Lohnen sich die Bonusprogramme des Handels?

"Wie kann ich mit meinem Geld am besten wirtschaften?" – Diese Frage stellen sich Verbraucher Tag für Tag. Sonderangebote und Schnäppchenpreise sind daher immer willkommen. Kundenkarten, die Rabatte und Prämien versprechen, erfreuen sich großer Beliebtheit. Doch lohnen sich diese Karten wirklich?

Kontokarte - pixabay.com_.jpg

Person hält eine Plastikkarte in der Hand

Feilschen an der Kasse nicht erwünscht

Seit dem Wegfall des Rabattgesetzes und der Zugabenverordnung im Jahre 2001 und der damit verbundenen Möglichkeit, Rabatte und Zugaben frei auszuhandeln, sind Rabattkarten auf dem Vormarsch. Schätzungen zufolge hat jeder zweite Verbraucher in Deutschland eine oder mehrere dieser Karten im Portemonnaie. Manche der Karten sind mit Zusatzfunktionen – wie zum Beispiel einer Kreditkarte – ausgestattet. Abhängig von den jeweils getätigten Einkäufen versprechen die Unternehmen Prämien und Rabatte. Für die Unternehmen ist dies praktisch – müssen sie doch nicht mit jedem Kunden um Rabatte feilschen, sondern können auf ihre Bonusprogramme und Rabattaktionen verweisen.

Verschiedene Kartensysteme

Es gibt im Wesentlichen zwei Rabattkartensysteme in Deutschland:

Bei den sogenannten Monopartnerprogrammen geben die Handelsketten die Rabattkarten direkt an ihre Kunden aus. Die Bedingungen, zu denen diese Karten zu haben sind, sind ebenso unterschiedlich wie die Vergünstigungen, die die Unternehmen gewähren.

Multipartnerprogramme funktionieren über einen Zusammenschluss von mehreren Handelsketten. Die Rabattkarte kann bei allen angeschlossenen Handelspartnern eingesetzt werden. Die gewährten Rabatte sind allerdings bei den einzelnen Partnerunternehmen unterschiedlich.

Die Rabattkarten beider Systeme unterscheiden sich zudem durch ihre Funktion.

Bei den sogenannten Bonuskarten werden dem Karteninhaber Punkte für die getätigten Einkäufe bzw. Umsätze gutgeschrieben, die dann später gegen Prämien, Gutscheine oder Spenden eingelöst oder beim nächsten Einkauf verrechnet werden können. Die Prämien sind mit einem Preis ausgezeichnet, der entweder vollständig mit den gesammelten Rabattpunkten oder mit einer Kombination aus Rabattpunkten und Zuzahlung beglichen werden kann.

Bei den Rabattkarten mit Direktvorteil wird ebenfalls der Umsatz des Karteninhabers erfasst. Übersteigt der Umsatz innerhalb einer festgelegten Zeitspanne einen bestimmten Betrag, wird dem Karteninhaber beim nächsten Einkauf ein bestimmter Prozentsatz oder Betrag von der Kaufsumme abgezogen.

Kundenbindung und Kundenprofile inklusive

Ziel der Rabattkarten ist es, die Kunden längerfristig an die jeweiligen Unternehmen zu binden. Durch den Einsatz der Karten erhalten die Kunden geldwerte Vorteile, Zusatzleistungen oder andere Vergünstigungen. Durch diesen vermeintlichen Spareffekt sollen die Kunden ein positives Bild von dem Unternehmen bekommen und wieder dorthin zurückkehren. Außerdem will das Unternehmen durch die Karte im Portemonnaie ständig für den Kunden präsent sein.

Mithilfe der auf den Karten gespeicherten persönlichen Daten ist es den Unternehmen zudem möglich, das Kaufverhalten ihrer Kunden zu analysieren und Kundenprofile zu erstellen. Dies hat zur Folge, dass das Konsumverhalten der Karteninhaber transparent wird. Verbraucher werden zum „Gläsernen Kunden“. Je öfter der Kunde die Karte einsetzt, desto genauer kann das Konsumverhalten beobachtet, können Verhaltensmuster abgeleitet oder Prognosen für zukünftiges Verhalten aufgestellt werden. Aus der Zusammenstellung der Einzelinformationen können Schlussfolgerungen zum Beispiel über die Kaufkraft oder Interessenschwerpunkte gezogen und Bewegungsprofile erstellt werden.

