Handel im Graubereich

Der Handel mit leicht zu merkenden Handynummern im Internet boomt. Dabei kosten extrem seltene Rufnummern bis zu einer halben Million Euro. Sind solche Angebote überhaupt erlaubt und wie seriös sind die Anbieter?

woman-791874_1920.jpg

Frau mit Handy am Ohr

Das Taxi mit der Nummer „44444“ rufen,  oder die eingängige Gewinnspiel-Hotline des Radiosenders wählen. Eine gut zu merkende Rufnummer ist für viele Unternehmen sehr wichtig.  Doch solche Rufnummern sind nicht einfach zu bekommen. Bei vielen Mobilfunkanbietern kann der Kunde zwar gegen einen Aufpreis eine Wunschrufnummer wählen,  aber die meisten Kombinationen sind bereits vergeben. Einige haben darin eine Geschäftsidee entdeckt und bieten seit Längerem sogenannte VIP-Rufnummern für viel Geld bei  Online-Auktionshäusern an.

Den Preis der Rufnummer bestimmt die Art der Kombination. So verlangt beispielsweise ein Anbieter bis zu einer halben Million Euro für eine Handynummer mit fünf Nullen. Rufnummern, die aus mindestens vier gleichen Ziffern bestehen, gibt es bereits ab 500 Euro. Manche Verkäufer erscheinen seriös, andere mindestens dubios. Sie alle bewegen sich auf einem Markt in einer rechtlichen Grauzone.

Rufnummern-Handel ist nicht zulässig

Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass der Handel mit Handynummern gegen die Telekommunikations-Nummerierungsverordnung  verstößt und somit nicht zulässig ist. Auch Vodafone betont, dass Verbraucher beim Erwerb von VIP-Rufnummern über Online-Verkaufsplattformen vorsichtig sein müssen. So kann es passieren, dass sie am Ende weder Geld noch die gewünschte Nummer besitzen. Mobilfunkbetreibern ist es nicht gestattet Handel mit Rufnummern zu betreiben.

Vor sieben Jahren gab es ein Urteil des Düsseldorfer Landgerichts (Urteil vom 20.07.2012, Az. 6 O 518/10 § 4 TNV). Ein Verbraucher hatte über eine Handelsplattform für viel Geld eine VIP-Rufnummer gekauft. Nach einiger Zeit funktionierte die Nummer nicht mehr. Ein Mitarbeiter des zugehörigen Mobilfunkbetreibers hatte ihm die Nummer wieder weggenommen und sie auf jemanden anderen übertragen. Der Käufer klagte gegen den Mobilfunkbetreiber – und verlor,  trotz des dubiosen Vorgehens des Mitarbeiters. Weder sein Geld noch die Nummer bekam er zurück, da zuvor der Kauf der Nummer über eine Handelsplattform bereits ein Verstoß war.

Die Verordnung lässt jedoch Spielraum

So ist aus Sicht von verschiedenen Handelsplattformen die rechtsgeschäftliche Weitergabe von Zuteilungen von Telefonnummern laut Verordnung in bestimmten Fällen erlaubt und nicht illegal. Ein gewerblicher Anbieter verkauft beispielsweise Prepaid-Startpakete mit nicht aktivierten SIM-Karten und besonders leicht zu merkenden Handynummern. Da die Nummern nur Bestandteil des Startpakets seien, handele es sich um einen legalen Handel. Seitens der Mobilfunkanbieter erfolgt hierbei auch keine aktive Prüfung.

Interessierte Käufer sind daher schnell zu überzeugen. Weil weder die Mobilfunkbetreiber noch die Bundesnetzagentur die Angebote auf den Online-Handelsplattformen überprüfen,  ist die Gefahr relativ gering, die Nummer wieder abgeben zu müssen. Laut Verbraucherzentrale sind keine Probleme oder Beschwerden im Zusammenhang mit dem Handel von VIP-Rufnummern bekannt. Wer allerdings auf einen Betrüger reinfällt und am Ende ohne Nummer und Geld dasteht, hat wenige Chancen, sein Recht einzuklagen.

(Stand: Januar 2019)