Tacho-Betrug: Wie erkennen?

Jedes Jahr entstehen in Deutschland Schäden von rund sechs Milliarden Euro durch manipulierte Tachometer bei Gebrauchtwagen. Das Vertrauen der Verbraucher in korrekte Kilometerangaben bei den angebotenen Fahrzeugen ist entsprechend gering. Worauf sollen Gebrauchtwagenkäufer achten, wie kann man sich vor Betrug schützen?

Fotolia_81593595_S.jpg

Cockpit Instrumente Auto

Lug und Trug wohin man schaut

Der ADAC teilt auf seiner Internetseite mit, dass etwa bei jedem dritten Gebrauchtwagen der Tacho manipuliert worden ist. Mit den gefälschten Tacho-Ständen erschleichen sich die Betrüger im Schnitt rund 3.000 Euro des über dem Wert liegenden Verkaufspreises. Auf das Jahr gerechnet ergibt sich in Deutschland ein wirtschaftlicher Gesamtschaden von ungefähr sechs Milliarden Euro. Betroffen sind vor allem private Käufer von gebrauchten Autos.

Kein Wunder also, dass das Vertrauen der Verbraucher in die Kilometerangaben von Gebrauchtwagen immer geringer wird. Der TÜV Rheinland geht aufgrund von Ergebnissen einer Studie davon aus, dass über 40 Prozent der Gebrauchtwageninteressenten die Wahrscheinlichkeit einer Tacho-Manipulation als groß bis sehr groß einschätzen.

Ist das Misstrauen gegenüber den privat angebotenen Fahrzeugen größer als gegenüber jenen, die von Händlern angeboten werden? Der Studie zufolge traut ein Großteil der Befragten den Kilometerstand-Angaben von privaten Verkäufern oder freien Händlern überwiegend nicht: Etwa 66 Prozent der Käufer sind gegenüber dem freien Handel misstrauisch, privaten Verkäufern trauen knapp 62 Prozent nicht. Sogar den Markenhändlern vertrauen offenbar rund 30 Prozent der Kunden nicht.

Wie werden die Kilometerstände manipuliert?

Was früher eine zweckentfremdete Bohrmaschine, die einen mechanischen Tacho zurückdrehte, geleistet hat, übernimmt heute Kollege Computer mit der entsprechenden Software. Über die jeweilige Schnittstelle im Auto – beispielsweise über den Diagnose-Stecker – werden die Geräte angeschlossen. Dafür bieten spezielle „Dienstleister“ ihre zweifelhaften Dienste an, auf telefonische Bestellung meist an Orten wie öffentlichen Parkplätzen. Innerhalb weniger Sekunden ist die Trickserei erledigt. Hierbei handelt es sich im Übrigen um kein Kavaliersdelikt: Seit 2005 ist jegliche Tachomanipulation verboten.

Wie kann ich mich vor Betrug schützen?

Grundsätzlich gilt: Vertrauen Sie nicht blind auf den vom Verkäufer genannten Kilometerstand. Doch was können Verbraucher tun, um sich vor den Betrügereien zu schützen? Kann man denn überhaupt als Laie erkennen, dass der Tacho manipuliert wurde? Im Folgenden haben wir einige Tipps der Zeitschrift „Autobild“ aufgeführt, die Ihnen dabei helfen können, nicht in die Kilometer-Abzockfalle zu tappen.

Darauf sollten Sie achten

  • Lassen Sie sich das Service-Heft (Check-Heft) zeigen und prüfen Sie die Einträge auf Plausibilität. Vorsicht: Stempel können auch gefälscht sein! Rufen Sie gegebenenfalls in der Service-Werkstatt an und fragen Sie nach.
  • Schauen Sie in die Zulassungsbescheinigung Teil II (früher „Fahrzeugbrief“) und erkundigen Sie sich bei den Vorbesitzern, bei welchen Kilometerständen sie die Autos verkauft haben.
  • Auch Sitzbezüge, Lenkräder und die Gummiauflagen der Pedale zeigen meist einen erhöhten Verschleiß, wenn die Fahrzeuge viel gefahren wurden. Kleine Kilometerstände und hoher Abnutzungsgrad passen nicht zueinander!
  • Fahren Sie mit dem Fahrzeug vor dem Kauf zu einem anerkannten Kfz-Prüfdienst und lassen Sie den Wagen begutachten. Das kostet zwar etwas, erspart Ihnen aber unter Umständen viel Ärger.
  • Auch die Bordelektronik modernerer Fahrzeuge speichert Kilometerstände von durchgeführten Wartungen oder aufgetretenen Fehlern. Diese Daten lassen sich in der Fachwerkstatt auslesen.
  • Einige Fahrzeughersteller haben Schlüssel entwickelt, in denen die Kilometerleistung gespeichert wird und von der Vertragswerkstatt ausgelesen werden kann.
  • Kommt es zum Vertragsabschluss, lassen Sie sich im Kaufvertrag die „tatsächliche Laufleistung“ schriftlich bestätigen. Angaben wie „gefahrene Kilometer laut Tacho“ etc. sollten Sie keinesfalls akzeptieren.

Stand: August 2017