Seide – ein Hauch von Luxus auf der Haut

Seide ist seit vielen Tausend Jahren ein beliebter Stoff für Textilien. Nicht zuletzt, weil das glänzende Gewebe sehr edel aussieht. Seide hat aber noch vielen andere Vorteile. Wie wird die Naturfaser für die Seidenproduktion gewonnen und auf was sollte man bei der Reinigung von seidenen Kleidungsstücken achten? Wir verraten es hier im VerbraucherFenster.

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Seide

Eine Raupe sorgt für den luxuriösen Stoff

Seide ist ein Naturfaserstoff tierischen Ursprungs, der vor über 5000 Jahren erstmals in China angefertigt wurde. Seide gilt bis heute als ein luxuriöser Stoff, besonders dann, wenn es sich um Glanzseide und dem daraus hergestellten Gewebe, Seidendamast und Seidenduchesse, handelt, welches feine Kostüme oder Brautkleider verwendet wird. China, Japan und Indien sind bis heute die Hauptproduktionsstätten für Seide.

Die für die Herstellung benötigten Fasern, werden aus Kokons von seidenspinnenden Raupen bestimmter Schmetterlingsarten gewonnen. Dabei handelt es sich meist um den Nachtfalter Maulbeerspinner oder, bei Wildseide, um den Eichenseiden-Spinner und Tussahspinner. Maulbeerspinner werden extra für die Seidenproduktion gezüchtet Bei Wildseide stammt die Faser von Faltern direkt aus der Natur.

Vom Kokon zum seidenen Faden

Die Seidenraupen produzieren den Seidenfaden, mit dem sie sich zu einem Kokon verpuppen, durch spezielle Drüsen im Maul. Dabei legen sie den Faden mit bis zu 300.000 Windungen um sich herum und festigen ihn mit einem speziellen Kleber. Der Faden kann eine Länge von bis zu drei Kilometern erreichen. Natürlicherweise würden die Puppen etwa 18 Tage lang in diesen Kokons bleiben, bis sie als Schmetterling aus ihnen herausschlüpfen.

In der Seidenherstellung kommt es allerdings nicht soweit, denn wenn die Schmetterlinge schlüpfen, weichen sie den Kokon mit einem Sekret auf. Die Kokons sind dann für die weitere Verarbeitung zu Seide nicht mehr zu gebrauchen. Daher werden die Puppen bereits vor dem Schlüpfen mit Heißwasser oder Wasserdampf abgetötet. Die Kokons werden dann in einem heißen Wasserbad gewaschen, um den Kleber zu lösen und den Anfang des Seidenfadens zu finden. Die Seide wird dann vom Kokon abgewickelt.

Für 250 Gramm Seidenfaden werden circa 3000 Kokons benötigt.

Vom seidenen Faden zum edlen Gewebe

Der Kokon besteht aus mehreren Faserschichten. Die obersten Faserschichten sind recht kurz und werden abgezupft oder gekämmt. Sie bilden die sogenannte Florettseide, die an naturfarbenen Baumwollstoff erinnert. Sind die kurzen Fasern entfernt, kann der Seidenfaden abgewickelt und zu Rohseide verarbeitet werden. Je gründlicher der Kleber vom Seidenfaden abgewaschen wurde, desto geschmeidiger, glänzender und hochwertiger wird die Seide. Ist die Seide vollständig vom Kleber befreit, entsteht Glanzseide.

Durch weitere chemische Behandlungen wird die Seide weiter veredelt. So wird sie beispielsweise mit Schwefeldioxid gebleicht. Zudem sorgen verschiedener Webarten für unterschiedliche Seidenqualitäten.

Tierfreundlicher mit Tussah- und Ahimsa-Seide

Inzwischen gibt es auch Seidenalternativen, bei denen die Raupen nicht abgetötet werden müssen, etwa die Tussah- und die Ahimsa-Seide.

Tussahseide: Bei der Produktion dieser Wildseidenart können die Schmetterling des Tussahspinners aus den Kokons schlüpfen. Erst danach werden die Kokons eingesammelt, um die Fasern zu gewinnen. Allerdings ist das Gewebe der versponnenen Tussahseide nicht gänzlich glatt, sondern weist Unregelmäßigkeiten auf. Der Grund dafür ist, dass der Kokon nicht mehr intakt ist. Außerdem ist der Seidenfaden des Tussahspinners gröber. Dadurch kann der Seidenfaden nicht als Ganzes vom Kokon abgewickelt werden. Stattdessen müssen einzelne kürzere Fäden vom Kokon abgekämmt und miteinander versponnen werden.

Ahimsa-Seide: Bei der Produktion der Ahimsa-Seide werden die Kokons der Maulbeerseidenspinner vorsichtig aufgeschnitten. Die Raupen können sich dann außerhalb ihres Kokons weiterentwickeln, während die Fäden vom Kokon gekämmt werden können. Da auch bei dieser Methode der Kokon beschädigt wird, neigt die Ahimsa-Seide ebenfalls zu einer unregelmäßigen und weniger glatten Struktur.

Nicht nur edel, auch praktisch: Eigenschaften von Seide

Als Stoff für Kleidung und andere Textilien ist Seide sehr dehnbar und reißfest. Da sie atmungsaktiv ist und Feuchtigkeit absorbiert, ist sie interessant für Bettwäsche, Nachtwäsche oder Funktionskleidung. Zudem ist sie unempfindlich gegenüber Gerüchen wie beispielsweise Schweiß und trocknet schnell. Sie wirkt temperaturregulierend und hält daher während der kälteren Jahreszeiten warm und kühlt an heißen Sommertagen. Durch ihr geringes Gewicht hat Kleidung aus dem edlen Stoff einen hohen Tragekomfort. Ihre hautverträglichen Eigenschaften macht Seide zu einem allergikerfreundlichen Textil.

Tipps für die Seidenpflege

Um Gerüche loszuwerden, reicht es, die Seide an der frischen Luft auszulüften. Wer Seide waschen möchte, sollten unbedingt die Waschhinweise auf dem Etikett beachten. So sollte sie am besten bei 20 bis 30 Grad per Handwäsche oder aber Schonwaschgang gewaschen werden. Auf Schleudergang oder gar den Trockner sollte hingegen besser verzichtet werden! Auch sollte Seide nicht im Garten auf der Wäscheleine bei purer Sonneneinstrahlung trocknen, andernfalls kann sie ausbleichen oder sogar vergilben. Seide am besten nur bei niedrigster Temperatur bügeln – ohne Dampf und ohne dass das Gewebe mit Wasser besprüht wird.(Sie)

Stand: Januar 2022