Herbstlaub – des einen Freud‘, des anderen Leid

Alljährlich im Herbst fällt es unweigerlich: Das Laub von Bäumen und Sträuchern. Die zuvor farbige Pracht liegt nun am Boden und bedeutet reichlich Arbeit für Haus- und Grundbesitzer sowie für Mieter oder die oft mitbetroffenen Nachbarn. Aufgepasst: Durch nicht geräumtes Herbstlaub können Ärger und Kosten entstehen.

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Herbstlaub
Herbstlaub

Es ist schön, leuchtend bunt und erfreut Gartenbesitzer und Spaziergänger. Die Rede ist vom Herbstlaub. Sobald es Ende Oktober von den Bäumen und Sträuchern geweht wird, sorgt es aber kaum noch für Begeisterung. Unmengen von Laub fällt auf Straßen, Plätze, Gehwege. Dort wird es nicht selten zur Gefahr: Nämlich dann, wenn es regnet und das Laub feucht wird. Wenn Fußgänger auf glitschigem Herbstlaub ausrutschen und sich verletzen, kann das teuer werden. Doch wer muss sich darum kümmern? Und wohin mit dem vielen Laub? Was ist mit dem Laub vom Nachbarn, muss man das hinnehmen?

Wer kehren muss, und wer im Schadensfall für die Kosten aufkommt

Hausbesitzer

  • Hausbesitzer sind für die Sicherheit auf den Gehwegen verantwortlich, wenn die Gemeinde die Pflicht zum Kehren auf die Hausbesitzer übertragen hat. Bei Besitzern von selbst genutztem Eigentum tritt die Privathaftpflichtversicherung bei Schadenersatzforderungen von Fußgängern ein, die auf glitschigem Laub ausgerutscht sind.

Mehrfamilienhäuser oder vermietete Einfamilienhäuser

  • Bei Besitzern von Mietshäusern oder Mehrfamilienhäusern tritt zunächst deren Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht ein, wenn sich Fußgänger auf dem rutschigen Gehweg vor dem Haus verletzt haben.
  • Mieter können im Mietvertrag zum Fegen verpflichtet werden. Beseitigt der Mieter das Laub nicht ordnungsgemäß, kann im Schadensfall der Vermieter bzw. dessen Versicherung den Mieter schadenersatzpflichtig machen. Sofern vorhanden, kommt die Privathaftpflichtversicherung des Mieters für den Schaden auf.

Anlagen mit Eigentumswohnungen

  • Hier haben alle Wohnungseigentümer gemeinsam die Pflicht, für eine ordnungsgemäße Reinigung der Fußwege zu sorgen. Verunglückt ein Passant, dann kann er sich mit berechtigten Forderungen an die Eigentümergemeinschaft als Gesamtschuldner wenden. Möglich ist auch, dass der Verunglückte einen einzelnen  "ausgesuchten“ Eigentümer zur Rechenschaft zieht. Dieser haftet aber nur bis zu einem Betrag, dessen Höhe durch seinen Miteigentumsanteil definiert wird. Die Haftung der Eigentümer gilt übrigens auch, wenn die Eigentumswohnung vermietet wurde.

Wie oft soll gekehrt werden?

Generell gilt die Räumpflicht für Herbstlaub wochentags zwischen 7 bis 20 Uhr und am Wochenende zwischen 9 Uhr und 20 Uhr. Wenn sich Laub anhäuft, müssen Mieter oder Eigentümer den Besen öfter schwingen. Es ist aber nicht zumutbar, den Blätterwald den ganzen Tag über zu beseitigen.

Urteile zum Laub im Herbst (Quelle: Augsburger Allgemeine):

  • In der Früh um sieben Uhr müssen Bürgersteige noch nicht vom Laub befreit sein.
  • Das Laub vom Nachbarn muss hingenommen werden.
  • Man kann kein Geld für das Aufkehren von Nachbars Laub verlangen.
  • Grundstückseigentümer müssen die Gehwege nicht ständig von Laub reinigen.
  • Auch das Laub von Bäumen, die der Gemeinde gehören, muss auf Gehwegen vor dem Grundstück entfernt werden.
  • Verletzt man sich durch rutschige Blätter auf einem öffentlichen Weg, kann die jeweilige Gemeinde nicht in Haftung genommen werden.
  • Bei einem Sturz über ein Hindernis auf einer mit Laub bedeckten Straße besteht kein Anspruch auf Schmerzensgeld.

