Wenn die Bratwurst zum Zankapfel wird - Grillen auf dem Balkon

Die Grillsaison ist schon in vollem Gange und die spannenden Fußball-Abende stehen unmittelbar bevor. Gemeinschaftliches Grillen macht einfach Laune beim Feierabendbier. Gegrillt wird dabei nicht nur im Garten, sondern auch auf dem Balkon. Aber was tun, wenn es dem lieben Nachbarn nicht gefällt? Was erlaubt ist und was nicht, erfahren sie hier.

Qualmender Grill Cristian Ilie Ionescu Fotolia.com_.jpg

Verbrannte Würste auf einem qualmenden Grill

Balkonbesitzer können sich glücklich schätzen. Bei angenehmen Temperaturen kann man sich "auf Balkonien" fast wie im Urlaub fühlen. Doch hier ist längst nicht alles erlaubt, was Spaß macht. Ob man auf dem Balkon grillen darf, ist im Mietvertrag geregelt. Wenn das Grillen vertraglich untersagt ist, darf man weder mit Holzkohle noch mit dem Elektrogrill brutzeln. Vermieter und Nachbarn haben auch ein entscheidendes Wörtchen mitzureden, wie oft und wie lange man feiern darf.

Im Prinzip gehören Balkone und Terrassen mit zur gemieteten Wohnung. Deshalb haben Mieter hier die gleichen Rechte und Pflichten wie direkt in der Wohnung. Das bedeutet - nach Angaben des Deutschen Mieterbundes (DMB) -, dass Mieter auf dem Balkon Stühle, Bänke, Tische oder Sonnenschirme aufstellen können. Sie dürfen hier essen, trinken, rauchen oder feiern. Auch Freunde und Bekannte einzuladen, ist natürlich erlaubt. Allerdings muss man dabei immer auf die Nachbarn Rücksicht nehmen. 

Grillen auf dem Balkon: welche Vorschriften gibt es?

Auch Mietshausbewohner möchten im Sommer nicht auf´s Grillen verzichten. Wer aber auf dem Balkon den Holzkohlegrill anwirft, macht sich unbeliebt. Abgesehen von der dadurch gegebenen Brandgefahr für das Gebäude und der Gefahr für die Bewohner lässt es sich bei einem Holzkohlegrill nicht vermeiden, dass Rauch und Grilldünste direkt neben dem Balkonbereich auch in fremde Wohnungen durch geöffnete Fenster oder Balkontüren wabern. Dadurch sind andere Balkone unter Umständen nicht nutzbar und letztlich wird der Nachbar genötigt, alle Türen und Fenster geschlossen zu halten.  Das Gleiche gilt für einen Gasgrill auf dem Balkon - wenn auch ohne Rauchentwicklung - wegen der ebenfalls auftretenden Grilldämpfe.

Der Verband der hessischen Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer (Haus & Grund) räumt in diesem Zusammenhang mit einem falschen Gemeinplatz auf: "Der oft vorgebrachte angebliche Grundsatz, jeder dürfe einmal pro Woche grillen, stimmt nicht, weil er in einem Mehrfamilienhaus mit beispielsweise zehn Wohnungen dazu führen würde, dass im Haus täglich mehrmals gegrillt wird." "Auch in Reihenhausanlagen kann Grillen problematisch werden, wenn der Rauch zu dicht beieinanderliegenden Terrassen oder Gärten der Nachbarn hinüberziehen kann", ergänzt der Vertreter von Haus & Grund.

Es müssen Absprachen zwischen den Nachbarn getroffen werden, so dass diese ihre Zustimmung erklären. Das heißt aber letztlich nicht, dass von diesem Recht regelmäßig Gebrauch gemacht werden kann.

Grillverbot in Mietverträgen

  1. Ist im Mietvertrag ausdrücklich das Grillen auf Balkon oder Terrasse verboten, müssen sich Mieter daran halten. Wer das Grillverbot missachtet, riskiert eine Abmahnung oder sogar die Kündigung (LG Essen / Az. 10 S 438/01 ).
  2. Aber auch ohne entsprechende Regelung im Mietvertrag darf dann nicht gegrillt werden, wenn Rauch in Nachbarwohnungen zieht. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Grill auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten steht. Bei wesentlichen Beeinträchtigungen durch Ruß, Rauch oder dichten Qualm liegt eine Ordnungswidrigkeit vor, die mit einer Geldbuße geahndet werden kann.

Ein Grillverbot darf allerdings nicht nachträglich in einen schon bestehenden Mietvertrag aufgenommen werden.

Vor dem Angrillen sollte daher unbedingt ein Blick in den bestehenden Mietvertrag und die geltende Hausordnung geworfen werden, um Ärger mit dem Vermieter und den Mitbewohnern zu vermeiden.  

