Heute so, morgen so: Dynamische Preise

Nicht nur an der Tankstelle: Manche Händler verändern laufend ihre Preise. Ob das an der Uhrzeit liegt oder auch an der Käuferin oder dem Käufer selbst, darüber wird viel spekuliert. Aber welche Preisveränderungen sind erlaubt?

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Münzgeld

Preise schwanken hin und her

Wer die großen Anzeigetafeln der Tankstellen beobachtet, kennt das. Die Preise für Benzin und Diesel schwanken, manchmal sogar mehrfach täglich. Es handelt sich um sogenannte dynamische Preise. Faktoren für geänderte Preise kann es viele geben. Die Nachfrage kann hoch sein, etwa wegen eines Feiertages. Oder die Tankstelle musste ihren Treibstoff zu höheren Preisen einkaufen und gibt die gestiegenen Preise an die Kundschaft weiter.

Ähnlich ist das im Internet. Auch Onlineshops passen ihre Preise an. Sie reagieren ebenfalls auf gestiegene Nachfrage, aber auch auf Angebote der Konkurrenz. Eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Brandenburg zeigte, dass dynamische Preise auch im Internet Alltag sind. Der Preis für ein Paar Sneaker kann deshalb montags anders sein als dienstags. Welche Faktoren ein Unternehmen genau berücksichtigt, bleibt im Dunkeln. Aber immerhin gibt es die Möglichkeit, auf Vergleichsportalen die Preise zu überprüfen. Dort zeigt sich, wo die Sneaker gerade günstig sind.

Sind Preisschwankungen erlaubt?

Unternehmen dürfen ihre Preise verändern, sie dürfen das sogar häufig. Denn in der Preisbestimmung sind sie normalerweise frei. Aber sie müssen bei der Wahrheit bleiben, sie dürfen nicht täuschen. Verboten ist es etwa, den aktuellen Preis mit einem Streichpreis zu vergleichen, den ein Unternehmen nie verlangt hat. Wenn eine Firma behauptet, die Sneaker seien um 30 Prozent reduziert, muss das stimmen.

Gegen solche und andere Wettbewerbsverstöße kann die Verbraucherzentrale rechtlich vorgehen und die verantwortlichen Unternehmen auf Unterlassung in Anspruch nehmen. Dazu ist es hilfreich, dass die Verstöße samt entsprechender Beweise (zum Beispiel Screenshots) an beschwerde@verbraucherzentrale-hessen.de gemeldet werden.

Personalisierte Preise

Es ist auch denkbar, dass Unternehmen ihre Preise individuell an die Kundschaft anpassen. Zahlungskräftigere Menschen zahlen dann einen höheren Preis als andere. Dadurch könnten Unternehmen die individuelle Zahlungsbereitschaft besser ausnutzen. Sie würden also das Preisniveau insgesamt erhöhen und damit ihren Gewinn steigern.

Wie viele Unternehmen mit solchen Methoden Geld verdienen, ist unklar. Immer wieder wurde vermutet, dass zum Beispiel die Nutzung eines teureren Handys beim Online-Shoppen auch zu höheren Preisen führen würde. Sicher nachweisen lässt sich das bisher kaum. Dass Firmen in diese Richtung Überlegungen anstellen, zeigt sich aber regelmäßig in den Medien.

Beim Fahrdienst Uber werden Preise nachfragebasiert gesteuert. Nachfrage kann allerdings viele Facetten haben. Welche Faktoren genau einfließen, bleibt wiederum unklar. Das Unternehmen hält seinen Algorithmus geheim. Teilweise wird spekuliert, ob die Uber-Preise steigen, wenn das für die Buchung genutzte Handy einen niedrigen Akkustand hat. Die mögliche Idee dahinter: Wer befürchtet, dass der Akku des Smartphones gleich leer ist, muss auch höhere Preise hinnehmen. Denn abzuwarten, ob die Preise später wieder absinken, ist in einem solchen Fall eher keine Option.

Schutz durch die DGSVO

Mit einem interessanten Beispiel machte auch die Autovermietung Sixt von sich reden. Dort hieß es, man habe die Zahl der Variablen für die Preisbildung deutlich erhöht. Was das bedeutet, erklärte die Firma mit einem Vergleich. Wer aus einem Chanel-Laden auf der teuren Münchner Maximilianstraße laufe, bekomme wahrscheinlich einen höheren Preis als jemand, der aus einem Outlet-Geschäft komme, so Sixt.

Doch schnell distanzierten sich die Verantwortlichen wieder von ihren eigenen Aussagen. Denn das Vorhaben ist rechtlich deutlich problematischer als die einfache dynamische Preisanpassung. Damit das Vorhaben funktioniert, bräuchte das Unternehmen zahlreiche persönliche Daten wie den Standort des Mobiltelefons. Diese Daten sind durch die Datenschutz-Grundverordnung (kurz DSGVO) geschützt. Sie dürfen nur mit Einwilligung der Betroffenen verarbeitet werden. An einer solchen Einwilligung hat jedoch kaum jemand ein echtes Interesse.   

Tipps der Verbraucherzentrale Hessen zum Umgang mit Dynamic Pricing

  • Es empfiehlt sich generell, Preise online aufmerksam zu beobachten. Wie die Untersuchung der Verbraucherzentrale Brandenburg zeigt, vor allem auch zu unterschiedlichen Tageszeiten. Aber auch saisonale Effekte lassen sich ausnutzen.
  • Gerade bei größeren, teuren Anschaffungen kann sich ein Preisvergleich über einen längeren Zeitraum rentieren. Hierfür können sich auch Vergleichsportale eignen.
  • Werden zusätzlich zu heruntergesetzten Produkten noch weitere Artikel bestellt, sollte man besonders aufpassen.
  • Weitere Tipps rund um das Thema Online-Handel hat die Verbraucherzentrale Hessen in ihrem Beitrag “Schnäppchenjagd bei Rabatt-Aktionen im Online-Handel“ zusammengestellt.
  • Hörenswert ist auch der Podcast „Dynamische Preisgestaltung - ist das überhaupt erlaubt?“ auf der Projektseite www.algo-was.de


Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e.V.

Stand: November 2021