Sinn und Unsinn von Zusatzversicherungen

Die neue Brille, der Aufenthalt im Krankenhaus, Leistungen beim Heilpraktiker oder der neue Zahnersatz – private Krankenzusatzversicherungen übernehmen die Kosten hierfür. Doch wie sinnvoll sind diese Versicherungen wirklich? Wie findet man das passende Angebot? Worauf sollte man bei Vertragsschluss achten?

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Akupunkturnadeln im Arm

Das passende Angebot auswählen

Private Krankenzusatzversicherungen sind hoch im Kurs. Viele Kassenpatienten sichern sich zusätzlich ab. Von den zahlreichen Verträgen, die angeboten werden, erscheinen insbesondere solche attraktiv, die eine oder mehrere der nachstehenden Leistungen bieten:

  • Zuschüsse zu Brille und Zahnersatz, Leistungen der Heilpraktiker – oft auch in einem Paket
  • Zahnzusatzversicherung
  • Privatpatientenstatus im Krankenhaus

Mit dem Abschluss einer Zusatzversicherung kann ein Teil der entstehenden Mehrkosten abgesichert werden. Ob sich der Abschluss lohnt, hängt sowohl vom Preis-Leistungsverhältnis als auch von der gesundheitlichen Situation und vom Alter des Versicherten ab. Die Preisspanne ist wegen der großen Leistungsunterschiede erheblich. Gesunde Menschen im Alter von 55 Jahren zahlen zum Beispiel zwischen 3 und 116 Euro im Monat.

Deshalb muss jeder abwägen, ob sich eine solche Versicherung lohnt. In der Regel behält man diese das gesamte Leben lang. Die Beiträge können jedoch regelmäßig steigen.

Zudem sichert man mit diesen Zusatzversicherungen Risiken ab, die im Einzelfall nicht existenziell sind. Die Absicherung existenzieller Risiken hat in jedem Fall Priorität. Wichtiger als eine Zusatzversicherung sind daher die private Haftpflichtversicherung, die Berufsunfähigkeitsversicherung und für Menschen, die viel reisen, die Auslandsreisekrankenversicherung.

Mehrere Leistungen in einem Paket?

Gesetzliche Krankenkassen kooperieren häufig mit privaten Versicherungen und bieten ihren Mitgliedern Verträge außerhalb der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht an. Die Versicherungen werben mit besonderen Vorteilen für die Mitglieder der kooperierenden Krankenkasse. Paketangebote enthalten gleich mehrere Leistungen nebeneinander, die Versorgungslücken bei den gesetzlichen Krankenkassen ausgleichen sollen.

Neben Kostenerstattung für Brille und Kontaktlinsen gibt es Beteiligungen an den Zahnarztkosten oder an den Kosten des Heilpraktikers, Versicherungsschutz auf Reisen und einiges mehr. Die Fülle der Angebote ist groß. Ebenso groß sind die Unterschiede beim Leistungsspektrum und beim Preis.

Die wesentlichen Leistungen im Einzelnen:

  • Zuschüsse zu Brillen und Kontaktlinsen, meist als Festbeträge für bestimmte Zeiträume, zum Beispiel einen Zuschuss von 200 Euro alle zwei Jahre
  • Zuschüsse zu Heilpraktikerkosten, meist bis zu einem bestimmten jährlichen Höchstbetrag, zum Beispiel 80% der Kosten, maximal 750 Euro
  • Zahnersatz zu festgelegten Sätzen, zum Beispiel 30% der erstattungsfähigen Kosten
  • Versicherungsschutz auf Reisen

Bei den Paketangeboten kommt es darauf an, ob man die einzelnen Leistungen auch tatsächlich in Anspruch nehmen wird. Leistungen, die man absehbar nicht braucht, sollte man auch nicht absichern. Zuschüsse zu Brillen oder Leistungen beim Heilpraktiker können jedoch oft nur im Paket mit anderen Leistungen versichert werden.

