Verkaufsmasche: Das Rockefeller-Prinzip

Das Rockefeller-Prinzip ist eine Strategie, bei dem das Hauptprodukt zu einem extrem günstigen Preis angeboten wird, die benötigten Verbrauchsmaterialien jedoch überteuert auf den Markt gebracht werden. Welche Anschaffungen sollten Verbraucher sich gut überlegen?

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Geld in Mausefalle

Unter „Rockefeller-Prinzip“ wird eine durch J.D. Rockefeller (1839-1937) bekannt gewordene Masche verstanden. Er verkaufte oder verschenkte Öllampen, um das Öl für die Lampen zu verkaufen. Rockefeller beabsichtigte damit, die seinerzeit verwendeten Talgkerzen vom Markt zu verdrängen.

Augen auf beim Kauf

Auch heutzutage funktioniert das Rockefeller-Prinzip noch sehr gut, wie folgende Beispiele zeigen:

  • Kaffeeautomaten mit Pads oder Kapsel. Viele dieser Maschinen werden bereits für ca. 50-60 Euro angeboten. Der Gewinn wird nicht über die Maschinen erzielt, sondern über den Kauf von Pads und Kapseln. Eine Kapsel kostet etwa 0,50 Euro. Somit ist bereits nach 120 Tassen Kaffee der Preis für die Maschine erreicht.
     
  • Ein Herren-Nassrasierer kostet mit der ersten Klinge ca. zehn Euro, Klingen im Vierer-Set im Nachkauf kosten ca. 15 Euro. Pro Woche wird bei täglicher Rasur mindestens eine Klinge benötigt.
     
  • Ein sehr populäres Beispiel ist das Angebot von Mobiltelefonen in Kombination mit einem Mobilfunkvertrag. Häufig werden die Geräte zu sehr geringen Grundkosten angeboten. Den Gewinn erwirtschaftet das Mobilfunkunternehmen über die vertragliche Bindung des Kunden über einen längeren Zeitraum.  
     
  • Tintenstrahldrucker sind zu Dumping Preisen erhältlich. Ein Einstiegsdrucker inklusive Patronen ist bereits für unter 30 Euro erhältlich. Wer später die Originalpatronen nachkaufen will, muss zum Teil happige Summen dafür aufbringen, die nicht selten den Wert des Druckers erreichen oder übersteigen können. Kompatible Druckerpatronen von Drittanbietern sind meist zu einem deutlich niedrigeren Preis zu erhalten. Trotzdem übersteigen die Kosten für das Verbrauchsmaterial binnen kurzer Zeit den Preis, der für einen neuen Drucker bezahlt werden muss. Nicht wenige Verbraucher lassen sich so zum Neukauf verleiten. Die Folge dieses Geschäftsmodells ist die Produktion gigantischer Mengen an Elektroschrott.
     
  • Das Leasing von Elektroautos erfreut sich derzeit großer Beliebtheit. Einige Modelle sind bereits um 40 Euro monatlich verfügbar. Den Vorteilen des günstigen Leasings steht jedoch entgegen, dass erhebliche Kosten für die zusätzlich erforderliche Batteriemiete anfallen.

Wie können sich Verbraucher vor möglichen Fallen bei Neuanschaffungen schützen?

Vor der Anschaffung vermeintlich günstiger Geräte sollten sich Kunden genau informieren, ob und welche Folgekosten anfallen. In vielen Fällen gibt es günstigere Alternativen zu den erwähnten Beispielen:

  • Es muss nicht immer die Kapsel- oder Padmaschine für das Büro sein. Mit geschickter Planung könnte ein Kaffeevollautomat von mehreren Mitarbeitern angeschafft und die Kosten für die Kaffeebohnen gleichmäßig auf alle Nutzer verteilt werden. Im Vergleich zu den Pads oder Kapseln sind Kaffeebohnen erheblich günstiger.
     
  • Bei der Rasur scheiden sich bekanntlich die Geister, aber vielleicht ist der Verzicht auf die Nassrasur und die Anschaffung eines Trockenrasierapparates eine Option. Hier fallen keine monatlichen Verbrauchskosten an.
     
  • Bei den Kosten für ein Handy mit Mobilfunkvertrag ist ein genauer Vergleich der Angebote ratsam. Insbesondere muss auf Preise für besondere Serviceleistungen wie SMS oder MMS geachtet werden. Hier fallen oft hohe Gebühren an. Eine Alternative ist der Kauf eines Mobiltelefons ohne Vertrag. So ist man nicht an einen speziellen Anbieter gebunden und kann auch auf Prepaid- Karten zurückgreifen.
     
  • Wesentlich günstiger als der Kauf einer neuen Druckerpatrone ist das Nachfüllen einer Patrone. Dies kann man in Geschäften machen lassen oder auch selbst durchführen. Auch Anfängern gelingt das Nachfüllen, zumal sich die Tintenpatronen einfach aus dem Drucker herausnehmen lassen. Anleitungen zum Nachfüllen verschiedener Druckerpatronen finden sich im Internet.
     
  • Vor Abschluss eines Leasingvertrages für ein Elektroauto sollten Verbraucher sich sehr gut über die Kostenstruktur informieren. Die Leasingrate für das Grundmodell und die fällige monatliche Miete der Batterie sollten transparent ausgewiesen sein.

Fazit

Hinter scheinbar günstigen Angeboten können sich eine Vielzahl von Folgekosten verstecken. Spontankäufe sind nicht ratsam. Eine gute Recherche schützt vor ärgerlichen und unnötigen Folgekosten. (lan-ack)

Stand: Juni 2020