Gesetzlich oder privat: Worauf es beim Wechsel in die private Krankenversicherung ankommt

Angesichts hoher Beiträge ihrer Krankenkasse fragen sich viele, insbesondere gut verdienende Angestellte, Selbstständige und Beamte, ob sie sich nicht besser privat versichern sollen. Doch der Wechsel will gut überlegt sein, denn die Beiträge in der privaten Krankenversicherung (PKV) steigen regelmäßig an. Zudem sind die Leistungen der PKV recht unterschiedlich – je nach Tarif.

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Wer kann sich privat versichern?

Angestellte, die für ein Jahr ein Gehalt bezogen haben, das über der Versicherungspflichtgrenze liegt (2019: 60.750 €) und auch zukünftig entsprechend viel verdienen, können in die PKV wechseln. Zudem können sich Selbstständige und Beamte privat versichern.

Vor- und Nachteile der privaten Krankenversicherung

Die Entscheidung für oder gegen eine private Versicherung sollte man gut überlegen. In der Regel ist es eine Wahl für das gesamte Leben. Zurück in die gesetzliche Krankenkasse kann man nur im Ausnahmefall. Insbesondere die eigene Lebensplanung, das Alter und der Gesundheitszustand spielen bei der Entscheidung eine wichtige Rolle.

Privatversicherungen leisten in einzelnen Bereichen mehr als die gesetzlichen Kassen. Im Krankenhaus kann die Behandlung durch den Chefarzt und das Ein- oder Zwei-Bett-Zimmer versichert werden. Die Leistungen bei Zahnersatz sind umfangreicher. Häufig werden 70 bis 80 Prozent der Kosten für Kronen, Implantate und Ähnliches übernommen. Erstattet werden auch Medikamente, die von der gesetzlichen Krankenkasse nicht bezahlt werden, etwa frei verkäufliche Präparate. Zudem ist das Spektrum von Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, die zum Einsatz kommen können, breiter. Der Leistungsumfang ist aber stets abhängig von den einzelnen Regelungen im Tarif. Zahlreiche Tarife sehen Einschränkungen vor.

Die Beiträge in der privaten Versicherung steigen regelmäßig beträchtlich an. Dies liegt an steigenden Gesundheitsausgaben und zunehmender Lebenswartung der Versicherten. Die Zeitschrift „Finanztest“ errechnete im Jahr 2014, dass sich der Beitrag in der PKV bis zur Rente schätzungsweise verdreifacht. Dabei wurde davon ausgegangen, dass man mit Mitte 30 einen Vertrag abschließt (Finanztest 05/2014, Seite 64). Die Höhe des Einkommens spielt für die Beitragshöhe in der privaten Versicherung keine Rolle. Begrenzt in der Höhe ist lediglich der Basistarif der PKV. Hier darf der Beitrag nie über dem jeweiligen Höchstbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung liegen (2019: 703,31 € pro Monat, zuzüglich Pflegepflichtversicherung). Das Leistungsniveau im Basistarif der PKV entspricht dem der GKV. In die private Krankenversicherung sollte daher nur wechseln, wer sicher weiß, dass er die steigenden Beiträge bis ins hohe Alter aufbringen kann. Man sollte die Ersparnisse, die aus geringeren Beiträgen gegenüber der gesetzlichen Versicherung in jüngeren Jahren herrühren, zurücklegen, um daraus die höheren Beiträge im Alter zu finanzieren.

Familien müssen in der privaten Krankenversicherung jede Person einzeln versichern: Eine Familienversicherung mit kostenloser Absicherung von Kindern oder Ehegatten gibt es nicht.

Wer 55 Jahre oder älter ist, kann – bis auf wenige Ausnahmen – nicht mehr in die gesetzliche Krankenversicherung zurück.

Worauf sollte man beim Abschluss achten?

Hilfreich bei der Auswahl von Versicherungsunternehmen sind Ergebnisse der Stiftung Warentest oder der Zeitschrift ÖKO-Test sowie Ratingbewertungen. Verbraucher können bei positiv bewerteten Versicherungen zunächst Angebote einfordern.

Vor der Entscheidung für ein Versicherungsunternehmen sollte man die Tarifbedingungen genau prüfen. Darin ist der Leistungsumfang im Einzelnen definiert.

