Kaufen macht Spaß – Konsum, Lifestyle und Recht

Das erste selbst verdiente ist Geld auf dem Konto. Lang ersehnte Träume lassen sich verwirklichen: Der erste Urlaub online gebucht, ein Möbelstück, das dem eigenen Geschmack entspricht, endlich kann man sich in dem angesagten Fitnessstudio anmelden. Was soll da problematisch sein?  Katharina Lawrence von der Verbraucherzentrale Hessen erklärt, wie man sich mit ein paar Kenntnissen aus dem Verbraucherrecht Frust und Ärger ersparen kann.

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Junge Frau bucht Reise online

VF: Auf Shopping-Tour zu gehen, macht doch Spaß. Wollen Sie den jungen Leuten den Spaß verderben?

Lawrence: Natürlich macht es Spaß einzukaufen. Besonders, wenn man jung ist und das erste selbst verdiente Geld in der Tasche hat. Und damit der Spaß auch nach der Tour noch erhalten bleibt, schadet es nicht, wenn man ein paar rechtliche Überlegungen im Hinterkopf hat, bevor man loszieht oder -surft.

VF: Machen wir es konkret. Wir nehmen an, die 20-jährige Leonie braucht ein neues Sofa für ihr WG-Zimmer. Sie geht in ein Möbelhaus und bestellt ein Sofa, das ihr gefällt. Wo ist das Problem?

Lawrence: Soweit nirgendwo. Ein Problem kann auftreten, wenn Leonie ihre Meinung ändert und das Sofa doch nicht will.

VF: Aber kann man nicht alles Gekaufte innerhalb einer gewissen Zeit zurückgeben?

Lawrence: Nein. Bei mangelfreier Ware, die man in einem Ladenlokal gekauft hat, ist man grundsätzlich an den Kaufvertrag gebunden.

VF: Ist das so? In vielen Geschäften werden doch auch Kleidungsstücke anstandslos zurückgenommen.

Lawrence: Das Bürgerliche Gesetzbuch bietet kein Widerrufsrecht bei stationär gekaufter Ware. Das erstaunt viele junge Leute. Sie sind gewohnt, dass viele Textilanbieter in ihren Filialen Ware zurücknehmen. Dies ist aber Kulanz.

VF: Welche Rechte hat man bei Online-Verträgen? Angenommen, die 20-jährige Leonie bucht für sich und ihre Freundin online eine Reise, um dann festzustellen, die Freundin hat es sich anders überlegt. Kann Leonie die Reisebuchung widerrufen?

Lawrence: Nein, nicht alle Online-Verträge kann man widerrufen. An die Buchung einer Reise übers Internet ist man ebenfalls gebunden. Ist es eine Pauschalreise, kann man höchstens mit einer Stornierung reagieren, die zieht aber Kosten nach sich.

VF: So, man kann also nicht alle Online-Verträge widerrufen.

Lawrence: Genau, neulich habe ich erlebt, dass eine junge Frau scheiterte, als sie ein online bestelltes Konzertticket widerrufen wollte. Nach dem Gesetz muss der Verkäufer ihr das Geld nicht zurückgeben.

VF: Wo liegen denn noch Gefahren beim Shopping im Netz?

Lawrence: Man sollte immer schauen, wer steht im Impressum, also wer bietet mir die Dienstleistung oder die Ware an. Sowohl der Name als auch eine Adresse mit Straße und Hausnummer unter welcher der Verkäufer anzutreffen ist, müssen dort zu finden sein. Ist es eine offizielle Verkaufsstelle einer bestimmten Marke? Gibt es schon zu Hauf negative Berichte in Foren? Auch das sind wichtige Kriterien. Fake-Shops vermiesen einem die Freude am Geld ausgeben.

VF: Wie erkennt man Fake-Shops?

Lawrence: Fake-Shops werben mit niedrigen Preisen für teils hochwertige Waren, die in anderen Shops nur zu einem höheren Preis oder gar nicht verfügbar sind. Elektroartikel, wie Handys, aber auch Schuhe sind beliebte Verkaufsartikel. Die Ware wird nicht geliefert oder hat eine minderwertige Qualität. Sein Geld sieht man niemals wieder. Ein Tipp: Fragen Sie direkt beim Hersteller nach, ob er über den Shop Waren vertreibt.

VF: Haben Sie noch einen Tipp, wie man sich vor unseriösen Anbietern schützen kann?

Lawrence: Typisch ist, dass Vorkasse verlangt wird, wobei dies online oft verschleiert wird. Will man sich als Verbraucher schützen und beim Bezahlen „Kauf auf Rechnung“ oder „Lastschrift“ wählen, so sollte man sich die Bestellung in dem Shop zweimal überlegen, wenn dies plötzlich wegen angeblich technischer Probleme nicht möglich ist.

VF: Junge Leute sind oft sehr mobil, gehen zur Ausbildung oder zum Studium in eine andere Stadt, was sollten sie bedenken?

Lawrence: Weiß man nicht, ob man an einem Ort bleibt, so sollte man keine langfristigen Verträge eingehen. Viele Verbraucher meinen, man könnte bei einem Umzug ganz einfach aus einem auf zwei Jahre abgeschlossenen Fitnessstudiovertrag aussteigen. Die neuere Rechtsprechung ist aber ernüchternd. Um flexibel zu bleiben, ist es besser die Laufzeiten entsprechend der eigenen Planung konkret auszuhandeln: Für den Sommer vor Semesterbeginn oder bis zum Ende der Probezeit.

VF: Was vergessen junge Menschen häufig?

Lawrence: Das Thema Versicherungen. Sie vergessen, eine eigene private  Haftpflichtversicherung abzuschließen. Sie verpassen den Zeitpunkt, ab dem sie tatsächlich nicht mehr über ihre Eltern versichert sind. Das ist nicht immer der Abschluss der ersten Berufsausbildung. Und vergessen wird oft, vor einem Trip ins Ausland und sei es nur übers Wochenende ins benachbarte Europa, eine eigene Reisekrankenversicherung mit Rückholtransport abzuschließen.

VF: Vielen Dank für die hilfreichen Informationen.

Stand: Dezember 2018