzip dahinter ist einfach und kopiert das Geldbank-Prinzip ins solidarische Handeln. Durch eine geleistete Nachbarschaftshilfe erhält die Helferin oder der Helfer die aufgewendete Zeit als Guthaben gutgeschrieben. Brauchen Helferinnen oder Helfer ihrerseits selbst eine Unterstützung, heben sie von ihrem Zeitguthaben einfach etwas in der Form ab, indem sie Unterstützung durch ein anderes Mitglied der Zeitbank erhalten. Die Zeitbank fungiert in diesem System als Vermittler.

Tauschringe in Hessen

Nach einem ähnlichen Balance-Prinzip arbeiten auch Tauschringe. Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Ringe werden statt Gütern Kenntnisse und Können getauscht. Jeder, der an einem Ring teilnimmt, bringt seine Fähigkeiten ein und stellt diese der Ring-Gemeinschaft zur Verfügung. Wichtig ist dabei, dass nicht zwischen „höherwertigen“ oder „minderwertigen“ Arbeiten unterschieden wird, sondern dass alle Zeiteinsätze gleichwertig behandelt werden. So kann jeder, der sich an einem Tauschring beteiligen möchte, seine persönlichen Kompetenzen und Talente mit einbringen.

Kommerzielle Anbieter entdecken die Nachbarschaftshilfe

Einige Anbieter haben den Bedarf an Nachbarschaftshilfe als Markt für eine kommerzielle Lösung entdeckt. Als Dreh und Angelpunkt fungiert eine Website oder Smartphone-App, die ihre Mitglieder vernetzt. Wer dabei sein möchte, muss sich auf der Plattform mit einem Account registrieren. Wie bei jedem Social-Network sollten sich Interessierte aber im Vorfeld über das Geschäftsmodell der Plattform informieren. So gibt es Angebote, die transparent darüber Auskunft geben, wie die Daten der Mitglieder verarbeitet und genutzt werden. Einnahmen erzielen die kommerziellen Anbieter auch über das Schalten von Werbeanzeigen oder darüber, dass Gewerbetreibende im lokalen Umfeld sich in ihrer Nachbarschaft mit besonderen Accounts präsentieren können.

An wen wenden?

Erste Anlaufstellen für Interessierte können örtliche karitative oder kirchliche Einrichtungen und Bürgerbüros sein, die zumeist einen Überblick über die lokal tätigen Vereine und Angebote haben. Eine hilfreiche Adresse, um Angebote der Nachbarschaftshilfe in Hessen zu finden ist auch die hessische Ehrenamtssuchmaschine. Hier können hessische Bürgerinnen und Bürger Angebote in ihrem lokalen Umfeld finden. (eck)