Winterschlussverkauf – Lohnt sich die Schnäppchenjagd noch?

Alljährlich Ende Januar startet mit dem traditionellen Winterschlussverkauf der rund zwei Wochen dauernde Ausverkauf von Saisonartikeln sowie weiterer Waren wie Sport- und Elektroartikel und Haushaltswaren. Doch lohnt sich das Warten für Verbraucher angesichts der oft schon lange vor Weihnachten eingeläuteten „Sale“-Aktionen des Einzelhandels überhaupt? Sind die besten Schnäppchen nicht bereits weg? Und ist Schlussverkaufsware vom Umtausch wirklich ausgeschlossen?

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Winterschlussverkauf

Früher sehnlich erwartet, heute kaum noch ernst zu nehmen

Seit 2004 sind mit der Liberalisierung des Wettbewerbsrechts Schlussverkäufe weder zeitlich noch bezogen auf Saisonwaren reglementiert, so dass es auch für den Winterschlussverkauf keine festgelegten Zeiten und keine Einschränkung des Warenangebotes mehr gibt. Somit gäbe es eigentlich keinen Grund mehr, Saisonverkäufe durchzuführen.

Dennoch sind sie nach wie vor üblich und von Verbrauchern wird erwartet, dass man zu den gewohnten Schlussverkaufszeiten günstig einkaufen kann. Der Handel hat sich darauf eingestellt und bietet preisreduzierte Waren an. In einem milden Winter drücken zusätzlich volle Lager des Textil- und Schuhhandels auf die Preise, und Verbraucher können hier und da ein echtes Schnäppchen machen.

Andererseits ist oft schon während der so genannten „Sale“-Phasen vor und nach Weihnachten Schnäppchenzeit –  viele Produkte gehen dann bereits zu stark reduzierten Preisen über den Ladentisch. Die Preisreduzierungen des Schlussverkaufs werden daher vielfach als Augenwischerei bezeichnet, denn Rabatte von 30, 50 oder sogar 70 Prozent gibt es durchaus auch außerhalb der vormals offiziellen Schlussverkaufszeiten.

Augen auf beim Schlussverkauf

Nicht hinter jeder vollmundig angepriesenen Preisreduzierung steckt ein echtes Schnäppchen, denn womöglich wurden die dem Rabatt zugrunde gelegten Originalpreise in dieser Höhe zuvor nie verlangt. Wer auf „Nummer Sicher“ gehen will, beobachtet und vergleicht bereits einige Zeit vor dem Beginn des Schlussverkaufs die im Handel verlangten Preise. Und letztlich sollte man stets gut überlegen, ob man die reduzierten knallgrünen Schuhe oder das günstige buntkarierte Sakko tatsächlich braucht.

Kann ich im Schlussverkauf erstandene Ware zurückgeben oder umtauschen?

„Reduzierte Ware ist vom Umtausch ausgeschlossen“. Diese oder ähnliche Formulierungen sind oft auf großen Schildern in den Geschäften zu lesen. Aber ist das wirklich so? Grundsätzlich gilt: „Gekauft ist gekauft“, und anders als im Online-Handel (da greift das Fernabsatz-Recht) haben Verbraucher nicht das Recht, die im stationären Handel erstandene Ware innerhalb von 14 Tagen zurückzugeben oder umzutauschen. Allerdings gilt dies nicht für fehlerhafte oder mangelhafte Waren. Diese muss der Händler dann zurücknehmen, wenn die Ware nicht wegen des reklamierten Fehlers reduziert wurde.

Kauft man beispielsweise eine Hose, die wegen einer defekten Naht reduziert wurde, kann man sie nicht wegen dieses Fehlers reklamieren. Dieselbe Hose kann aber zurückgegeben werden, wenn ein anderer Mangel – beispielsweise ein defekter Reißverschluss – auftritt. Ein Anspruch auf Erstattung des Kaufpreises besteht hingegen nicht. Der Händler hat zunächst das Recht, dem Kunden Nachbesserung oder gleichwertigen Ersatz anzubieten. Schlägt die Reparatur zweimal fehl oder ist kein Ersatz lieferbar, kann die Ware zurückgegeben oder ein Preisnachlass verlangt werden.

Stand: Dezember 2019