Versicherungen für Musikinstrumente – überflüssig oder unverzichtbar?

​Der Super-GAU für nahezu jeden Musiker: das heiß geliebte Instrument wurde gestohlen, verloren oder zerstört! Womöglich sind viele hunderte oder gar tausende Euro verloren, vom ideellen Wert des Instrumentes ganz abgesehen. Damit zumindest der finanzielle Schaden ersetzt wird, bietet die Versicherungswirtschaft spezielle Musikinstrumentenversicherungen an.

Violine Dmytro Korniyenko - Fotolia.com_.jpg

Violine auf einem Notenblatt

Ist es in jedem Falle sinnvoll, eine solche Versicherung abzuschließen? Welche Schäden sind versichert, welche nicht? Kommt die Hausratversicherung für bestimmte Schäden auf? Diesen Fragen geht die Redaktion des VerbraucherFenster Hessen im folgenden Beitrag nach.

Welche Versicherung für welche Instrumente?

Vorweg gesagt: falls sich Ihr Instrument bei Ihnen zu Hause befindet, ist es in den meisten Fällen über Ihre Hausratversicherung automatisch mitversichert. Doch Vorsicht: meistens sind dort nicht alle Schäden abgedeckt, beispielsweise wenn Ihnen Ihr Instrument aus Unachtsamkeit herunterfällt und beschädigt oder zerstört wird. Besonders wertvolle Instrumente, wie beispielsweise ein teurer Steinway-Flügel oder eine Stradivari, sind aufgrund des hohen Sachwertes nicht ohne Weiteres über die Hausratversicherung versichert oder versicherbar. Die versicherbaren Werte von Gegenständen oder auch Gefahrenausschlüsse erfahren Sie aus dem „Kleingedruckten“ Ihrer Versicherungspolice bzw. von Ihrer Versicherungsgesellschaft.

Zwar enthält die Hausratversicherung einen Baustein „Außenversicherung“, was bedeutet, dass auf Reisen das Instrument in gewissem Umfang beispielsweise gegen Raub oder Diebstahl aus dem Hotelzimmer mitversichert ist. Aber: dieser Schutz gilt zum einen zeitlich nicht unbegrenzt, zum anderen ersetzt die Außenversicherung lediglich Schäden in einer Höhe von bis zu 10% der Versicherungssumme einer gewöhnlichen Hausratpolice. Das kann im Falle der zitierten Stradivari deutlich zu niedrig sein. Im Zweifel schauen Sie auch diesbezüglich in den Versicherungsklauseln nach oder erkundigen sich bei Ihrem Versicherer.

Wer auf Nummer sicher gehen will oder wer mit seinem Instrument auch häufiger oder länger außer Haus unterwegs ist, schließt besser gleich eine Musikinstrumentenversicherung ab. Diese bietet einen umfassenden Schutz, so auch gegen Herunterfallen, Liegenlassen, Veruntreuung oder Vandalismus. Außerdem sind mit der Musikinstrumentenversicherung meist auch zum Musizieren benötigte Ausrüstungsgegenstände wie Verstärker, Lautsprecher, Mikrofone, Kabel etc. weltweit im Konzertsaal, in der Garderobe, im Auto, Zug oder Flugzeug und – je nach Vertragsgestaltung - sogar im Proberaum gegen Schäden versicherbar, die eine Hausratversicherung üblicherweise nicht abdeckt.

Unterschiede in der Vertragsgestaltung und im Leistungsumfang

Einige Versicherungsgesellschaften schließen jedoch bestimmte Gefahren aus, wie beispielsweise den Transport und die Aufbewahrung des Instrumentes über Nacht im Auto oder „grobe Fahrlässigkeit“. Wer also häufiger mit seinem Equipment auf Reisen ist und es nachts im Auto transportiert oder liegen lassen muss, sollte genau hinschauen und sich womöglich für eine Versicherung entscheiden, die einen Versicherungsschutz „rund um die Uhr“ bietet. Einige Versicherer leisten Schadenersatz auch in Fällen grober Fahrlässigkeit, allerdings meist nur bis zu einem gewissen Betrag. Der normale Verschleiß hingegen ist in aller Regel vom Versicherungsschutz ebenso ausgeschlossen wie vorsätzliche Beschädigung oder Kriegsereignisse.