Eine Krankenversicherung für Reisen ins Ausland ist grundsätzlich sinnvoll. Viele Menschen besitzen jedoch bereits eine solche Absicherung. Meist ist es günstiger, Risiken gezielt einzeln zu versichern als im Rahmen eines Gesamtpakets.

Das Kleingedruckte beachten

Ganz wichtig ist, die jeweiligen Tarifbedingungen zu lesen und Angebote zu vergleichen. Das Angebot des Partners der eigenen Krankenkasse ist nicht zwangsläufig das Beste. Die finanziellen Vorteile sind gegenüber anderen Anbietern oft nur gering. Dieser Preisvorteil geht verloren, wenn man die Krankenkasse wechselt. Von Vorteil kann es sein, wenn für Kassenmitglieder eine vereinfachte Gesundheitsprüfung gilt.

Ist im Vertrag geregelt, dass die Zuzahlungen zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse (im Krankenhaus, zu Arzneimitteln u. a.) anteilig übernommen werden, rechnet sich das in der Regel nicht.

Entscheidend ist, was die Versicherung im Einzelfall leistet. Werden zum Beispiel 200 Euro für eine neue Brille im Zeitraum von zwei Jahren erstattet und kostet diese Versicherung 8 Euro monatlich, stehen gesicherten Ausgaben von insgesamt 192 Euro einer möglichen Erstattung von 200 Euro gegenüber. Es lohnt sich also genau nachzurechnen!

Tipp:  Es kann insgesamt günstiger sein, die Kosten für eine Brille oder die Zuzahlung im Krankenhaus aus eigener Tasche zu zahlen.

Für diejenigen, die häufig Leistungen von Heilpraktikern in Anspruch nehmen, kann eine Zusatzversicherung sinnvoll sein. Doch die Versicherungen zahlen nicht jede Behandlung durch den Heilpraktiker. Die Tarife nehmen Bezug auf das Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker oder das Hufeland-Verzeichnis. Nur für die Leistungen, die dort aufgelistet sind, wird auch gezahlt.

Die Rechnungen werden meist nicht komplett übernommen. Manche Verträge sehen vor, dass die Kosten zu 50 % übernommen werden. Andere leisten zu 100 %. Oft gibt es jährliche Obergrenzen. Die Spanne der möglichen Zuzahlungen reicht von 100 Euro pro Jahr bis zu 2.500 Euro pro Jahr. Tarife ohne Summengrenzen sind die Ausnahme. Je mehr Leistungen ein Vertrag vorsieht, umso höher ist der Preis.

Die Leistungen für Zahnersatz sind bei den Paketangeboten meist geringer, als wenn die Zahnzusatzversicherung separat abgeschlossen wird. Bei zahlreichen Tarifen übernimmt die Versicherung 20 bis 50 % der Gesamtkosten. Wer hier einen großen Leistungsumfang wünscht, sollte eine reine Zahnzusatzversicherung wählen.

Wichtig: Vorsicht ist geboten, wenn sich die Leistung auf den Festzuschuss der Kasse bezieht. 100 oder 50 % vom Festzuschuss klingt zwar eindrucksvoll, umfasst tatsächlich aber nur geringe Leistungen, denn der Festzuschuss macht nur einen verhältnismäßig kleinen Anteil der Gesamtkosten aus. Einige Versicherungen  zahlen für Implantate oder Verblendungen an den Seitenzähnen nichts.

Weitere Informationen

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Patientenberatung unter 09001 97 20 13, montags 10 bis 14 Uhr. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Servicetelefon / Auskunft: (069) 97 20 10 - 900, Mo bis Do 10 - 16 Uhr, Fr 10 - 15 Uhr.
  • Homepage: www.verbraucherzentrale-hessen.de 


Verbraucherzentrale Hessen e. V., Große Friedberger Straße 13-17, 60313 Frankfurt am Main,

Stand: Februar 2018