S, M, L oder XL – Das Problem mit den Kleidergrößen

Frust bei der Shoppingtour: An dem einen Tag passt die Kleidergröße M, an einem anderen eine S und zwischendurch braucht man die Hose oder das T-Shirt in Größe L. Je nachdem wo man einkauft oder welche Marke man trägt, auf Größenangaben ist kein Verlass. Wie kann das sein?

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Kleiderbügel auf Kleiderstange

Zunächst einmal: Kein Grund zur Sorge! Dass der Pullover in Kleidergröße M bei der einen Marke perfekt sitzt und bei der nächsten kneift, heißt nicht im Umkehrschluss, dass Sie zugenommen haben.

Die Zeitschrift Ökotest hat festgestellt, dass Kleidungsstücke derselben Größe bis zu 20 Zentimeter im Umfang voneinander abweichen können. Auch auf Schuhen finden sich keine verlässlichen Angaben: Wem ein Lederschuh in 44 passt, dem kann es passieren, dass auch Schuhgröße 46 in einem Turnschuh perfekt sitzt.

Dabei gibt es tatsächlich eine Norm für Kleidergrößen und Größentabellen, welche den Herstellern als Orientierung dienen soll. Allerdings kommen viele Firmen diesen Anforderungen an ihre Produkte nicht nach. Verpflichtungen, sich an diese Vorgaben zu halten, gibt es nicht.

Besonders ärgerlich ist dies beim Online-Versandhandel. Kunden müssen fast mehr als die Hälfte der Waren wieder an die Versandhäuser zurückschicken, da ein Kleidungsstück vorsichtshalber in drei verschiedenen Größen bestellt wird – dies verursacht nicht nur hohe Kosten, sondern ist auch, aufgrund des Verpackungsmülls und der Emissionen, nicht gerade umweltfreundlich.

Globalisierung, Marke und Verkaufspsychologie sorgen für Größenchaos

Einer der Gründe für die zum Teil immensen Größenunterschiede ist, dass der Kleidungsmarkt mittlerweile international bedient wird. Das Herkunftsland des Kleidungsstücks entscheidet dann im Wesentlichen über die jeweilige Kleidergröße, den Proportionen der Arm- und Beinlänge, Taille und Brustumfang variieren im Verhältnis zur Körpergröße in den unterschiedlichen Ländern. Während Hosen und T-Shirts aus den USA in Größe S eher größer ausfallen, ist die Kleidung in Italien, Frankreich oder Spanien besonders eng geschnitten.

Ein weiterer Aspekt bei der Größenfrage ist das jeweilige Firmenimage. Hierfür ist besonders die Zielgruppe ausschlaggebend. Ist diese eher jünger, produziert der Hersteller schmaler geschnittene Outfits.

Fallen Pullover, T-Shirt und Hose bei manchen Modegeschäften oder Kleidermarken sogar größer aus, kann dies auch Kunden anlocken. Hinter den sogenannten Schmeichelgrößen versteckt sich beispielsweise auf dem Etikett eines Pullovers eine Kleidergröße 42, obwohl die Größe tatsächlich einer 44 entspricht. Die Käufer fühlen sich schlanker, wohler und geschmeichelt durch die gut sitzende vermeintliche kleinere Größe und bleiben der Bekleidungsmarke treu.

Nicht zuletzt können auch bestimmte Materialien am Größenwirrwarr schuld sein. Jeansstoff etwa kann sich noch während der Verarbeitung und Nachbehandlung in der Produktion verändern. Dies kann die Bundweite teilweise um bis zu drei Zentimeter verringern. Hier macht es Sinn, eine Jeans immer vor dem Kauf anzuprobieren und sich in Geduld zu üben.

Auf der Suche nach der eigenen Kleidergröße – was tun?

  • Maßnehmen: Vor dem nächsten Online-Shopping ist es empfehlenswert die eigenen Körpermaße einmal auszumessen. Hierfür sollte ein Maßband an der Brust, Unterbrust, Taille und Hüfte angelegt werden. Viele Versandhändler haben eigene Größentabellen veröffentlicht, vergleichen Sie die Maßangaben vor der Bestellung. Wenn die Retourensendung kostenfrei ist, kann man sich die gewünschte Kleidung in mehreren Größen zur Auswahl zukommen lassen.
  • Konfektionsgrößen: Um die Konfektionsgrößen zu errechnen, wird bei Männern der Brustumfang in Zentimetern gemessen und dann durch zwei geteilt. Beispiel: Bei einem Brustumfang von 88 cm gilt: 88 cm : 2 = Konfektionsgröße  44. Bei Frauen wird zusätzlich von diesem errechneten Wert die Zahl 6 abgezogen, also 88 cm: 2 = 44-6 = Konfektionsgröße 38.
  • Urlaubs-Shopping: Wer im Ausland Kleidung kauft, sollte sich über die unterschiedlichen Kleidergrößen bewusst sein: Etwa drei Nummern müssen Deutsche beim Kauf von Kleidung in Italien von der etikettierten Kleidergröße abziehen: Tragen Sie in Deutschland einen Pullover in 38, wird er in Italien vermutlich nicht passen – dort entspricht er einer Größe, die hierzulande eine 32 wäre. In Frankreich besteht hingegen nur eine Größendifferenz: Der Pullover in 38 entspräche dort einer 40.
  • England und USA haben eigenes System: Englische und amerikanische Größen umzurechnen, ist hingegen etwas komplizierter. In den USA ist die deutsche 36 eine Kleidergröße 8, die 38 eine 10, die 40 eine 12 usw. In Großbritannien sind die Angaben dagegen um eine Größe verschoben. Hier ist also die 36 eine 10, die 38 eine 12 etc.
  • Herrengrößen: In den USA und Großbritannien gilt für Herrenmode eine ganz andere Umrechnung: Bei Pullovern und Jacken heißt die Regel: Minus 10. Das bedeutet, eine deutsche Größe 48 ist in den USA und Großbritannien eine 38. Bei Hemden verhält es sich wiederum anders, eine deutsche 36 ist dort eine 14, eine 38 eine 15 etc.
  • Jeans und Inch: Jeansgrößen werden häufig in Inch angegeben, dabei entspricht ein Inch (Zoll) 2,54 cm. Die Angaben beziehen sich immer auf Bundweite und Beininnenlänge, zum Beispiel entspricht die Bundweite einer Jeans in den Inch-Angaben 30/34 76 cm und einer Beinlänge von 86 cm.
  • Warum kompliziert, wenn es auch leicht geht: Wem die Umrechnerei im Ausland zu kompliziert ist, kann versuchen auf die internationalen Standardgrößen von XS bis XXXL zu achten. Allerdings sind diese eben auch nur als Richtwerte zu verstehen.
  • Anprobieren ist und bleibt das A und O: Nichtsdestotrotz sollte man am besten immer Kleidungsstücke und Schuhe vor dem Kauf anprobieren! 

Stand: Juli 2017