Krankenhaus-Zusatzversicherungen

Berichte über Behandlungsfehler bei Operationen oder die Aussicht, einen Klinikaufenthalt im Vier-Bett-Zimmer verbringen zu müssen, sind gute Gründe, warum Kassenpatienten eine Krankenhaus-Zusatzversicherung abschließen. Doch zwingend notwendig ist eine solche Versicherung nicht. Sie kann im Einzelfall aber vorteilhaft sein. Diejenigen, die relevante Vorerkrankungen haben, erhalten unter Umständen keinen Vertrag.

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Hundert-Euro-Scheine auf einem Stethoskop

Welche Leistungen sind versichert?

Eine Zusatzversicherung fürs Krankenhaus beinhaltet die Übernahme der Kosten für den Aufenthalt im Ein- oder Zweibettzimmer und die Behandlung durch den Chefarzt.

Soweit der Tarif es vorsieht, zahlt die Versicherung auch dann, wenn man ein teureres Krankenhaus wählt, als die ärztliche Einweisung vorsieht. Kassenpatienten können sich das Krankenhaus, in dem sie behandelt werden wollen, nicht frei auswählen. Sie sind an die Einweisung ihres Arztes in die nächstgelegene, geeignete Klinik gebunden. Wollen sie ein anderes Krankenhaus wählen, müssen sie eventuelle Mehrkosten (Fahrtkosten, evtl. höherer Tagessatz) selbst zahlen. Das System der Fallpauschalen sorgt jedoch dafür, dass die stationären Kosten meist identisch sind. Eventuelle Mehrkosten übernimmt ein so genannter Restkostentarif der Zusatzversicherung. Die Versorgung in Privatkliniken ist nur versichert, wenn der Tarif dies vorsieht.

Preise vergleichen

Die Preise für Krankenhauszusatzversicherungen sind langfristig betrachtet relativ hoch. Für eine Absicherung des Einbettzimmers und der Chefarztbehandlung zahlt zum Beispiel ein 43-jähriger Kunde einen Monatsbeitrag zwischen 34 und 158 Euro. Die Police fürs Zweibett-Zimmer ist für 33 bis 137 Euro monatlich zu haben. Bei günstigeren Tarifen werden bei der Krankenversicherung in der Regel keine personengebundenen Rücklagen für das Alter gebildet (so genannte Risikotarife). Solche Tarife werden voraussichtlich im Alter teurer sein als Tarife, bei denen entsprechende Rücklagen akkumuliert werden.

Lohnt sich eine solche Versicherung?

Wer im Krankenhaus ein Ein- oder Zweibettzimmer und die Chefarztbehandlung in Anspruch nehmen möchte, kann eine Zusatzversicherung abschließen. Ob dies Vorteile gegenüber der Behandlung von Kassenpatienten bedeutet, ist umstritten. Wer bereits Erkrankungen hat, wird Risikoaufschläge zahlen müssen. Ist der Versicherung das Risiko zu hoch, lehnt sie den Vertragsabschluss ab. Die Beiträge einer Krankenhauszusatzversicherung bleiben nicht stabil. Man muss mit regelmäßigen Erhöhungen rechnen.

Kassenpatienten haben nur bei besonderen Umständen einen Anspruch, im Ein- oder Zweibettzimmer untergebracht zu werden. Besteht ein medizinischer Grund, zum Beispiel ein besonders hoher Bedarf an Ruhe, werden auch Kassenpatienten in einem Einbettzimmer untergebracht. Kassenpatienten werden in der Regel vom diensthabenden Arzt behandelt. Der Chefarzt wird nur hinzugezogen, wenn sein Fachwissen erforderlich ist.

Häufig ist es in Krankenhäusern auch möglich, das Ein- oder Zweibettzimmer selbst zu zahlen. Die Chefarztbehandlung hingegen kostet oft mehrere tausend Euro. Auch die weiteren behandelnden Ärzte (Anästhesist u. a.) rechnen dann privat ab. Hier lohnt es sich in der Regel nicht, die Kosten selbst zu tragen.

Tipp: Wichtig ist, dass der Tarif Arztkosten bis zum Höchstsatz der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), dem 3,5-fachen Satz und nicht nur bis zum Regelhöchstsatz von 2,3-fach übernimmt. Die Versicherung sollte zudem auch bei ambulanten Operationen leisten.

Wählen Sie einen Tarif, bei dem das Unternehmen darauf verzichtet, in den ersten drei Versicherungsjahren kündigen zu können.

Die besten Angebote finden

Um ein gutes Angebot zu finden, sollte man mehrere Angebote vergleichen und sich einen Überblick über die jeweiligen Leistungen und Tarife verschaffen. Dabei können folgende Informationsquellen nützlich sein:

  • Verbraucherzeitschriften, wie die Zeitschrift „Finanztest“, analysieren regelmäßig Angebote von Versicherungsunternehmen. Die Artikel können im Internet herunter geladen werden. Sämtliche Hefte liegen auch in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Hessen aus.
     
  • Anbieterunabhängige Beratung – insbesondere bei der Verbraucherzentrale Hessen. Dort werden unter Zuhilfenahme einer ständig aktualisierten Software sämtliche am Markt vorhandenen Angebote analysiert und verglichen. Bei der Vermittlung direkt über Versicherungsunternehmen oder über Makler ist nicht auszuschließen, dass diese nur die Versicherungsunternehmen anbieten, die ihnen Vermittlungsprovision zahlen.

Wer einen Vertrag über eine private Zusatzversicherung abschließen möchte, sollte darauf achten, dass seine Angaben zur gesundheitlichen Situation vollständig und richtig gemacht werden. Andernfalls besteht das Risiko, dass die Versicherung den Vertrag rückwirkend aufkündigt.

Weitere Informationen

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Patientenberatung unter 09001 97 20 13, montags 10 bis 14 Uhr. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Verbraucherservice: (069) 97 20 10 - 900, Mo bis Do 10 - 16 Uhr, Fr 10 - 15 Uhr.
  • Homepage: www.verbraucherzentrale-hessen.de 


Verbraucherzentrale Hessen e. V., Große Friedberger Straße 13-17, 60313 Frankfurt am Main

Stand: März 2019