Serie „Faire Kleidung“ (III.): Wie man nachhaltige Kleidung erkennt – die Bedeutung von Siegeln

Ökologisch und fair – auch bei der Kleidung versuchen Hersteller beim Kunden mit diesen Attributen zu punkten. Doch woran erkennt man faire und ökologische Kleidung? Verschiedene Öko- und Sozial-Siegel sollen für Klarheit sorgen. Im dritten Teil der Serie „Faire Kleidung“ erfahren Sie, was sich hinter den Siegel-Bezeichnungen verbirgt.

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Zwei junge Frauen schauen sich in einem Geschäft eine Jacke an

Viele Siegel mit unterschiedlicher Aussagekraft


Während Second-Hand-Mode durch die Darbietung in entsprechenden Läden oder auf Plattformen relativ gut zu erkennen ist, stellt sich die Frage: Wie lässt sich ökologische Mode sicher erkennen? Eine einfache Antwort gibt es darauf nicht. Es gibt verschiedene Öko- und Sozialsiegel, die in ihrer Aussagekraft erheblich schwanken. Zudem nehmen sie oft nicht die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick. Die Vielzahl der Siegel und ihr geringer Bekanntheitsgrad machen es nicht einfacher. Siegel können dennoch eine Hilfe sein und Orientierung geben. Deshalb ist es für die Kunden nützlich zu wissen, was die Siegel eigentlich aussagen. Hier stellen wir die am häufigsten genutzten Siegel vor:

Fairtrade

 Dieses Siegel bezeichnet Baumwolle, die zu fairen Preisen gehandelt wird und so menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen der Kleinbauern und Arbeiter unterstützt. Kriterien sind die Garantie zur Einhaltung sozialer Standards, die Unterstützung von Familienbetrieben in der dritten Welt, Regelungen zum nachhaltigen Anbau und das Verbot von Agrochemikalien.

Global Organic Textile Standard (GOTS)

 Dieses Siegel wird vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft vergeben für Kleidung, die zu mindestens 70 bis 90 Prozent Biofasern enthält. Das Siegel ist ausschließlich für Naturfaser-Textilien gültig.
Soziale Mindeststandards wie die Zahlung von Mindestlöhnen sind verbindliche Kriterien. Weitere Kriterien sind die minimale Schadstoffbelastung durch die Beschränkung auf wenige Verarbeitungssubstanzen und Färbemittel. GOTS-gelabelte Produkte gibt es zum Beispiel in sogenannten Green Fashion Concept Stores, bei Hess Natur, in Onlineshops für grüne Mode, bei Händlern wie REWE oder als Aktionsware bei Discountern.


Naturtextil IVN zertifiziert BEST

 Dieses Siegel ist das derzeit sicherste Siegel mit höchsten Standards und Ansprüchen und zugleich Öko- und Sozialsiegel. Kriterien sind die Minimierung von Abfall und Umweltbelastungen, das Verbot von Färbemitteln, die unter die Richtlinie 67/548 der EU fallen, sowie die Dokumentation von Transportmitteln und –wegen.
Dieses Siegel wird für Kleidung vergeben, die 100 Prozent Naturfasern aus kontrolliert biologischem Anbau enthält. Synthetische Fasern dürfen nur in Ausnahmefällen bis zu 5 Prozent eingesetzt werden.
Für Anbau und Verarbeitung definiert das Siegel Sozialstandards und garantiert existenzsichernde Löhne. IVN Best-gekennzeichnete Produkte gibt es bei Naturtextil-Spezialisten wie Hess Natur oder Cotonea.


bluesign®Standard

 Die Einhaltung des UN GLOBAL COMPACT, das strenge Anforderungen im Bereich der Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung aufweist, ist Voraussetzung für die Vergabe dieses Siegels.
Weitere Kriterien sind die Vermeidung von potenziell gefährlichen Substanzen mit Fokus auf den Färbeprozess, der Einsatz von umweltfreundlichen Präparaten und unschädlichen Chemikalien, die Kontrolle des Abwassers, der Abluft und der Sicherheit sowie der Gesundheit am Arbeitsplatz.
Im eigentlichen Sinn ist dieses Siegel ein technologisches Siegel. Bluesign findet man derzeit vor allem bei Outdoor-Produkten.

Naturland-Siegel

 Ziel dieses Siegels sind die Nachhaltigkeit, der Natur- und Klimaschutz, der Schutz von Luft und Wasser, der Verbraucherschutz und der Erhalt von natürlichen Böden sowie die Minimierung der Umweltbelastung und die korrekte Entsorgung von Chemikalien. Die Vergabe des Siegels ist zudem an die Überprüfung des Verarbeitungsprozesses und die eingesetzten Substanzen gebunden.
Das Endprodukt muss zudem aus 95 Prozent Naturfasern bestehen. Zudem sind nachwachsende Rohstoffe zu verwenden.
Der Erhalt des Siegels ist an eine strenge Kontrolle geknüpft, die sozialen Richtlinien sind weniger streng als bei Fairtrade.