Rabatte nicht vergleichbar

Die Unternehmen, die Rabattkarten einsetzen, bieten ihren Kunden über Prämien und Auszahlungen einen geldwerten Vorteil. Doch dieser Vorteil ist entweder nicht messbar oder in vielen Fällen gering. Die angebotenen Rabattsysteme, deren Prämien und Vergünstigungen, unterscheiden sich in vielen Details voneinander, so dass ein Vergleich kaum möglich ist.

Bei den Multipartnerprogrammen bleibt es jedem Partnerunternehmen selbst überlassen, wie viele Rabattpunkte es dem Kunden pro umgesetzten Euro gutschreibt. Hinzu kommt, dass die Handelspartner bei den Rabattpunkten Sonderaktionen anbieten. Innerhalb eines bestimmten Zeitraums wird dann der 5- oder 10-fache Punktwert gutgeschrieben. Das hat den Vorteil, dass Karteninhaber bei den Multipartnerprogrammen innerhalb eines überschaubaren Zeitraums viele Rabattpunkte sammeln können, wenn sie immer bei den angeschlossenen Partnerunternehmen einkaufen.

Bei den Monopartnerprogrammen werden in der Regel zwischen null und zehn Prozent Rabatt gewährt. Weit verbreitet sind auch Rabattstaffeln: Wer zum Beispiel bei einem Unternehmen Einkäufe in Höhe von mindestens 500 € im zurückliegenden Jahr getätigt hat, erhält dann bei einem späteren Einkauf einen Sofortrabatt von 2 Prozent. Den attraktiveren Rabatt von 5 Prozent bekommt hingegen nur, wer im zurückliegenden Jahr beispielsweise für mindestens 2000 € eingekauft hat.

Preisvergleiche unterbleiben

Abgesehen davon, dass die Rabatte der einzelnen Bonusprogramme nicht vergleichbar sind, bergen Rabattkarten das Risiko, dass Verbraucher die benötigten Waren dort kaufen, wo sie eine Kundenkarte haben und nicht dort, wo sie unter Umständen günstiger sind. Preisvergleiche unterbleiben oft, nur um Punkte sammeln zu können und die begehrten Prämien zu bekommen.

Hinzu kommt, dass die gesammelten Punkte innerhalb eines bestimmten Zeitraums eingelöst werden müssen – sonst verfallen sie. Reichen die gesammelten Punkte nicht, um die begehrten Prämien zu bekommen, muss etwas dazu bezahlt werden. Der durch den absehbaren Punkteverfall erzeugte Zeitdruck führt dazu, dass der Preis für die Prämien nicht mit den Preisen des Handels für die gleichen Produkte verglichen wird. Verbraucher wissen daher oftmals nicht, ob sie die Prämien zu teuer einkaufen.

All dies kann dazu führen, dass Verbraucher im Ergebnis mehr Geld ausgeben als nötig.

Weitere Informationen

Informationen im Verbraucherfenster

Payback & Co., Teil 2: Bezahlt wird mit persönlichen Daten

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

Telefonische Beratung 0900 1 972010. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.

Auskunfts- und Servicetelefon: Informationen über das Beratungsangebot und das Beratungsstellennetz der Verbraucherzentrale Hessen unter (069) 97 20 10 - 900.

Homepage: www.verbraucher.de  

Der Ratgeber „Meine Daten gehören mir“  ist für 9,90 € in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Hessen erhältlich. Für zusätzlich 2,50 € bei Einzelversand, also für insgesamt 12,40 €, kommt er – mit Rechnung – auch ins Haus.

Bestellungen an: Versandservice der Verbraucherzentralen, Himmelgeister Straße 70, 40225 Düsseldorf, Bestell-Telefon: (0211) 38 09 - 555, Bestell-Fax: (0211) 38 09 – 235, E-Mail: ratgeber@vz-nrw.de

Verfasser:  Verbraucherzentrale Hessen e.V., Große Friedberger Str. 13-17, 60313 Frankfurt

Stand: August 2017