Jo-Jo bei den Preisen im Internet-Handel

Verbraucher reiben sich manchmal verwundert die Augen, wenn sie beim Online-Shopping die Preise verfolgen: Schwankungen von 100 Prozent und mehr innerhalb weniger Tage oder sogar Stunden sind keine Seltenheit. Um den richtigen Zeitpunkt für die Bestellung abzupassen, müssen Verbraucher deutlich mehr Mühe und Zeit investieren.

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Arme kommen aus Bildschirmen und halten eine Geldkarte und eine Einkaufstüte

Online-Preise fahren Achterbahn

Ob Autobatterie, Pillen oder Jeans – die Preise für das jeweilige im Internet angebotene Produkt können von Tag zu Tag oder innerhalb weniger Stunden erheblich schwanken. „Dynamic Pricing“ wird dieses Phänomen im Fachjargon genannt. Die Verbraucherzentrale (VZ) Brandenburg hat die dynamische Preisdifferenzierung bei 16 Händlern im Online-Handel untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass 15 von ihnen regelmäßig die Preise ihres Sortiments ändern, manche sogar bis zu 32 Mal innerhalb von 34 Tagen. Zwar ist das „Preis-Jo-Jo“ im Handel grundsätzlich nichts Neues, Autofahrer kennen es ja schon lange von den Benzinpreisen. Wie intensiv Online-Händler „Dynamic Pricing“ betreiben, war bislang jedoch wenig bekannt. Die Untersuchung der VZ Brandenburg hat ergeben, dass bei knapp einem Drittel die Preise zum Teil mehr als verdoppelt wurden. In einem Fall schwankte der Preis für ein Handy um 220 Euro. Und nicht selten ist für den zu zahlenden Preis die Tageszeit entscheidend: Im Untersuchungszeitraum waren die Preise morgens oft bis zu 30 Prozent höher als nachmittags.

Verbraucher müssen mehr Zeit investieren

Für „Otto Normalverbraucher“ ist das Auf und Ab der Online-Preise oft schwer zu durchschauen. Auch lässt sich häufig nicht einschätzen, ob man gerade günstig oder eher teuer gekauft hat, da es im Grunde keine verlässlichen Referenzpreise gibt. Das führt – so wird vermutet –- letztlich zu einem schwindenden Vertrauen der Verbraucher, die gegebenenfalls lieber bei Händlern kaufen, die ihre Preise weniger häufig ändern.

Die Preisschwankungen könnten sich künftig durch eine so genannte automatisierte, dynamische Preissetzung weiter verstärken. Dabei ermittelt der Computer mithilfe spezieller Algorithmen unter anderem das Nutzerverhalten, die Konkurrenzangebote, die eigenen Lagerbestände oder äußere Umstände wie Witterungsbedingungen. "Dann müssen Verbraucher – ähnlich wie Börsenhändler – fallende und steigende Preise noch intensiver in den Blick nehmen, was den Zeitaufwand für einen Preisvergleich deutlich erhöhen kann", warnt Miika Blinn, Referent beim Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.

Hilfreich können unter Umständen Vergleichsportale, beispielsweise idealo.de oder guenstiger.de sein. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass nicht jeder Anbieter bei den Preissuchmaschinen vertreten ist.

Stand: Dezember 2018