Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke

Alle Jahre wieder wünschen sich vor allem Kinder einen Hund oder Hamster zu Weihnachten. Auch wenn der positive Einfluss von Tieren auf Menschen unbestritten ist, so ist die stressige Weihnachtszeit der falsche Zeitpunkt für die Anschaffung eines Tieres. Denn ein Tier kann nicht wie ein ungeliebtes Spielzeug in die Ecke gestellt werden.

rote Katze Weihnachtsmuetze_ Caroline Henri - Fotolia.com-1.jpg

Kätzchen in Nikolausmütze

In der Weihnachtszeit wird bei vielen Menschen, besonders bei Kindern, der Wunsch nach einem Tier wieder groß. Da man gerade zu Weihnachten den Liebsten eine besondere Freude mit dem Geschenk machen möchte, werden mögliche Bedenken schneller zur Seite geschoben. Doch die Anschaffung eines Tieres ist gut zu überlegen, denn ein Tier verändert den Alltag auf viele Jahre hin. Zudem wird aus dem süßen kleinen Welpen ein großer, viel Platz und Zeit brauchender Hund. Auch die laufenden Kosten dürfen nicht unterschätzt werden.

Einverständnis aller Familienmitglieder

Wird ein Tier angeschafft, ist dies keine Anschaffung für ein paar Weihnachtstage, sondern für viele Jahre, in denen das Tier seinen Platz in der Familie hat. Deshalb ist es wichtig, dass alle Familienmitglieder mit der Anschaffung eines Tieres einverstanden sind. Auch wenn es eine Hauptbezugsperson gibt, die sich in der Regel um das Tier kümmert, so kann es durch Krankheit, Urlaub oder aus anderen Gründen immer wieder Tage geben, wo die anderen Familienmitglieder das  Tier betreuen müssen.

Tiere bleiben nicht „süß und klein“, sondern werden größer und anstrengender

Wenn die kleine Katze aus dem Weihnachtsstrumpf herausschaut, sind alle begeistert. Mit dem Wachsen des Tieres verliert sich meist der Niedlichkeitsfaktor. Doch die Betreuung des Tieres braucht weiterhin viel Zeit und Geduld. Zudem nimmt die Freude über dieses „tolle Weihnachtsgeschenk“ spätestens dann ab, wenn die teure Vase heruntergestoßen wird, die edlen Stühle angeknabbert sind und das Tier die ganze Nacht Radau gemacht hat.

Allergien in der Familie

Heutzutage leiden leider viele Menschen an Allergien. Wer bisher keinen engen Kontakt zu Hund, Katze oder Kaninchen hatte, weiß somit auch nicht, ob er auf diese oder andere Tiere allergisch reagiert. Wird nun das Tier an Weihnachten überreicht, kann bei einer allergischen Reaktion ein Besuch beim ärztlichen Notdienst an den Weihnachtstagen nötig sein.

Eltern haben die Hauptverantwortung

Bei Kindern ist der Wunsch nach einem Tier besonders groß. Auch wenn das Kind verspricht, sich regelmäßig um das Tier zu kümmern, können Kinder alleine keine Verantwortung übernehmen. Die Eltern sollten sich dessen bewusst sein. Zudem kann die Liebe zum heiß ersehnten Tier beim Kind rasch nachlassen. Dies geht manchmal schneller, als man denkt, denn Hundehaufen wegmachen, bei Wind und Wetter Gassi gehen oder den Käfig sauber machen macht nicht wirklich Spaß. Dann müssen Eltern die Betreuung übernehmen, ob sie wollen oder nicht. Tiere sind Lebewesen und kein Gegenstand, den man bei zeitweiligem Nichtgebrauch im Keller zwischenlagern kann und erst hervorholt, wenn man wieder Lust darauf hat.

