Serie „Faire Kleidung“ (IV.): Welche Bündnisse und Initiativen gibt es?

Jeder kann einen Beitrag dazu leisten, dass nachhaltige Kleidung nicht nur ein Modewort bleibt, sondern gelebte Praxis wird. Damit die Ausbeutung von Arbeitern in Niedriglohnländern ein Ende hat. Mehrere Bündnisse und Initiativen haben sich auf die Fahnen geschrieben, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Textilarbeiter in Niedriglohnländern zu verbessern. Auch gibt es gezielte Kampagnen für einen bewussteren Umgang mit der Umwelt.

Verkaufsschaufenster Ausverkauf SADIA - fotolia.com_.jpg

Kleidungsstücke an Schaufensterpuppen in einem Geschäft

Hier sind einige davon:

Bündnis für nachhaltige Textilien

In dem Bündnis für nachhaltige Textilien engagieren sich rund 100 Unternehmen und Organisationen mit dem Ziel, die Arbeits- und Lebensbedingungen in der Textilindustrie in Niedriglohnländern zu verbessern. Das Bündnis, das im Oktober 2014 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gegründet wurde, will soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen entlang der Textillieferkette erreichen. Die im Bündnis aktiven, meist global agierenden Unternehmen, rücken insbesondere Probleme wie mangelnden Brandschutz und Gebäudesicherheit, den Einsatz giftiger Chemikalien in der Produktion und die Niedriglöhne in den Fokus. Das Bündnis bündelt zunächst in Deutschland aktive Unternehmen, deutsche Vertreter von Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft sowie internationale Nachhaltigkeitsinitiativen und Standards.

Kampagne für Saubere Kleidung

Die Kampagne für Saubere Kleidung - Clean Clothes Campaign - ist ein Netzwerk, in dem sich über 300 Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und Verbraucherverbände für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der weltweiten Textilindustrie einsetzen. Zu den deutschen Trägerorganisationen gehören die Christliche Initiative Romero, die IG Metall, das INKOTA-netzwerk, das Institut für Ökonomie und Ökumene Südwind-Institut, Femnet und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di.

Die Kampagne, die 1990 gegründet wurde und mittlerweile in sechzehn europäischen Ländern vertreten ist, will laut eigenen Aussagen die Unterdrückung, die Ausbeutung und den Missbrauch der Arbeitnehmer in der Textilindustrie beenden und Verbraucher über die Arbeitsbedingungen der Kleiderherstellung aufklären. Dies geschieht durch Informationen für Verbraucher, den kritischen Dialog mit Unternehmen und Politik und öffentliche Kampagnen.

Seit dem Fabrikeinsturz von Rana Plaza in Bangladesch im April 2013 hat die Kampagne für Saubere Kleidung gefordert, dass Marken und Einkäufer Entschädigungen an die Opfer bereitstellen sollen. Über eine Million Konsumenten in ganz Europa und weltweit haben sich an den Aktionen beteiligt.

Fair Wear Foundation – für sichere und gesunde Arbeitsbedingungen

Die Fair Wear Foundation ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation, die die Arbeitsbedingungen in der Kleidungs- und Textilindustrie verbessern will. Die 1999 gegründete Organisation hat laut eigenen Angaben 80 Mitglieds-Unternehmen, die in sieben europäischen Ländern ansässig sind. Die Stiftung überprüft, ob die beigetretenen Firmen die Richtlinien der FWF in ihrer Produktion umsetzen. Dazu zählen die Begrenzung der Arbeitszeit, die freie Wahl des Arbeitsplatzes, keine ausbeutende Kinderarbeit, keine Diskriminierung bei der Beschäftigung, ein rechtsverbindlicher Arbeitsvertrag, sichere und gesunde Arbeitsbedingungen, die Versammlungsfreiheit und das Recht auf Tarifverhandlungen sowie die Zahlung eines existenzsichernden Lohnes.

