Gesetzlich oder privat: Nicht jeder hat die Wahl

Die meisten Menschen in Deutschland sind zwingend Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung. Doch was bedeutet die Krankenversicherungspflicht im Einzelfall? Was kostet die Krankenversicherung? Und welche Leistungen erbringen die Kassen?

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Stempel mit Aufschrift Krankenkasse

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)

Der überwiegende Teil der Bevölkerung, etwa 90 Prozent, ist gesetzlich krankenversichert. Viele sind versicherungspflichtig. Das heißt, dass sie gar keine Wahl haben, sich also gesetzlich versichern müssen. Versicherungspflichtig in der GKV sind vor allem Angestellte, deren Einkommen die Versicherungspflichtgrenze nicht übersteigt (2018: 4.950 € monatlich bzw. 59.400 € Bruttoeinkommen pro Jahr). Auch wer Arbeitslosengeld I erhält, wird in der GKV versichert.

Diejenigen, die zur Zeit nicht krankenversichert sind und zuletzt gesetzlich krankenversichert waren, können sich gesetzlich versichern.

Wer kann sich freiwillig gesetzlich versichern?

Wer zunächst Pflichtversicherter war und dann ein Jahr lang über der Einkommensgrenze verdient, kann als freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben. Das gilt auch, wenn eine selbstständige Tätigkeit aufgenommen wird. Auch wenn keine Familienversicherung mehr möglich ist, kann man sich unmittelbar nach Wegfall dieser Möglichkeit freiwillig weiter versichern.

Die Pflicht, sich zu versichern und die Folgen

Seit dem 1. April 2007 besteht in Deutschland eine Pflicht für jeden, im Rahmen der GKV eine Krankenversicherung abzuschließen. Das hat Vor- und Nachteile:

So kann niemand seinen Versicherungsschutz verlieren, wenn er seine Beiträge nicht oder nicht rechtzeitig zahlt. Es besteht dann jedoch kein vollwertiger Leistungsanspruch. Die allgemeinen Leistungen ruhen. Man hat Anspruch auf Behandlung akuter Erkrankungen und Schmerzzuständen sowie bei Schwangerschaft und Mutterschaft.

Doch wer Beiträge nicht rechtzeitig zahlt, muss Säumniszuschläge zahlen. Die Kassen können die ausstehenden, fälligen Beiträge zudem im Wege der Zwangsvollstreckung direkt eintreiben.

Auch diejenigen, die am 1. April 2007 keine Krankenversicherung hatten und zuvor gesetzlich versichert waren oder dem gesetzlichen System zuzuordnen wären, wurden damals Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse – und zwar bei der Krankenkasse, bei der sie zuletzt versichert waren. Die Mitgliedschaft begann automatisch am 01. April 2007. Gleichzeitig begann die Pflicht, die Versicherungsbeiträge zu entrichten. Von denjenigen, die sich später meldeten, forderten die Krankenkassen Beiträge nach. Im Jahre 2013 gab es eine Ausnahmeregelung: Wer sich bis zum 31. Dezember 2013 bei seiner Kasse gemeldet hatte, musste für die Vergangenheit keine Beiträge nachentrichten. Wer diesen Zeitpunkt verstreichen ließ, musste wieder Beiträge für die zurückliegenden Jahre ab 01. April 2007 nachzahlen. Diese sind jedoch ermäßigt.Krankenkassen Beiträge nach. Im Jahre 2013 gab es eine Ausnahmeregelung: Wer sich bis zum 31. Dezember 2013 bei seiner Kasse gemeldet hatte, musste für die Vergangenheit keine Beiträge nachentrichten. Wer diesen Zeitpunkt verstreichen ließ, musste wieder Beiträge für die zurückliegenden Jahre ab 01. April 2007 nachzahlen. Diese sind jedoch ermäßigt.

Wie errechnet sich der Beitrag in der GKV?

Es gilt bei allen Krankenkassen ein einheitlicher Beitragssatz von 14,6 Prozent. Davon tragen Arbeitgeber und Versicherter je die Hälfte. Die Kassen verlangen zudem einen Zusatzbeitrag. Diesen zahlt jeder Versicherte allein. Die Krankenkassen können die Höhe des Zusatzbeitrags selbst festlegen. Der jeweilige Beitrag wird ausgehend von den Einkünften des Mitglieds errechnet. Auf der Internetseite des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (gkv-spitzenverband) können die aktuellen Zusatzbeiträge nachgelesen werden.

Erhebt oder erhöht die Kasse den Zusatzbeitrag, steht Mitgliedern ein Sonderkündigungsrecht zu. Die Kündigung kann bis zum Ablauf des Monats erklärt werden, für den der Zusatzbeitrag erstmals erhoben beziehungsweise erhöht wird. Nach dem Wechsel in eine neue Kasse sind Versicherte 18 Monate an diese Kasse gebunden, bevor sie erneut wechseln können. Erhöht eine Kasse, der man kürzlich beigetreten ist, ihre Beiträge, kann man auch vor Ablauf dieser 18 Monate kündigen.

Leistungen der GKV

Die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen sind zum größten Teil identisch. Etwa 95 % sind einheitlich durch gesetzliche Vorgaben geregelt. Jeder Versicherte hat Anspruch auf medizinisch notwendige Behandlungen in der Arztpraxis, beim Zahnarzt und im Krankenhaus. Auch wenn Krankengymnastik oder Hilfsmittel, wie zum Beispiel Krücken, benötigt werden, zahlt die Krankenkasse. Für Zahnersatz werden geringe Festzuschüsse gezahlt.

Erhebliche Unterschiede zwischen den Kassen bestehen beim Service (zum Beispiel Anzahl der Geschäftsstellen vor Ort) und hinsichtlich der freiwilligen Leistungen. Diese beinhalten zum Beispiel alternative Heilmethoden, Schulungsangebote bei bestimmten Erkrankungen, Wahltarife für Krankengeld oder Gewährung von Haushaltshilfe für Familien über die gesetzlich vorgesehene Zeitdauer hinaus.

Übrigens: im Vergleich mit vielen privaten Krankenversicherungen hat die GKV die Nase vorn bei Gewährung von Rehabilitation, Psychotherapie, Haushaltshilfen oder Kuren.

Weitere Informationen

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Patientenberatung unter 09001 97 20 13, montags 10 bis 14 Uhr. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Servicetelefon / Auskunft: (069) 97 20 10 - 900, Mo bis Do 10 - 16 Uhr, Fr 10 - 15 Uhr.
  • Homepage: www.verbraucherzentrale-hessen.de 


Verbraucherzentrale Hessen e. V., Große Friedberger Straße 13-17, 60313 Frankfurt am Main

Stand: Juni 2018