Wenn die Kamelle ins Auge fliegt, Darth Vader am Steuer sitzt und zu viel Alkohol im Blut ist

Ausgelassene Faschingsveranstaltungen im ganzen Land - jetzt haben die Närrinnen und Narren wieder das Sagen. Im bunten Treiben geht es jedoch fast nie ohne Schäden ab. Aus Faschingsspäßen können Unfälle werden. Wir sagen Ihnen, wann Versicherungen helfen und nennen die sechs größten Irrtümer über den Alkoholabbau.

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Als Clown verkleidete Menschen in einem Faschingszug

Unfälle: Wenn aus Spaß Ernst wird

In diesen Tagen geht es wieder hoch her, denn jetzt regieren die Narren und Närrinnen in den Faschingshochburgen landauf landab. Bei allem Spaß an der Freud können jedoch Unfälle unter Alkoholeinfluss finanziell schlimm enden. Denn private Unfallversicherungen zahlen nicht bei bleibenden Schäden sobald nachgewiesen wird, dass der Unfall unter Alkoholeinfluss passiert ist.

Keine Regel ohne Ausnahme: Es gibt auch Komfortversicherungen, die trotzdem leisten. Wenn man ganz sicher gehen will, fragt man am besten vor der Party bei seiner Versicherung nach.

Bei ausgelassener Stimmung geht es auf Faschingsfesten drinnen wie draußen fast nie ohne Schäden ab. Auch wenn sie nicht dramatisch sind, sollte man sie unbedingt der Versicherung melden. Allerdings muss man Geduld und gute Nerven haben, bis feststeht, welche Versicherung den Schaden - bis hin zum Verdienstausfall - zahlen soll, betont Günter Weidemann, Sprecher im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK).

Zeugen können Geschädigten helfen

Die Veranstalter gelten fast immer als erste Adresse für Ansprüche. Zum Beispiel, wenn durch fliegende Kamellen, Pralinenschachteln oder Schnapsfläschchen „was ins Auge ging". Doch einige Gerichte meinen, dass die Zuschauer, die an solchen Veranstaltungen mit „Wurfgeschossen“ teilnehmen, wohl auch mit geringen Verletzungen einverstanden seien und daher nicht für jede Schramme ein Schmerzensgeld und für jede Brille Schadensersatz verlangen können.

Die Faschingsvereine sichern sich mit Veranstalter-Haftpflichtversicherungen ab, ihre Prinzen, Jungfrauen und Wagenlenker sind immer versichert unterwegs. Aber ehe die Versicherungen zahlen, klären sie erst einmal untereinander ab, wer nun für den Schaden aufkommen soll. Und das kann dauern. Zeugen können da einem Unfallopfer enorm helfen, weil ihre Beobachtungen komplizierte Abklärungen beschleunigen.

Masken am Steuer sind verboten

Während der Faschingstage interessiert die Polizei nicht nur der Alkoholpegel. Wer als Clown, einäugiger Pirat oder Batman maskiert am Steuer sitzt, riskiert zusätzlich eine Anzeige und Punkte in Flensburg. Denn was die Sicht einengt und das Gehör beeinträchtigt, ist im Verkehr verboten und kann als grobe Fahrlässigkeit gelten.

Damit können dann bei einem Unfall die Versicherungen den Schadensersatz erheblich mindern, warnt Günter Weidemann. „Die Vollkasko reduziert womöglich den Schadensersatz, die Kfz-Haftpflicht kann sogar einen Regress fordern.“

Quelle: Günter Weidemann, Sprecher des Bezirks Gießen im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) / Pressemitteilung vom 26.01.2016

Die sechs größten Irrtümer über den Alkoholabbau

Wirksame Methoden, die den Blutalkoholspiegel schneller sinken lassen, sind in der Faschingszeit besonders gefragt.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) beantwortet die „heißen Tipps“ fachlich nüchtern:

1. Starker Kaffee macht wieder fit.

Kaffee macht wach, aber nicht nüchtern. Den Alkoholabbau können Sie damit nicht beeinflussen.

2. Eine kalte Dusche vertreibt den Kater.

Nach einer kalten Dusche fühlen Sie sich vielleicht wohler, aber der Blutalkoholwert bleibt unverändert.

3. Alkohol wird durch Bewegung ausgeschwitzt.

Das ist auch falsch, weil der Alkohol schon im Blut ist und durch die Leber abgebaut werden muss.

4. Ein kurzes Nickerchen - und Sie sind wieder frisch?

Schlaf tut sicher gut. Den Entgiftungsprozess in der Leber können Sie damit aber nicht beschleunigen.

5. Mineralwasser, Rollmops, Bouillon & Co.

Sie gleichen zwar den alkoholbedingten Verlust von Flüssigkeit, Salz und Mineralien aus - trotzdem braucht die Leber ihre Zeit, um den Alkohol abzubauen.

6. Das Katerbier: Gegen Alkohol hilft nur Alkohol.

Davon ist dringend abzuraten. Noch mehr Alkohol zu trinken, wäre eine zusätzliche Belastung für die Leber. Der Alkoholabbau wird damit nur verschoben, die Auswirkungen des zu hohen Alkoholkonsums werden weiter verschlimmert.

Das Fazit der BZgA:

"Sie können Ihren alkoholbedingten Brummschädel und die Übelkeit zwar durch Schmerztabletten, Wasser- und Mineralienzufuhr lindern. Den Abbau Ihres Blutalkoholspiegels können Sie aber nicht beschleunigen.

Nach einer durchzechten Nacht sollten Sie deshalb auch am Folgetag das Auto lieber stehen lassen und keine Tätigkeiten ausüben, die Aufmerksamkeit und ein gutes Reaktionsvermögen verlangen.“

Stand: August 2017