Die Fair Wear Foundation ist in produzierenden Ländern wie Bangladesch, China, Indien und der Türkei aktiv. Zertifiziert werden Betriebe in Bangladesch, Bulgarien, China, Indien, Litauen, Mazedonien, Moldawien, Polen, Portugal, Rumänien, Thailand, Tunesien, Türkei und Vietnam. Ob die Arbeitsbedingungen vor Ort eingehalten werden, wird genauestens kontrolliert.

Micha Initiative – globale Gerechtigkeit und menschenwürdige Arbeitsbedingungen

Die Micha-Initiative (Micha Challenge) ist eine internationale christliche Initiative. Sie hat zum Ziel, die weltweit existierende extreme Armut zu mindern und globale Gerechtigkeit zu erreichen. Die Micha-Initiative hat das Thema faire Kleidung in diesem Jahr zu einem Arbeitsschwerpunkt gemacht. Leitmotiv der Initiative ist die Aussage des alttestamentlichen Propheten Micha: „Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir erwartet: Nichts anderes als dies: Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott.“ (Micha 6, Vers 8)

Die Micha-Initiative engagiert sich dafür, dass die Millenniumsziele der Vereinten Nationen umgesetzt werden. Unter die Milleniumsziele, die bis 2015 erreicht werden sollen, fallen: weltweit Armut und Hunger halbieren, allen Kindern eine Primärausbildung ermöglichen, gleiche Rechte für Frauen und Männer durchsetzen, die Kindersterblichkeit senken, die Gesundheit von Müttern verbessern, HIV, Aids, Malaria und schwere Krankheiten bekämpfen, sich für ökologische Nachhaltigkeit einsetzen und eine globale Partnerschaft für Entwicklung aufbauen. Die Micha-Initiative ist somit in ihrem Engagement nicht ausschließlich auf den Kleidungs- und Textilbereich beschränkt. Sie nimmt sich diesem aber vor allem in diesem Jahr mit einer eigenen Kampagne an. So findet im Oktober eine Aktionswoche statt, in der sich Kirchengemeinden und Gruppen für menschenwürdigere Arbeitsbedingungen in der gesamten Produktionskette von Textilien einsetzen.

Greenpeace Detox – Firmen wollen giftige Chemikalien aus Produktion verbannen

Niedriglöhne und geringe Sozialstandards sind die eine Seite der derzeitigen Textilproduktion in Niedriglohnländern. Fatale Auswirkungen auf die Umwelt die andere. Die Chemikalien, die bei der Kleiderproduktion verwendet werden, vergiften Flüsse und Trinkwasser in Asien und Mittelamerika. Diesem Trend möchte Greenpeace mit der sogenannten Detox-Kampagne entgegenwirken. Greenpeace fordert die Firmen zum Entgiften auf. Die Modefirmen sollen auf gefährliche Chemikalien verzichten und diese durch unschädliche Substanzen in der Produktion von Kleidung, Schuhen und anderen Konsumgütern ersetzen. 31 Modefirmen haben sich laut Greenpeace bisher der Detox-Kampagne angeschlossen. Um zu prüfen, ob den Verpflichtungen auch Taten folgen, testet Greenpeace regelmäßig die Abwässer der Textilfabriken sowie die fertigen Textilien. Laut Greenpeace setzen die meisten Firmen ihre Versprechen in die Tat um, vor allem die Fast Fashion Marken wie H&M und Zara. Die Luxusfirmen dagegen lassen weiter giftige Stoffe in ihrer Ware erscheinen.

Links

http://www.fairwear.org/22/about/

http://www.micha-initiative.de/mitmachen/gutzutragen

http://www.saubere-kleidung.de

http://www.ranaplaza-arrangement.org/

http://www.ci-romero.de/bangladesch_brandschutzabkommen/

https://www.greenpeace.de/kampagnen/detox

Stand: August 2017