Gewährleistung oder Garantie – was lohnt sich mehr?

Der Blue-Ray-Spieler ist sieben Monate nach dem Kauf defekt. Die Garantie des Herstellers beinhaltet, dass das Gerät bei sachgemäßen Gebrauch mindestens drei Jahre hält und in dieser Zeit vom Hersteller kostenlos repariert wird. Sollte der Käufer sich jetzt an den Händler oder an den Hersteller wenden? Und was hat es eigentlich mit den sogenannten „Garantieverlängerungen“ auf sich?

RS10220_Frau schaut sich im Geschaeft Anorak an © Susanne Güttler - Fotolia.com_.jpg

Frau Anorak

1. Gewährleistung und Garantie – der Unterschied

Um zu verstehen, wann es besser ist, sich auf die gesetzliche Gewährleistung oder eine Garantie zu berufen, muss man diese voneinander unterscheiden können.

Gewährleistungsansprüche stehen dem Verbraucher per Gesetz gegenüber dem Verkäufer zu.

Die Garantie ist eine freiwillige Zusage des Herstellers oder des Verkäufers gegenüber dem Verbraucher – verknüpft mit dem Versprechen über den einwandfreien Zustand der Ware.

Gemäß § 477 BGB muss eine Garantieerklärung einfach und verständlich abgefasst sein und alle wesentlichen Angaben enthalten, die für die Geltendmachung der Garantie erforderlich sind. Dazu gehören insbesondere die Dauer, der Inhalt und der räumliche Geltungsbereich der Garantie sowie Name, und Anschrift des Garantiegebers. Auf Wunsch ist dem Verbraucher die Garantie in Textform auszuhändigen.

Eine Garantie gilt immer zusätzlich zur gesetzlichen Gewährleistung. Sie schränkt die Gewährleistung weder ein noch setzt sie diese außer Kraft.

2. Unterschiede bei den Garantien

Es gibt zwei Arten von Garantie:

Mit einer Beschaffenheitsgarantie gewährleistet der Hersteller einer Sache eine bestimmte Beschaffenheit und Mangelfreiheit zum Zeitpunkt der Übergabe, d. h. des Kaufs.

Mit einer Haltbarkeitsgarantie übernimmt der Hersteller die Versicherung dafür, dass die Sache für eine bestimmte Dauer eine bestimmte Beschaffenheit behält. Es wird also die Funktionsfähigkeit während der Garantiezeit zugesagt.

Bei Eintritt des Garantiefalls ergibt sich aus der Garantieurkunde, welche Rechte Verbraucher haben. Eine Herstellergarantie ist üblicherweise auf einen Anspruch auf Reparatur oder Ersatz gerichtet, gibt dem Verbraucher aber kein Rücktrittsrecht.

3. Gewährleistung oder Garantie – was ist besser?

Um beurteilen zu können, wann es für Verbraucher besser ist, Ansprüche aus der Gewährleistung oder der Garantie abzuleiten, kommt es darauf an, wann der Mangel an der Kaufsache auftritt.

Passiert dies innerhalb der ersten sechs Monate ab dem Kauf, ist zumeist die Gewährleistung besser. Denn in dieser Zeitspanne muss der Verbraucher nicht beweisen, dass der Mangel von Anfang an vorhanden war. Zudem gehen die Sachmängelansprüche oftmals weiter als die Ansprüche aus einer Garantie.

Tritt der Mangel – wie im Falle des Blue-Ray-Spielers – nach sieben Monaten auf, könnte für den Verbraucher die Herstellergarantie besser sein. Denn für die Ansprüche aus der Garantie gilt meist eine Verjährungsfrist von drei Jahren. Allerdings müssen auch die Garantiebedingungen, die sich aus der Garantieurkunde ergeben, erfüllt sein.  

In jedem Fall muss genau geprüft werden, welche Ansprüche (Garantie oder Gewährleistung) man gegen wen (Hersteller oder Verkäufer) geltend macht. Verbraucher, die sich unsicher sind, können sich von der Verbraucherzentrale Hessen e.V. hierzu beraten lassen.

4. Sonderfall „Garantieverlängerung“

Beim Kauf von Elektrogeräten werden Verbrauchern oft sogenannte „Garantieverlängerungen“ angeboten. Damit sollen die gesetzliche Gewährleistung verlängert bzw. eventuell erforderliche Reparaturkosten oder Schäden in Folge von Diebstahl abgedeckt werden. Tatsächlich handelt sich also um Elektrogeräte- oder Reparaturversicherungen, die rein gar nichts mit einer Herstellergarantie zu tun haben.

Diese Versicherungen lohnen sich in den seltensten Fällen. Die häufigsten Schäden, die an Elektrogeräten auftreten können, sind bereits über die gesetzlichen Gewährleistungsrechte, eventuell gegebene Herstellergarantien oder auch über die Hausratversicherung, sofern diese abgeschlossen wurde, abgedeckt.

Hinzu kommt, dass die Leistungen der Elektrogeräteversicherung häufig auf den Zeitwert des Geräts begrenzt sind bzw. eine Eigenbeteiligung im Schadensfall oder Wartezeiten bis zum Eintritt der Versicherung vereinbart werden.

Reparaturkosten werden oft erst dann übernommen, wenn weder gegen den Händler Gewährleistungs- noch gegen den Hersteller Garantieansprüche bestehen – in der Regel also erst nach zwei oder drei Jahren. Dann sind aber schon Monat für Monat Prämien in die Elektrogeräteversicherung gezahlt worden. Und für die Zeit nach Ablauf der Gewährleistungsfrist werden die Beiträge für eine Reparaturversicherung unter Umständen erhöht.

Auch das Wegegeld für den Fachmann, der zum Beispiel die Waschmaschine reparieren soll, wird von der Reparaturversicherung häufig nicht übernommen. Zudem kann es sein, dass man bei einem Austausch des Gerätes ein gebrauchtes Modell akzeptieren muss.

Tipp:

Elektrogeräte- oder Reparaturversicherung, die bereits abgeschlossen sind, können zum nächstmöglichen Kündigungstermin gekündigt werden.

Zudem bestehen Sonderkündigungsrechte im Schadensfall und bei Preiserhöhungen. Doch nicht jede Preissteigerung ist eine Preiserhöhung, die diese Art der Kündigung erlaubt. Wurde die Versicherungssteuer erhöht oder ging mit der Preiserhöhung eine Verbesserung der Leistungen einher, besteht kein Sonderkündigungsrecht.

5. Weitere Informationsquellen

Informationen im Verbraucherfenster

Worauf es ankommt, wenn man seine gesetzlichen Gewährleistungsansprüche geltend machen will, erläutert der Fachbeitrag "Gewährleistung, Reklamation, Garantie, Teil 1: Reklamation und Gewährleistung – Was ist zu beachten?“

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Beratung 0900-1-972010 (1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.)
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  • Homepage: www.verbraucher.de

Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e.V., Große Friedberger Str. 13-17, 60313 Frankfurt

Stand: August 2017