Urlaubsplanung

Vielleicht wird auch wenige Tage nach Weihnachten in den Winterurlaub gefahren. Was passiert dann mit dem an Heiligabend verschenkten Hund oder Kaninchen? Es gibt zwar Tierpensionen, doch einem Tier in der Eingewöhnungsphase tut ein erneuter Ortswechsel mit einer anderen Bezugsperson nicht gut. Den Nachbarn, die sich sonst immer um den Briefkasten kümmern, kann man auch nicht unbedingt zumuten, den neuen Mitbewohner zu betreuen.

Wenn die Familie an Weihnachten zusammensitzt, macht man sich schon Gedanken für den nächsten Sommerurlaub. Mit einem Tier sieht die die Urlaubsplanung völlig anders aus als ohne tierischen Begleiter.

Ein Tier kostet viel Geld

Neben dem Kaufpreis für das Tier kostet seine Haltung und Pflege über Jahre viel Geld. Je nach Tierart sind Haltungskosten wie Käfig, Leine, Körbchen und Spielzeug nötig. Auch das tägliche Futter und Leckerlies müssen bezahlt werden. Wird das Tier krank, fallen Tierarztkosten an. Aber auch bei gesunden Tieren sind die Tierarztkosten für Impfungen, Entwurmung, Kastration, Flohbehandlung oder Zeckenschutz nicht gerade wenig. Wer also ein Tier zu Weihnachten verschenkt, sollte sich überlegen, ob der Beschenkte genügend Geld für die Lebensdauer des Tieres aufbringen möchte und kann.

Stressige Weihnachtszeit ist ungeeignet für Tieranschaffung

Wer ein Tier zu Weihnachten verschenken möchte, muss es einige Tage vorher kaufen. Für die Eingewöhnung und Anpassung an die neue Umgebung braucht das Tier Ruhe und Zuwendung. Beides ist in den Tagen vor Weihnachten nicht gegeben, da jeder noch mit Einkaufen und anderen Vorbereitungen für das Weihnachtsfest beschäftigt ist.

Auch die Weihnachtstage selber sind meist turbulenter, schließlich sind Gäste zu bewirten, zu bekochen oder die Großeltern und Paten zu besuchen. Wohnen diese noch weiter weg, sind mehrstündige Fahrten beziehungsweise Abwesenheiten von zu Hause verbunden, die für ein Tier in der Eingewöhnungsphase nicht gut sind.

Zudem darf nicht vergessen werden, dass wenige Tage später bereits Silvester gefeiert wird. Die damit verbundene Störung des Alltags und das vom Tier als Lärm empfundene Feuerwerk fördert die Eingewöhnung des Tieres ebenfalls nicht.

Tierische Alternativen als Weihnachtsgeschenk

Auf „tierische“ Geschenke muss man nicht verzichten. Statt einem echten Tier kann ein Gutschein für den Besuch eines Zoo oder Tiergeheges verschenkt werden. Über einen Film zum Lieblingstier freut sich ein Tierliebhaber sicherlich auch. In Zoos können auch Tierpatenschaften übernommen werden.

In Tierheimen kann man sich über die Tiere informieren. So kann der Beschenkte in aller Ruhe über seinen Wunsch nachdenken. Besteht der Wunsch nach reiflicher Überlegung immer noch, kann er selber entscheiden, welches Tier zu ihm passt.

Fazit

Tiere können eine wunderbare Bereicherung einer Familie sein: Kinder lernen dadurch, Verantwortung zu übernehmen, stille Kinder werden aufgeweckter, unruhige Kinder werden ausgeglichener. Auch werden soziale Kontakte gefördert, denn gerade alleinstehende Menschen kommen durch unverfängliche Themen über das Tier in Kontakt mit anderen Menschen.

Tiere sind als Weihnachtsgeschenk nicht geeignet. Während materielle Geschenke wie ein neues Handy oder Jacke bei Nichtgefallen umgetauscht werden kann, ist dies bei Tieren nicht möglich. Im Gegensatz zu Geschenkgutscheinen können Tiere auch nicht in eine Schublade gesteckt und vergessen werden.

Stand: Dezember 2017