Öko-Tex

Unter dem Label Öko-Tex werden insgesamt drei Arten von Zertifikaten vergeben:

  • Öko-Tex Standard 100


 Das bisher häufigste, der Öko-Tex Standard 100, zertifiziert ausschließlich die Schadstoffarmut des gekauften textilen Produktes. Über die sonstigen Herstellungsbedingungen und die Produktion der Rohstoffe wird keine Aussage gemacht. Untersuchungen werden ausschließlich an eingereichten Proben durchgeführt. Es finden keine Betriebsprüfungen statt. Je nach Einsatzzweck des konkreten Produktes variieren die im Standard gerade noch erlaubten Rückstände bestimmter bedenklicher Stoffe. Je enger der Hautkontakt ist, desto niedriger sind die Grenzwerte; einige Stoffe dürfen gar nicht verwendet werden bzw. nicht nachweisbar sein. Das Textilsiegel ist am weitesten verbreitet, Produkte mit dem Öko-Tex 100 sind überall im Einzelhandel zu finden.

  • Öko-Tex-Standard 1000


 Der Öko Tex Standard 1000 prüft Produktionsbedingungen, die Einhaltung nationaler Gesetze, Richtlinien für Umweltschutz und Richtlinien für Abwasser- und Abluft sowie Lärm und ähnliches, Sicherheit am Arbeitsplatz und Verzicht auf Kinderarbeit. Seit neuestem heißt der Standard STeP (Sustainable Textile Production) und soll eine nachhaltige und faire Produktion zertifizieren.

  • Öko-Tex 100 plus


 Der Öko-Tex Standard 100plus ist eine Kombination aus Öko-Tex 100 und STeP. Er definiert soziale Mindeststandards und die Zahlung von Mindestlöhnen für die Verarbeitung. Da die Siegel von Öko-Tex 100 und Öko-Tex 100 plus kaum voneinander zu unterscheiden sind, müssen Verbraucher beim Kauf genau hinsehen. Während der Öko-Tex 100 von mehreren tausend Herstellern genutzt werden darf, sind es deutlich weniger als hundert Hersteller, die Textilien mit dem Öko-Tex 100 plus ausloben dürfen.

Cotton made in Africa

 Dieses Label trägt wesentlich zu ökologischen und sozialen Verbesserungen bei der Herstellung von Baumwolle bei und bezieht nachhaltige Kriterien mit ein. Die Baumwolle muss allerdings nicht nach Bio-Standards produziert werden.
Die Kriterien für die Vergabe des Labels werden von unabhängigen Stellen mitentwickelt, der Vergabeprozess ist transparent. Es finden umfassende und regelmäßige Kontrollen statt. Verstößt ein Labelnehmer gegen die Vergabekriterien, so können ihm Sanktionen auferlegt werden. Verbraucher können alle wichtigen Informationen zum Label kostenlos abrufen. Der Standard bezieht sich überwiegend auf den Anbau der Baumwolle und die Entkörnung. Die Verarbeitung zu Textilprodukten ist nicht Gegenstand des Standards.

Der Blaue Engel

 Der Blaue Engel trägt wesentlich zu ökologischen Verbesserungen bei der Produktion von Textilien bei. Es erfolgt eine Schadstoffprüfung am Endprodukt. Die Kriterien für die Vergabe des Labels werden von unabhängigen Stellen mitentwickelt. Der Vergabeprozess ist transparent, die Vergabegrundlage mit dem detaillierten Zertifizierungsprozess steht auf der Seite des Labels zum kostenlosen Download bereit.
Kontrollen erfolgen einerseits, indem die Hersteller erklären, dass sie die Kriterien einhalten, sie müssen aber auch Prüfzertifikate einreichen und unabhängige Laboruntersuchungen nachweisen. Obwohl es sich um ein Umweltzeichen handelt, müssen Labelnehmer zusätzlich darstellen, ob sie die sozialen Bedingungen in der gesamten Herstellungskette einhalten. Verstößt ein Labelnehmer gegen die Vergabekriterien, so werden ihm Sanktionen auferlegt.

Fairtrade Certified Cotton

 Seit 2008 wird Kleidung in Deutschland mit dem Fairtrade-Siegel gekennzeichnet. Baumwollbauern erhalten einen Mindestpreis für ihre Baumwolle, die garantiert gentechnikfrei und unter Verzicht auf bestimmte Pestizide hergestellt wurde. Menschenwürdige Arbeitsbedingungen müssen für die Weiterverarbeitung der Fairtrade Baumwolle sichergestellt werden.

Fair Wear Foundation

 Die Fair Wear Foundation ist eine Initiative von NGOs, Gewerkschaften, Unternehmen, Wirtschafts- und Handelsverbänden mit dem Ziel, die sozialen Bedingungen in der Textilindustrie zu verbessern (Sozialstandards, existenzsichernde Löhne, Schulungen). Es gibt über 80 Mitgliedsunternehmen, darunter öko-faire Marken wie Hess Natur, HempAge oder Nudie Jeans, aber auch z.B. Jack Wolfskin und Vaude. Das Logo ist nur unter bestimmten Bedingungen an Kleidung zu finden: Das Unternehmen muss länger als ein Jahr FWF-Mitglied und in die beste Kategorie eingestuft sein.

Bildquellen: Logos der verschiedenen Siegel: www.label-online.de


Weitere Informationen:
www.label-online.de
http://www.brigitte.de/mode/trends/guetesiegel-textilien-1160293/
https://www.nachhaltigkeit.info/
http://www.utopia.de/magazin/die-wichtigsten-siegel-fuer-kleidung-ohne-gift
http://www.zeit.de/lebensart/mode/2013-05/faire-mode/seite-4
http://www.modeaffaire.de/ratgeber/zertifikate/
https://news.utopia.de/studie-nachhaltige-mode-uncool-1553/
https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/mode-unter-jugendlichen-greenpeace-umfrage_zusammenfassung_1.pdf  

Stand: August 2017