Unterschiede in der Vertragsgestaltung bestehen zunächst darin, Instrumente zum Neuwert oder zum Zeitwert zu versichern. Einige Versicherer bieten die Wahl zwischen Neu- und Zeitwertversicherung, andere haben nur Zeitwertpolicen im Angebot. Hier sollte man sorgfältig abwägen: eine Zeitwertversicherung kommt tendenziell für alle alten bzw. historischen Instrumenten infrage, deren Neuwert meist nicht mehr zu ermitteln ist. Sie ist auch sinnvoll für Instrumente, deren Wert im Laufe der Zeit erwartungsgemäß weitgehend stabil bleibt oder eher noch steigt (Beispiele: die bereits zitierte Stradivari oder eine E-Gitarre eines berühmten Künstlers).

Eine Neuwertversicherung hingegen empfiehlt sich meistens bei allen Instrumenten, die über die Zeit vermutlich an Wert verlieren. Das sind in der Regel eher preiswertere Instrumente oder gewöhnliche Massenware. Häufig hat man die Wahl zwischen einer Versicherung mit oder ohne Selbstbeteiligung. Pauschal lässt sich die Frage, welche Versicherung die richtige ist, nicht beantworten, da jeder Fall ein wenig anders liegt. Daher sollte man vor Vertragsabschluss den Beratungsservice der Versicherungsgesellschaften in Anspruch nehmen. Auch spezielle Bedürfnisse können dabei berücksichtigt werden.

Folgeschäden absichern!

Wenn ein Instrument zu Schaden kommt, ist das schon schlimm genug. Möglicherweise passiert der Diebstahl oder das Missgeschick ausgerechnet vor einem Konzert oder einer wichtigen Probe. Insbesondere für Berufsmusiker ist es wichtig - und sollte vor Abschluss einer Police von diesem Personenkreis bedacht werden! - dass die Versicherung die Kosten für ein Leihinstrument übernimmt, und zwar so lange, bis adäquater Ersatz beschafft oder das Instrument repariert werden kann. Auch bieten einige Versicherer die Kostenübernahme für die Wiedererlangung von Wertnachweisen oder Zertifikaten an, falls diese abhandenkommen oder durch ein Ereignis zerstört werden sollten.

Worauf man bei der Wahl des Versicherers noch achten sollte

Wichtig sind vor allem für Berufsmusiker die Bearbeitungszeiten im Schadensfall. In dem Zusammenhang ist auch die Erreichbarkeit der Ansprechpartner von Bedeutung. Und nicht zu vernachlässigen ist auch die Schnelligkeit der Deckungszusage: schließlich soll der Versicherungsschutz möglichst schnell nach Einreichung des Antrags gewährleistet sein.

Einige Versicherer bieten Sonderkonditionen für Orchester, Ensembles, Musiklehrer, Studenten und andere Zielgruppen an. Hier lohnt ein Vergleich der Prämien, wenn man sich zu einer dieser Gruppen zählt. Gegebenenfalls können auch in bestimmten Fällen so genannte Kurzzeitversicherungen, beispielsweise für Tourneen oder Transporte, interessant sein. Und schließlich sind die Kündigungsfristen in die Überlegungen einzubeziehen, wenn man sich für den Abschluss einer Instrumentenversicherung entscheidet.

Wenn es etwas Besonderes sein soll

Angenommen, Sie spielen in einer Hobbyband und lagern Ihr gesamtes Equipment im Proberaum. Dann empfiehlt sich eine so genannte Bandversicherung oder Proberaumversicherung. Diese bieten teilweise deutlich erweiterten Versicherungsumfang im Vergleich zu einfachen Instrumentenversicherungen. Gleiches gilt auch für Tonstudio-Versicherungen. Diese ersetzen zum Beispiel auch Schäden an der Elektronik, Ton- und sogar Lichttechnik durch Überspannung (Blitzschlag), Sabotage, Bedienungsfehler und vieles mehr. Nähere Einzelheiten sind bei den Versicherungsunternehmen zu erfragen.

Stand: Januar 2017