Wie kommt der Diskusfisch ins Aquarium?

Jedes Jahr werden über den Frankfurter Flughafen mehr als 6.000 Sendungen mit rund 80 Millionen Fischen und anderen Wassertieren für Aquarienhaltung und Nahrungsmittelerzeugung (Aquakultur) transportiert. Die Einfuhrkontrolle bei der Ankunft ist wichtig für die Einhaltung des Tierschutzes und soll die Einschleppung von Tierkrankheiten verhindern.

Diskusfisch im Aquarium boedefeld1969 - Fotolia.com_.jpg

Diskusfisch im Aquarium

Transportbedingungen und -risiken

Durch den Flugverkehr ist es möglich, lebende Zierfische und andere Wassertiere weltweit zu handeln. Die Sendungen sind dabei so ausgelegt, dass die Tiere einen 48-stündigen Transport unbeschadet überstehen. Dazu werden sie doppelt in Plastiktüten verpackt, die zu einem Drittel mit Wasser und zu zwei Dritteln mit Sauerstoff gefüllt sind. Der künstliche Luftdruck im Flugzeug erfordert, dass die Tüten mit Fischen prall mit Luft gefüllt sein müssen. Die Transportzeit von Wassertieren wird im Übrigen hauptsächlich durch die Wasserverschmutzung aufgrund von Ausscheidungen der Tiere begrenzt. Da viele Fische wie der Diskusfisch empfindlich gegen Temperaturschwankungen sind, werden die Tüten in Styroporboxen verpackt. Andere Risiken bestehen darin, dass einige Fischarten wie der Rotfeuerfisch mit Stacheln bewehrt sind und mit diesen die Tüten beschädigen können.

Jede Sendung mit Wassertieren muss von einem Gesundheitszeugnis eines amtlichen Tierarztes im Herkunftsland begleitet sein. Damit wird die Seuchenfreiheit der Gewässersysteme, aus denen die Tiere stammen, bescheinigt und festgelegt, für welchen Verwendungszweck in der Europäischen Union diese Tiere geeignet oder bestimmt sind.

Viele Sendungen mit Wassertieren befinden sich meist nur drei Stunden am Frankfurter Flughafen. Sie stehen dann der Tierärztlichen Grenzkontrollstelle Hessen (TGSH) – einer Abteilung des Hessischen Landeslabors - in einem Zeitfenster von etwa 45 Minuten für die Einfuhruntersuchung zur Verfügung. Dabei werden stichprobenartig einzelne Tüten kontrolliert. Bei den Tieren wird darauf geachtet, ob sie leben und normales Verhalten zeigen. Es wird kontrolliert, ob die Tiere Verletzungen oder Hautveränderungen aufweisen. Art und Aussehen von Hautveränderungen können Indizien für eine anzeigepflichtige Fischseuche sein.

Aquarium oder Aquakultur?

Zierfische und andere Wassertiere stammen zum Teil aus Zuchten, andere sind Wildfänge aus Flüssen, Seen oder dem Meer. Die Tiere kommen hauptsächlich aus Südamerika, Südostasien und Westafrika. Bestimmt sind die Sendungen sowohl für Deutschland und andere Mitgliedstaaten der Europäischen Union als auch für Drittländer. Nur etwa die Hälfte der in der TGSH untersuchten Sendungen ist an Empfänger in Deutschland adressiert.

Zierfische, Weichtiere und Krebstiere sind meist für Aquarien bestimmt, Koi-Karpfen werden oft zum Einsetzen in Gartenteiche eingeführt. Bei einigen Sendungen handelt es sich um Fischeier, Muscheln oder Krebstiere, die in Zuchtstätten (Aquakultur) der Nahrungsmittelerzeugung dienen. Der Verwendungszweck definiert die Einfuhrbeschränkungen. So dürfen Fischeier, Muscheln oder Krebstiere für die Aquakultur nur aus bestimmten Ländern kommen. Zudem sind für diesen Verwendungszweck die Gesundheitsanforderungen an Wassertiere am höchsten. Aus vielen Ländern dürfen Fische nur als Zierfische für Aquarien in die Europäische Union eingeführt werden.

Eingeschleppte Tierseuchen bedrohen heimische Wassertiere

In europäischen Flüssen, Teichen und Küstengebieten werden Speisefische und Meeresfrüchte gezüchtet. Diese Zuchten, aber auch die einheimischen Wildbestände, werden durch eine Reihe von exotischen Krankheiten bedroht, die mit Lebend-Fisch-Importen und deren Transport-Wasser aus fernen Ländern eingeschleppt werden können:

  • Seefische, wie Hering und Sprotte, Kabeljau und Dorsch, Steinbutt und Flunder können an der Viralen Hämorrhagischen Septikämie (VHS) erkranken.
  • Das Koi-Herpes-Virus bedroht die karpfenartigen Fische in Flüssen, ebenso wie die Karpfenzucht in Teichwirtschaften. Es gilt als erwiesen, dass dieses Virus mit dem Wasser übertragen wird. Deshalb kann es sich schnell in Flusssystemen ausbreiten.
  • Austern- und Miesmuschel-Zuchten werden durch verschiedene einzellige Parasiten bedroht. Mit Importen aus fernen Ländern könnten die Krankheiten eingeschleppt werden und sich an Europas Küsten ausbreiten.
  • Bei Garnelen und Krebstieren sind es das Taura Syndrom und die „Yellow-Head-Krankheit“, deren Einschleppung verhindert werden soll um die erneute Ansiedelung des heimischen Flusskrebses in Flüssen nicht zu gefährden. Ein Ausbrechen dieser Krankheiten könnte solche Bemühungen zunichte machen.

Kontrolle für den Tier- und Naturschutz

Beim Umgang mit Wassertieren ist darauf zu achten, dass den Tieren unnötiger Stress wie Erschütterungen erspart wird. Die Transportkisten dürfen zudem nur sehr vorsichtig geöffnet werden, denn nach langem Transport in Dunkelheit kann plötzliches Licht die Fische so heftig erschrecken, dass sie sterben.

Werden bei der Einfuhruntersuchung Verpackungsmängel festgestellt, werden die Fische umgepackt und mit frischer Luft versorgt, bevor sie die Weiterreise antreten. Wird ein Mangel bei den Veterinärdokumenten festgestellt, sind die Tiere nicht einfuhrfähig und bleiben bis zu ihrem Rückflug unter Beobachtung der TGSH.

Von den Wassertieren stehen einige Arten unter Naturschutz, beispielsweise Korallen, Seepferdchen oder der Stör. Sie sind streng geschützt, um die natürlichen Korallenriffe vor Zerstörung zu bewahren beziehungsweise das Aussterben der Tiere zu verhindern. Der Handel mit Wildfängen wird streng überwacht. Unter Muscheln und Seeschnecken gibt es Arten, deren Einfuhr grundsätzlich verboten ist.

Quelle: Landesbetrieb Hessisches Landeslabor

Stand: Oktober 2018