Reisende aufgepasst: Eine Ratte ist kein Urlaubsmangel

Wenn sich einmal eine Ratte ins Hotelzimmer verirrt, ist dies zwar eklig, aber noch keine objektive Ungezieferplage. Denn Ratten sind keine unübliche Erscheinung in südlichen Urlaubsregionen, schreibt unser Redaktionsmitglied, Ass.iur. Nikolai Schmich, LL.M.. In seiner Kolumne „Ihr gutes Recht“ informiert er über aktuelle Gerichtsentscheidungen, die Auswirkungen auf die Verbraucher haben. Er beantwortet dabei die wichtigsten Fragen.

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Ratte springt über kleine Mauer

Worum geht es bei der Entscheidung?

Ein Familienvater hatte im September 2014 eine Reise nach Mallorca gebucht. Gleich am ersten Abend huschte eine Ratte durch die geöffnete Balkontür vom vor dem Hotelzimmer gelegenen Vordach hinein und rief bei den Reisenden Abscheu, Ekel und Entsetzen hervor. Die Sache landete vor Gericht. Das Urteil klärt nun, ob hier ein Reisemangel im Sinne des §651d BGB vorliegt.

Welche Positionen vertreten die beteiligten Parteien?

Der klagende Familienvater verlangt eine 50%-ige Reisepreisminderung wegen Reisemangels im Sinne des §651d BGB. Das beklagte Reiseunternehmen ist der Ansicht, dass gar kein Reisemangel vorliegt und beantragt folgerichtig Klageabweisung.

Wie wurde entschieden?

Das Amtsgericht Köln hat die Klage abgewiesen, da kein Reisemangel im Sinne des § 651d BGB vorliege. Es entspreche den klimatischen Bedingungen des warmen Spaniens, dass auch in sauberen Hotelanlagen Ratten (wenn auch nur einmalig) auftreten können.

Wie wirkt sich die Entscheidung am Ende für die Verbraucher aus?

Der Verbraucher muss seine Erwartungshaltung bei Urlaubsreisen den klimatischen Bedingungen des Urlaubslandes anpassen.

Ist das Urteil gut für die Verbraucher?

Daumen waagerecht. Das Urteil schafft aber zumindest Rechtsklarheit für Verbraucherinnen und Verbraucher. Ein Reisemangel im Sinne des § 651d BGB liegt demnach erst vor, wenn die tatsächliche Beschaffenheit der Reise für den Reisenden negativ von dem abweicht, was unter den klimatischen Bedingungen des Urlaubslandes normalerweise zu erwarten ist. Für einen Reisemangel muss stets eine objektive Beeinträchtigung gegeben sein.

Was können Verbraucher jetzt tun?

Verbraucher können sich nun mit den klimatischen und üblichen Bedingungen des Urlaubslandes vertraut machen, um beurteilen zu können, ob ihre Reise mängelbehaftet ist und sie zur Reisepreisminderung gem. § 651d BGB berechtigt sein könnten.

Wo ist das Urteil zu finden?

Das Urteil des AG Köln vom 07.09.15 hat das Aktenzeichen: 142 C 78/15

Keine Berufung eingelegt.

Stand: Februar 2016