Viele Hausordnungen verbieten das Grillen auf dem Balkon oder auf der Terrasse. Auch in Gemeinschaftsordnungen von Wohneigentumsanlagen können entsprechende Verbote enthalten sein. Die Rechtsprechung hat Grillverbote gebilligt.

Was erlaubt ist und was nicht

Grundsätzlich gilt: Grillen ist erlaubt, aber nur, solange keiner sich beeinträchtigt fühlt. Eine hohe Rauchentwicklung ist deshalb verboten. Beachtet man dies nicht, kann sogar eine Geldbuße fällig werden.

Zu der Frage wie oft man grillen darf, gibt es keine einheitliche Regelung. Die Urteile der Gerichte zu diesem Thema gehen hier stark auseinander. Viele Aspekte, die beim Thema Nachbarschaftsstreitigkeiten und Grillen zum Tragen kommen, sind Ländersache. Daher sind die Urteile nicht bundesweit gültig, sie können jedoch bei der Orientierung helfen:

So entschied das Landgericht Aachen, dass höchstens 2-mal im Monat gegrillt werden dürfe (LG Aachen Az. 6 S 2/02 ), das Landgericht Stuttgart (LG Stuttgart Az. 10 T 359/96 ) lediglich 3-mal im Jahr. Das Landgericht München I stufte hingegen 16-maliges Grillen in den Monaten Mai bis Juni als zumutbar ein.

Das Landgericht Bonn hat ein Urteil gesprochen, wonach im Zeitraum von April bis September einmal im Monat gegrillt werden darf. Voraussetzung dafür ist, dass die Mitbewohner zwei Tage im Voraus darüber in Kenntnis gesetzt werden (AZ: 6 C 545/96 ).

Wer ohne Ärger mit den Nachbarn grillen will, steigt am besten auf einen Elektrogrill um. Da fehlt zwar das urige Grillgefühl, aber auch weitgehend die Rauch- und Geruchsbelästigung.

Was ist mit Hardcore-Grillern?

Rücksichtsloses Verhalten ist immer tabu. Wenn der Qualm konzentriert in die Wohn- oder Schlafräume der Nachbarn dringt, stellt dies einen Verstoß gegen das Landesimmissionsschutzgesetz dar. Dann kann das mit einem Bußgeld geahndet werden. 

Um einen langjährigen Nachbarschaftsstreit zu vermeiden, sollte Sie aber in jedem Fall zunächst lieber mit einem persönlichen Gespräch versuchen.

Lärm in Grenzen halten – Zeiten beachten

Hat die Grillfete angefangen, vergisst man oft die Zeit und die eigene Umgebung. Trotzdem gilt es auch da ein paar Regeln zu beachten:

Im Rahmen der örtlichen Lärmschutzverordnungen darf ein Mieter tagsüber auf seinem Balkon essen und trinken und sich in angemessener Lautstärke unterhalten. Partys dürfen auch gefeiert werden, solange dies nicht zur Regel wird und die Nachbarn sich nicht gestört fühlen.

Ab 22.00 Uhr ist Nachtruhe angesagt, das bedeutet, dass nach 22 Uhr - auch nicht in normaler Gesprächslautstärke auf dem Balkon nicht weitergefeiert werden darf. Die Feiergesellschaft darf dann nur noch ganz gedämpft reden oder sollte sich nach drinnen begeben. Bis 10 Uhr abends darf sich allerdings keiner über lebhafte Gespräche und Partylaune beschweren.

Quelle:  Deutscher Mieterbund e.V.

Tipps vom VerbraucherFenster:  

  • Gegrillt werden sollte mit möglichst großem Abstand zum Nachbarhaus oder zur Nachbarwohnung.
  • Qualmentwicklung lässt sich verhindern oder zumindest stark einschränken durch die Verwendung von Alufolien und Grillschalen bzw. durch das Grillen mit einem Elektrogrill mit Wasserschale, in die das Fett tropfen kann. 
  • Nachbarn sollten so früh wie möglich über eine geplante Grillparty informiert werden. Noch besser: Laden Sie Nachbarn ein, gemeinsam mit Ihnen zu feiern, denn wer mit feiert, fühlt sich selten gestört. Die Nachbarn, die nicht mehr erreicht werden, sollten 48 Stunden vorher (Rechtsprechung des AG Bonn, siehe oben) ebenfalls durch einen Aushang im Flur vorgewarnt werden. Dies ermöglicht es allen Betroffenen, die Fenster der Wohnungen rechtzeitig zu schließen.

Weitere Informationen

  • Das Hessische Ministerium der Justiz hält ebenfalls eine Broschüre zum Nachbarrecht bereit zum Bestellen oder zum Download:
    • Nachbarrecht. Neuauflage - enthält gesetzliche Neuregelungen von Dezember 2009. Erscheinungsdatum: 01.04.2010
    • Download (Broschüre Nachbarrecht 2009)
  • Die aktuellsten Nachbarrechtsgesetze als PDF zum Download (kostenpflichtig)

Stand: Januar 2017