Pkw- Besitzer aufgepasst!

Man hat nicht automatisch einen Schadensersatzanspruch gegen die Werkstatt bei Radlösung während der Fahrt. Der Pkw-Fahrer müsste den Montagefehler durch die Werkstatt beweisen, was in der Praxis schwierig sein dürfte. Dies schreibt unser Redaktionsmitglied, Ass. jur. Nikolai Schmich, LL.M. In seiner Kolumne „Ihr gutes Recht“ informiert er über aktuelle Gerichtsentscheidungen, die Auswirkungen auf die Verbraucher haben. Er beantwortet dabei die wichtigsten Fragen.

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Reifenwechsel beim Auto

Worum geht es bei der Entscheidung?

Dem Gericht lag der nun folgende Sachverhalt zur Entscheidung vor:
Ein Autokäufer (hier: Kläger) erstand von einem Gebrauchtwagenhändler (hier: Beklagter) einen gebrauchten Ford Ranger Wildtrack. Jener wurde ebenfalls mit der Montage von Winterreifen an vorgenanntem Fahrzeug beauftragt. Circa 2.900 km und drei Monate später löste sich aus heiterem Himmel das linke Vorderrad als der Kläger eine Landstraße befuhr. Ein VW Polo wurde beschädigt als das Rad in den Gegenverkehr rollte. Auch der Ford des Klägers wurde beschädigt. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von 13.500€. Personen kamen durch das Unfallereignis glücklicherweise nicht zu Schaden. Den Sachschaden in Höhe von 13.500€ will der klagende Autokäufer nun vom beklagten Gebrauchtwagenhändler ersetzt bekommen.

Welche Positionen vertreten die beteiligten Parteien?

Der Kläger ist der Ansicht, dass hier zweifelsfrei feststeht, dass sich das linke Vorderrad aufgrund der fehlerhaften Montage des Beklagten löste. Dies ergebe sich bereits aus einer lebensnahen Sachverhaltsauslegung. Es wäre ansonsten schlichtweg unmöglich, dass sich ein Vorderrad aus heiterem Himmel löst. Der Beklagte ist der Ansicht, dass sich aus Wahrscheinlichkeiten keine gerichtsfesten Beweise ableiten lassen.
Das Gericht hat sich hier im Ergebnis dem Beklagten angeschlossen. Jede Partei muss die für sie günstigen Umstände beweisen. Auch durch Zeugenvernehmungen und ein 4.000€ teures Sachverständigengutachten konnte der Kläger kein zweifelsfreies Verschulden des Beklagten nachweisen, weshalb das Gericht die Klage abweisen musste.

Ist die Sache höchstrichterlich entschieden?

Nein, hier hat das Landgericht Magdeburg in erster Instanz entschieden.

Wie wirkt sich die Entscheidung am Ende auf die Verbraucher aus?

Verbraucher können aus dieser Entscheidung lernen, dass sie vor Gericht immer an die Beweislastregeln gebunden sind. Bewiesen ist eine Tatsache vor Gericht erst dann, wenn das Gericht aufgrund eines Beweismittels zur Überzeugung des Zutreffens dieser Tatsache gelangt. Im Zivilprozess bestehen die fünf Beweismittel Sachverständiger, Augenschein, Parteivernehmung, Urkunde und Zeugenaussage.

Ist das Urteil gut?

Uneingeschränkt Daumen nach oben. Es stärkt die Privatautonomie, dient der Rechtssicherheit und Rechtsklarheit und klärt die Verbraucher über die Beweislastverteilung vor Gericht auf.

Wo ist das Urteil zu finden?

Das Urteil des Landgerichts Magdeburg vom 12.5.2016 hat das Aktenzeichen AZ 10 O 405/16.

Keine Berufung eingelegt.

Nikolai Schmich

Nikolai Schmich

Stand: Dezember 2016