Achtung: Nicht jeder Unfall auf glitschigen Gehwegen und Straßen oder Radwegen hat automatisch Schadenersatzansprüche zur Folge. Fußgänger und auch Radfahrer sind gehalten, sich der jahreszeitlichen Situation angemessen zu verhalten. Das heißt, man sollte stets vorsichtig und nicht blindlings in eine Laubschicht hineinfahren oder gehen, denn es ist mit unsichtbaren Hindernissen, Vertiefungen oder Glätte zu rechnen. Gerichte prüfen im Streitfall daher eine eventuelle Mitschuld des Fußgängers oder des Radfahrers.

Wie das Laub beseitigen und wohin damit?

Rasenmäher statt Rechen

Den Rasen befreit man am einfachsten mit dem Rasenmäher vom Laub. Zusätzlicher Vorteil: Das Laub wird gehäckselt und mit dem Rasenschnitt vermischt - eine gute Basis für die spätere Kompostierung. Sogar auf dem Hof oder auch Gehwegen kann der Rasenmäher als "Laubsauger" dienen. Vorsicht: der Boden muss eben sein, damit der Mäher nicht mit dem Messer aufsetzt.

Auf Laubsauger möglichst verzichten

Laubsauger und -bläser können im Betrieb sehr laut werden. Sie dürfen daher in Wohngebieten wochentags nur zwischen 9 und 13 Uhr und zwischen 15 und 17 Uhr benutzt werden, an Sonn- und Feiertagen gar nicht.

Tödliche Falle: In den Laubsaugern ist häufig ein Häcksler integriert, der den sicheren Tod für Käfer, Spinnen, Regenwürmer und Amphibien bedeutet. Diese Tiere sind nützlich für das biologische Gleichgewicht im Garten, weil sie sich von Schädlingen ernähren.

Frostschutz

Bringen Sie eine Laubdecke auf Beeten oder unter Büschen auf. Aber nicht dicker als ca. zehn Zentimeter, sonst kann Fäulnis entstehen. Das Laub schützt die darunterliegenden Pflanzen vor strengem Frost. Efeu und andere immergrüne Bodendecker sollten jedoch grob von Laub befreit werden, da sie sonst zu wenig Luft, Licht und Feuchtigkeit abbekommen.

Wertvoller Kompost

Durch die Kompostierung werden die Nährstoffe im Laub wieder dem Boden zugeführt. Streut man auf dem Komposthaufen etwas Erde über das Laub, wird die Verrottung beschleunigt.

Nützlinge ansiedeln

In Gartenecken aufgeschüttete Laubhaufen dienen Igeln und anderen nützlichen Kleintieren als Unterschlupf. Dafür sollte der Blätterhaufen mit etwas Reisig aufgelockert werden.

Biotonne oder Recycling-Hof

Wer sein Laub nicht im Garten verwenden kann, sollte es in die Biotonne werfen oder zu einem der Recycling-Höfe bringen. Diese nehmen oft Herbstlaub und andere Grünabfälle aus dem Garten kostenlos an. Übrigens: Das Laub im Wald zu entsorgen ist verboten und kann bestraft werden.

Schlussbemerkung

Zu diesem komplexen Themengebiet kann hier nur begrenzt und ohne Gewähr auf Vollständigkeit und Richtigkeit der Informationen oder Aktualität der Rechtslage Stellung genommen werden. Vorrangiges Ziel dieses Beitrags ist, Sie für dieses Thema zu sensibilisieren und Ihnen weiterführende Informationsangebote und Adressen im Internet (siehe unter Links) bekannt zu machen. Bitte informieren Sie sich deshalb auch direkt bei den einschlägigen Behörden und Institutionen.

Stand: Juli 2017