  • Man sollte keinen Tarif mit abgespeckten Leistungen wählen. Hierzu gehören Erstattungssätze bei Arztrechnungen von bis zum 2,3-Fachen. Ärzte dürfen bis zu einem Satz von 3,5 abrechnen. Im Krankenhaus besteht nur Privatpatientenstatus, wenn auch die Chefarztbehandlung versichert ist. Psychotherapieleistungen sollten nicht ausgeschlossen werden.
  • Wer bereits zu Vertragsbeginn ein geringes Leistungsniveau vereinbart, wird es in einem höheren Lebensalter schwer haben, bessere Leistungen zu einem angemessen Beitrag zu bekommen.

Insbesondere Selbständigen werden immer wieder Magertarife angeboten. Davor kann nur eindringlich gewarnt werden. Die niedrigen Beiträge erscheinen zunächst attraktiv. Man muss jedoch mit sehr stark steigenden Kosten für die Versicherung rechnen. Darüber hinaus sind wichtige Leistungen häufig eingeschränkt oder ausgeschlossen. Auch die Chefarztbehandlung im Krankenhaus ist häufig nicht enthalten.

Versicherungen sind im Vorfeld verpflichtet, ihren Kunden eine Übersicht der letzten zehn Jahre über die Beitragsentwicklung des angebotenen Tarifs vorzulegen. Man sollte diese Zahlen immer von der Versicherung verlangen.

Ganz wichtig ist, Fragen nach dem Gesundheitszustand korrekt zu beantworten. Andernfalls riskiert man seinen Versicherungsschutz. Das Unternehmen kann vom Vertrag zurücktreten, wenn die Angaben lückenhaft oder falsch waren. Wer Krankheiten hat, sollte den Inhalt seiner Patientenakten bei den Ärzten in Erfahrung bringen. Die Angaben gegenüber der Versicherung müssen damit übereinstimmen. Versicherungsunternehmen beurteilen bestehende Erkrankungen unterschiedlich. Daher sollten gleichzeitig mehrere Angebote eingeholt werden.

Für wen gilt Versicherungspflicht in der privaten Krankenversicherung?

Seit dem 1. Januar 2009 gilt auch in der privaten Krankenversicherung Versicherungspflicht. Wer nicht versichert ist, sich nicht gesetzlich versichern kann und zuletzt einen privaten Vertrag hatte, muss sich bei einem privaten Unternehmen absichern. Auch Beamte müssen neben der Beihilfe eine private Versicherung abschließen.

Wer sich später versichert als 2009, muss Prämienzuschläge entrichten. Für die ersten fünf Monate ist jeweils ein Monatsbeitrag zu zahlen, ab dem sechsten Monat jeweils ein Sechstel eines Monatsbeitrages. Wurde die Versicherung bis zum 31. Dezember 2013 beantragt, wurde kein Prämienzuschlag fällig. Lässt sich nicht feststellen, wie lange jemand ohne Versicherung war, wird von fünf Jahren Nichtversicherung ausgegangen. Der Zuschlag kann gestundet und in Raten gezahlt werden. Die Versicherer können Zinsen für geschuldete Beiträge verlangen.

Wechseln innerhalb der PKV

Seit 2009 können Kunden ihr Versicherungsunternehmen wechseln und dabei einen Teil der Alterungsrückstellungen übertragen. Alterungsrückstellungen sind Rücklagen der Versicherung, die langfristig gebildet werden, um großen Beitragssteigerungen im Alter entgegen zu wirken.

Wer privat versichert ist, sollte prüfen, ob ein Wechsel zu einem anderen Unternehmen Beitragsvorteile verspricht. Viele Kunden sind verärgert über die Beitragsentwicklung ihrer PKV. Andere sind unzufrieden, weil ihr Unternehmen es häufig ablehnt, eingereichte Rechnungen zu zahlen. Bei einem Wechsel der Versicherung bleibt ein Teil der Rückstellungen jedoch beim alten Versicherer. Versicherungsmathematiker sprechen von etwa 50 Prozent Verlust der Alterungsrückstellungen.

Weitere Informationsquellen

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Patientenberatung unter 09001 97 20 13, montags 10 bis 14 Uhr. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Verbraucherservice: (069) 97 20 10 - 900, Mo bis Do 10 - 16 Uhr, Fr 10 - 15 Uhr.
  • Homepage: www.verbraucherzentrale-hessen.de 


Verbraucherzentrale Hessen e. V., Große Friedberger Straße 13-17, 60313 Frankfurt am Main

Stand: März 2019