Diese Versicherungen braucht jeder

Wer seinen ersten Job anfängt, muss sich auch um den nötigen Versicherungsschutz kümmern. Doch welche Versicherungen benötigt man unbedingt und welche nicht? Klar ist: Versicherungen, die existentielle Risiken abdecken, sind unverzichtbar. Dennoch ist es bei der Vielzahl der Angebote schwer, die richtige Auswahl zu treffen.

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Strichmännchen geben sich die Hand

Krankenversicherung – ein absolutes Muss

Eine der wichtigsten Versicherungen ist die Krankenversicherung. Junge Menschen sind über die Eltern bis zum Alter von 25 Jahren in der gesetzlichen Kasse versichert. Zudem dürfen bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschritten werden. Wer mehr als 425 Euro im Monat verdient oder einen 450-Euro-Job hat, muss sich selbst krankenversichern. Das gilt auch für Auszubildende mit eigenen Einkommen.

Die Leistungen sind bei allen gesetzlichen Krankenkassen zu etwa 95 Prozent gesetzlich vorgeschrieben und daher gleich. Für die Beitragsberechnung gilt ein einheitlicher Satz von 14,6 % sowie ein Zusatzbeitrag, der durchschnittlich bei 1,1 % liegt. Dieser kann bei den einzelnen Kassen unterschiedlich hoch sein.

Es gibt Unterschiede bei einzelnen Leistungen, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen. Beispielsweise bieten Krankenkassen Programme für Menschen mit chronischen Erkrankungen an oder sie zahlen Boni, etwa für gesundheitsbewusstes Verhalten. Einzelne Kassen leisten in bestimmten Bereichen etwas mehr, zum Beispiel für homöopathische Behandlungen, Osteopathie oder professionelle Zahnreinigung. Weitere Unterschiede gibt es bei der Servicedichte und der Erreichbarkeit. Ein Vergleich lohnt sich also.

Private Krankenversicherung – will gut überlegt sein

Privat versichern kann sich, wer als Angestellter die Einkommensgrenze von 57.600 Euro brutto pro Jahr, bzw. 4.800 Euro monatlich (Versicherungspflichtgrenze für das Jahr 2017) überschreitet. Auch Selbstständige und Beamte können in die private Krankenversicherung.

Die private Krankenversicherung erscheint in jungen Jahren oft verlockend. Man zahlt geringere Beiträge verglichen mit der gesetzlichen Krankenkasse und es wird mit guten Leistungen geworben. Doch die Beiträge in der privaten Krankenversicherung bleiben nicht stabil. Sie steigen regelmäßig kräftig an, besonders im Alter. Man muss mit einer jährlichen Steigerung von 5-10 Prozent rechnen. Hinzu kommen Risikozuschläge für chronisch Kranke. Nur wer sich die hohen Beiträge im Alter leisten kann, sollte sich für die private Krankenversicherung entscheiden. In jedem Fall sollte Geld, das in jungen Jahren aufgrund des Beitragsvorteils gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse eingespart wird, zurückgelegt werden. Es muss im Alter für die höheren Beiträge zur Verfügung stehen, denn ein Zurück in die gesetzliche Krankenkasse ist nur möglich, wenn man arbeitslos wird oder das Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze liegt. Ab dem 55. Lebensjahr gibt es so gut wie keine Möglichkeit mehr, in die gesetzliche Krankenkasse zurückzukehren.

Die Entscheidung, ob man sich gesetzlich oder privat versichern will, hat also weit reichende Folgen. Sie sollte gut überlegt sein. Die Lebensplanung spielt dabei eine wichtige Rolle. Familien sind meist in der gesetzlichen Krankenkasse besser aufgehoben, weil  Kinder und nicht-verdienende Ehegatten kostenfrei versichert werden können. Für Beamte ist meist die private Krankenversicherung die richtige Wahl.

Auslands-Krankenversicherung – bei Reisen unverzichtbar

Wichtig für Reisen und andere Auslandsaufenthalte ist eine Auslands-Krankenversicherung. Findet die Reise innerhalb Europas statt, gibt es zwar Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen, die Kostenübernahme kann aber geringer ausfallen als die in Rechnung gestellten Kosten von Ärzten und Krankenhäusern vor Ort. Ein Reiserücktransport oder eine Privatrechnung vom Arzt werden nicht von der Kasse bezahlt. Eine Auslandskrankenversicherung sollte daher jeder abschließen. Die Policen sind recht preiswert zu haben. Es gibt Angebote ab 6,00 Euro pro Jahr.

Wichtig: Die Policen umfassen nicht die Übernahme von Kosten, die aufgrund  chronischer Erkrankungen oder einer Behinderung entstehen. Dies muss gesondert vereinbart werden.

Bei einem Vergleich von Angeboten sollte nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die unterschiedlichen Leistungen geschaut werden. Beispielsweise leisten Versicherungen unterschiedlich lange, wenn ein erkrankter Urlauber nicht wie geplant nach Hause reisen kann.

Tipp: Wer im Ausland erkrankt und eine Behandlung benötigt, die teuer wird, sollte sich von seiner Krankenversicherung per Fax bestätigen lassen, dass sie die Kosten übernimmt.

Private Haftpflichtversicherung – sollte jeder haben

Eine private Haftpflichtversicherung braucht jeder. Sie deckt Schäden ab, die aus Versehen bei einer anderen Person verursacht werden. Solche Schäden können schnell in die Hunderttausende gehen – gerade, wenn Personen verletzt werden oder besonders teure Gegenstände beschädigt oder zerstört werden.

Beispiele:

  • Herr M. stößt aus Versehen gegen den Glastisch seines Freundes und der Tisch zerbricht. Die Kosten für diesen Tisch von 200 Euro sind für Herrn M. noch tragbar. Viele denken bei der Haftpflicht nur an solcherart Schäden und Schadenshöhen.
     
  • Aber: Herr M. verursacht als Radfahrer einen schweren Unfall, durch den ein Beteiligter arbeitsunfähig wird. Die lebenslangen Folgekosten kann Herr M. nicht mehr vom laufenden Einkommen oder aus eigenem Vermögen bezahlen. Ohne eine Haftpflichtversicherung müssten Herr M. und der Geschädigte vermutlich mit dem Existenzminimum zu Recht kommen.

Haftpflichtpolicen sind nicht sehr teuer. Ehepartner und minderjährige Kinder können mitversichert werden. Der Schutz umfasst auch volljährige Kinder, solange sie sich in der Schul- oder Berufsausbildung befinden. Es gibt große Preis- und Leistungsunterschiede bei den Angeboten. Die Höchstsumme, bis zu der die Versicherung zahlt (Deckungssumme), darf nicht zu knapp angesetzt werden. In jedem Fall sollte eine Haftungssumme bis fünf Millionen Euro pauschal für Personen- und Sachschäden vereinbart werden. Besser ist, wenn die Deckungssumme unbegrenzt ist. Für Auslandsaufenthalte muss keine Extra-Versicherung abgeschlossen werden. Der Versicherungsschutz besteht auch im Ausland - und zwar weltweit.

Tipp: Für junge Singles bieten viele Versicherer spezielle Tarife an. Die Preise sind dann 20 bis 50 Prozent niedriger als bei Normaltarifen.

Weitere Informationen

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Verbraucherberatung unter 09001 97 20 10. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Servicetelefon / Auskunft: (069) 97 20 10 - 900, Mo bis Do 10 - 16 Uhr, Fr 10 - 15 Uhr.
  • Homepage: www.verbraucher.de 


Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e. V., Große Friedberger Straße 13-17, 60313 Frankfurt am Main

Stand: August 2017