Viel Luft und doppelte Böden – Mogelpackungen wohin man schaut

Ein ständiges Ärgernis für Verbraucher sind Mogelpackungen von Lebensmitteln und Kosmetika. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat Stichproben genommen und untersucht. Im Schnitt enthielten die Verpackungen 40 Prozent Luft.

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Tüte mit Kartoffelchips
Tüte mit Kartoffelchips

Die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) bemängelt in einer aktuellen Veröffentlichung, dass Verpackungen von Lebensmitteln und Kosmetika häufig überdimensioniert sind und zu viel Luft enthalten. Im Dezember 2016 wurden in Zusammenarbeit mit dem Eichamt Fellbach Stichproben mittels Röntgenaufnahmen untersucht. Ergebnis: Die geprüften Lebensmittelpackungen enthielten im Schnitt 40 Prozent Luft. Die kosmetischen Produkte waren häufig in Verpackungen mit doppelten Böden oder in dicken Tiegeln verpackt. Ärgerlich zudem: Der Verpackungsmüll belastet unnötig die Umwelt.

Verbraucher fühlen sich getäuscht

Große Verpackungen mit wenig Inhalt verärgern viele Verbraucher. Zwar werden in den Geschäften zu Vergleichszwecken die Warenpreise auch je Gewichtseinheit ausgewiesen. Doch die Kunden fühlen sich dennoch getäuscht, denn große Verpackungen gaukeln viel Inhalt vor. Schließlich kauft ja auch das Auge mit.

Hinzu kommt ein Trend, dass Hersteller im Laufe der Jahre die Verpackungsgrößen beibehalten, aber den Inhalt verringern. Die VZHH bringt es auf den Punkt: „Weniger drin, Preis gleich. Oder deutlicher: versteckte Preiserhöhung.“ Zwar existiert eine Verwaltungsvorschrift, der zufolge bei einer Reduzierung des Inhaltes auch eine verhältnismäßige Reduzierung der Fertigpackung verlangt wird. Aber die schwammig formulierten Regelungen machen es Verbrauchern schwer, gegen Verstöße vorzugehen. Deshalb gilt es, besonders genau auf die Mengenangaben zu schauen.

Gesetzliche Regelung fehlt

„Nicht jede übergroße Verpackung ist verboten. Eine echte Luftpackung ist es erst, wenn das Missverhältnis zwischen Inhalt und Umfang Verbrauchern ein besseres Preis-Leistungsverhältnis vortäuscht“, schreibt die VZHH. Zwar tolerierten die Eichämter in der Regel bis zu 30 Prozent Luftanteil, aber eindeutige und rechtlich verbindliche Vorgaben fehlten bislang. Zudem ließen viele der vorhandenen Richtlinien wie in der Fertigpackungsverordnung viele Ausnahmen zu und gäben einen großen Spielraum für Interpretationen. Die VZHH fordert daher konkrete gesetzliche Regelungen, „…die Anbietern vorschreiben, dass Packungen vollständig zu füllen sind und nur bei technisch begründeten Ausnahmen im Einzelfall davon abgewichen werden darf.“

Was können Verbraucher tun?

Die VZHH bietet Verbrauchern an, im Verdachtsfall ein Bild des gekauften Produktes per Email  einzusenden. Das Produkt wird von der VZHH dann eingekauft, bewertet und das Ergebnis veröffentlicht. Wer juristisch gegen den Hersteller eines mit zu viel Luft verpackten Produktes vorgehen will, sollte sich zwecks Überprüfung des Produktes an das jeweils zuständige Eichamt wenden. In begründeten Fällen kann das Eichamt entsprechende Verfahren einleiten.

Stand:August 2017