Steuerzahler wieder aufgepasst!

Nach einem Urteil des Finanzgerichts Münster kann ein Orchestermusiker die Anschaffungskosten für einen schwarzen Anzug steuerlich nicht als Werbungskosten geltend machen. Hiernach sind die Anschaffungskosten für bürgerliche Kleidung regelmäßig vom Werbungskostenkatalog ausgeschlossen.

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Mann im schwarzen Anzug

Dies schreibt unser Redaktionsmitglied Ass.jur. Nikolai Schmich, LL.M. In seiner Kolumne „Ihr gutes Recht“ informiert er über aktuelle Gerichtsentscheidungen, die Auswirkungen auf die Verbraucher haben. Er beantwortet dabei die wichtigsten Fragen.

Worum geht es in der Entscheidung?

Hier wollte ein Orchestermusiker die Anschaffungskosten für zwei schwarze Hosen und ein schwarzes Sakko (insg. 550,-€) als Werbungskosten geltend machen. Der Musiker ist dienstvertraglich dazu verpflichtet, bei Konzerten „konzertante“ Kleidung zu tragen. Hierzu gehören schwarzes Sakko und schwarze Hose. Für diese Aufwendungen erhält  der Musiker von seinem Arbeitgeber ein lohnsteuerpflichtiges Kleidungsgeld.

Welche Positionen vertreten die beteiligten Parteien?

Der klagende Orchestermusiker ist der Ansicht, dass hier beruflich veranlasste Werbungskosten vorliegen, da  er schwarze Hosen und schwarzes Sakko ausschließlich zu beruflichen Zwecken,  nämlich zum dienstlich veranlassten Tragen bei Konzerten, angeschafft würden.
Das beklagte Finanzamt ist der Ansicht, dass auch ohnehin schwarze Hosen und ein schwarzes Sakko angeschafft würden, diese im Alltag gleichsam vonnöten wären und somit keine Abzugsfähigkeit als Werbungskosten gegeben ist.
Das streitentscheidende Finanzgericht Münster hat sich hier im Wesentlichen der Argumentation des Finanzamts angeschlossen.  Schwarze Hose und schwarzes Sakko könnten gleichsam im Alltag als „normale“ Kleidungsstücke verwendet werden. Hiernach ist die Anschaffung bürgerlicher Kleidung grundsätzlich vom Werbungskostenabzug ausgeschlossen.

Ist die Sache höchstrichterlich entschieden?

Nein, hier hat das Finanzgericht Münster in erster Instanz entschieden.

Wie wirkt sich die Entscheidung am Ende auf die Verbraucher aus?

Orchestermusiker – wie auch alle übrigen Verbraucher – können keine Anerkennung von Kosten für  bürgerliche Kleidung als Werbungskosten durch das Finanzamt erlangen.

Ist das Urteil gut?

Daumen nach unten. Zwar ist das Urteil konsequent. Für den Verbraucher wäre es jedoch wünschenswert eine leichtere Anerkennung von getätigten Aufwendungen als Werbungskosten zu erlangen.

Wo ist das Urteil zu finden?

Das Urteil des Finanzgericht  Münster vom 13.07.2016 hat das Aktenzeichen AZ 8 K 3646/15 E.

Keine Revision zugelassen.

Stand: Juli 2016
 

Nikolai Schmich